Äthiopische Armee dringt in Regionalhauptstadt von Tigray ein | Aktuell Afrika | DW | 28.11.2020
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Tigray-Konflikt

Äthiopische Armee dringt in Regionalhauptstadt von Tigray ein

Die äthiopische Armee ist nach Regierungsangaben in die Hauptstadt der abtrünnigen Region Tigray einmarschiert. Das Militär erklärte, die Kontrolle in Mekelle übernommen zu haben.

Tigray-Konflikt | Militär Äthiopien

Kämpfer der äthiopischen Armee an der Grenze zur Region Tigray (Archivaufnahme)

Stabschef Birhanu Jula erklärte auf dem Facebook-Kanal der Streitkräfte, die Regierungstruppen hätten die Kontrolle über Mekelle in der aufständischen Region Tigray übernommen. Ministerpräsident Abiy Achmed erklärte per Twitter, seine Soldaten seien nun in der Stadt. Das militärische Vorgehen in Tigray sei damit abgeschlossen.

Der Flughafen und andere wichtige Standorte seien eingenommen worden. Zudem wurden nach Abiys Worten Tausende Soldaten befreit, die die Volksbefreiungsfront TPLF gefangen genommen hatte. 

Zuvor hatte der Regionalpräsident von Tigray, Debretsion Gebremichael, der Nachrichtenagentur Reuters berichtet, die Stadt mit rund 500.000 Einwohnern stehe unter schwerem Beschuss. Zugleich warf er dem benachbarten Eritrea vor, Flüchtlingslager in Tigray nach eigenen Staatsbürgern zu durchsuchen, die sich dorthin abgesetzt haben.

Regierungschef Abiy erklärte, die Armee sei bei ihrer Offensive mit "Präzision und der nötigen Sorgfalt" vorgegangen, um zivile Opfer in der 500.000-Einwohner-Stadt zu vermeiden. Die Regionalregierung hatte am Nachmittag hingegen erklärt, auch Zivilisten seien zum Ziel der Angriffe geworden. Unabhängig überprüfen lassen sich die Aussagen beider Konfliktparteien kaum. Die Telefon- und Internetverbindungen in Tigray sind unterbrochen; der Zugang in die im Norden gelegene Region wird strikt überwacht.

Äthiopien Konflikt in Tigray

Offensive im Norden: Soldat der äthiopischen Armee in Dansha am Mittwoch

Am Donnerstag hatte Abiy die "finale Phase" der Offensive gegen Tigray angekündigt. Ein am vergangenen Sonntag gestelltes Ultimatum zur Kapitulation hatte die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF ignoriert. Internationale Aufrufe zum Dialog wies Ministerpräsident Abiy zurück. Nach Gesprächen mit Gesandten der Afrikanischen Union (AU) erklärte Abiy, er werde die Militäroffensive fortsetzen.

Wechselseitige Beschuldigungen

In Äthiopien bekämpfen sich seit mehr als drei Wochen die Armee und die TPLF, die maßgeblich an der vormaligen Koalition beteiligt war und die den jetzigen Ministerpräsidenten nicht anerkennt. Auslöser der Kämpfe war nach Darstellung der Regierung in Addis Abeba ein bewaffneter Angriff von TPLF-Kräften auf eigene Soldaten, die in Tigray stationiert waren. Abiy wirft der Volksbefreiungsfront vor, einen bewaffneten Aufstand angezettelt zu haben. Die TPLF spricht dagegen von einem Präventivschlag. Sie wirft dem Friedensnobelpreisträger Abiy Unterdrückung vor. Vor den Kämpfen in Tigray sind nach UN-Angaben bereits mehr als 43.000 Menschen in den angrenzenden Sudan geflohen, die Hälfte von ihnen Kinder.

Äthiopien Konflikt in Tigray | Flüchtlinge in Sudan

Tausende Menschen versuchen den Kämpfen zu entkommen - hier ein Lager in der sudanesischen Grenzstadt Hamdayit am Freitag

Die Ethnie der Tigray stellt etwa sechs Prozent der 110 Millionen Einwohner umfassenden Bevölkerung Äthiopiens. Die gleichnamige Region verfügt über eine eigene Verwaltung. Als Ministerpräsident Abiy, der zur zahlenmäßig größten Ethnie der Oromo gehört, 2018 an die Macht kam, begann er den Einfluss der TPLF zu beschneiden. Deren Anführer zogen sich daraufhin nach Tigray zurück. Vor rund zwei Monaten organisierte die TPLF dort Regionalwahlen, was die Zentralmacht ablehnte. Experten sehen in der Abstimmung einen wesentlichen Auslöser des jetzigen Konflikts.

jj/uh (dpa, afp, rtr)

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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