Ölmarkt: Spannung auf hohem Preisniveau | Wirtschaft | DW | 08.05.2018
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Iran

Ölmarkt: Spannung auf hohem Preisniveau

Es ist wie bei der sprichwörtlichen Ruhe vor dem Sturm: Am Abend will US-Präsident Trump verraten, wie er es mit dem Iran halten wird - und die Ölpreise ruckeln von den Höchstständen der letzten Tage etwas zurück.

Öl am Persischen Golf. (Mehr)

Erdölförderung in Iran

Enger könnte der Zusammenhang zwischen Politik und Ölmarkt kaum sein, als derzeit zu beobachten. Wenige Stunden vor der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zur Zukunft des Atom-Abkommens mit dem Iran nehmen Rohöl-Anleger Gewinne mit. Zum Wochenstart waren die Preise an den Energiebörsen nämlich auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch gestiegen. Am Dienstag verbilligt sich Brent-Nordseeöl wieder um 0,7 Prozent.

Ein Fass  (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete am Dienstagmorgen 75,40 US-Dollar. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni fiel um 85 Cent auf 69,88 Dollar. Am Dienstagabend will Trump in Washington seine Entscheidung bekannt machen.

Die Aufmerksamkeit der Investoren am Rohölmarkt dürfte ihm sicher sein. Eine Aufkündigung des Atom-Abkommens mit Iran hätte weitreichende Folgen für den Ölmarkt. Damit verbunden wären vermutlich Sanktionen, die auf dem Weltmarkt zum Ausfall von großen Mengen Iran-Öl führen würden. Iran ist hinter Saudi-Arabien und Irak der drittgrößte Ölproduzent in der Opec, der Organisation erdölexportierender Länder.

Venezuela Opec Öl Förderung (picture-alliance/dpa/M. Gutierrez)

Ölförderung in Venezuela. Noch.

Die Entscheidung Trumps dürfte aber auch heftige Konsequenzen für die Wirtschaft Irans haben. Das verneinte der Präsident der iranischen Zentralbank Valiollah Seif zwar am Dienstag: "Wenn Amerika sich aus dem Abkommen zurückzieht, wird die Wirtschaft nicht betroffen", behauptete Seif im Staatsfernsehen.

Allerdings ist der Öl- und Gassektor der wichtigste Wirtschaftszweig Irans, und die Regierung ist von den Einnahmen abhängig. Die iranische Landeswährung Rial wurde am Dienstag für rund 65.000 Rial pro Dollar gehandelt - eine Abwertung von einem Drittel im Vergleich zum Ende des letzten Jahres.

In den Preisen schon enthalten

Marktbeobachter halten starke Preisausschläge allerdings für wenig wahrscheinlich. Das Aus für das Iran-Abkommen sei in den Kursen derzeit bereits enthalten, sagte Volkswirt Tatsufumi Okoshi von der Investmentbank Nomura. Sollte Trump Sanktionen verhängen, die denen von 2012 ähneln, werde es aber zu einem Angebotsengpass bei Rohöl kommen.

Dabei gilt schon jetzt das Angebot als knapp. Das liegt zum einen an der seit Anfang 2017 geltenden Fördergrenze der Opec. Zum anderen ist die Förderung in dem ölreichen Krisenstaat Venezuela eingebrochen. Hinzu kommt eine solide wachsende Weltwirtschaft, die für eine steigende Nachfrage nach Erdöl sorgt.

Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Nachfrage um 1,7 Millionen Barrel pro Tag, im ersten Quartal des laufenden Jahres um 2,5 Millionen Barrel pro Tag. "Wir erwarten, dass der Ölmarkt bis Mitte 2019 ein sichtbares Marktdefizit aufweisen dürfte", schreibt Analyst Jan Edelmann von der HSH Nordbank. "Das sollte die Ölpreise auf hohem Niveau verharren lassen."

Deutschland Benzinpreise (picture-alliance/dpa/A. Burgi)

Hohe Politik an der Zapfsäule. Benzinpreise in Deutschland steigen.

Folgen für Heizöl und Benzin

Das merken auch in Deutschland längst die Autofahrer und Hausbesitzer: Der Preis für Heizöl hat seinen höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren erreicht. Am Montag mussten die Kunden im bundesweiten Durchschnitt rund 68 Euro für 100 Liter bezahlen.  Ähnlich teuer war Heizöl zuletzt im November 2014. Damals lag der Preis während eines Großteils des Jahres bei rund 80 Euro, ehe im Herbst eine Abwärtsbewegung einsetzte, die am Ende auf weniger als 60 Euro führte.

In den vergangenen drei Monaten ist Heizöl in Deutschland damit um rund 10 Euro je 100 Liter teurer geworden. Auch bei den Spritpreisen sieht es ähnlich aus. Benzin und Diesel kosten so viel wie lange nicht mehr: Diesel kostete in Deutschland zuletzt im Schnitt 1,24 Euro pro Liter, Super rund 1,40 Euro.

ar/bea (dpa,rtr)    

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