Äthiopien und Eritrea nehmen Friedensgespräche auf | Aktuell Afrika | DW | 08.07.2018
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Friedensgespräche

Äthiopien und Eritrea nehmen Friedensgespräche auf

Rund 20 Jahre nach dem Krieg zwischen ihren Ländern haben sich die Regierungschefs Abiy Ahmed und Isaias Afwerki in Asmara getroffen. Die Begegnung begann mit einer von vielen für undenkbar gehaltenen Geste.

Äthiopischer Ministerpräsident Abiy Ahmed beim Staatsbesuch in Eritrea (Twitter/@fitsumaregaa)

Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed (li.) und Eritreas Präsident Isaias Afwerki

Fernsehbilder zeigten, wie Eritreas Präsident Isaias Afwerki seinen äthiopischen Besucher, Regierungschef Abiy Ahmed, in der Hauptstadt Asmara zur Begrüßung umarmte. Vor wenigen Wochen wäre das noch unvorstellbar gewesen.

Eritrea Treffen Abiy Ahmed und Isaias Afwerk in Asmara (picture-alliance/dpa/ERITV)

Historische Geste: Eritreas Präsident Isaias Afwerki (vorn) umarmt den äthiopischen Regierungschef Abiy Ahmed

Das Treffen stelle eine "neue Ära von Frieden und Zusammenarbeit" dar, twitterte Eritreas Informationsminister Yemane Meskel. Und Abiys Stabschef Fitsum Arega schrieb: "Wir können nun zwei Jahrzehnte des Misstrauens überwinden und uns in eine neue Richtung bewegen."

Diplomatische Beziehungen

Nach jahrzehntelanger Feindseligkeit vereinbarten beide Staaten die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen. Die Nachbarländer im Nordosten Afrikas hatten ihre Verbindungen Ende der 1990er-Jahre gekappt.

Ebenso wurde bei dem historischen Treffen in Asmara die Wiederherstellung direkter Telefonverbindungen beschlossen. Zudem kündigte die staatliche äthiopische Fluglinie "Ethiopian Airlines" an, nicht nur eine Verbindung in das Nachbarland zu etablieren, sondern Eritrea bald "mit 114 anderen Ländern auf fünf Kontinenten" zu verbinden.

Widerstand im eigenen Land

Äthiopiens neuer Regierungschef Abiy Ahmed, der erste aus der Volksgruppe der Omoro, hatte im April in seiner Antrittsrede versprochen, mit dem Nachbarland Eritrea zu einer Friedenslösung zu kommen. Anfang Juni kündigte er an, den Beschluss einer von den Vereinten Nationen unterstützten Internationalen Schiedskommission über den Grenzverlauf aus dem Jahr 2002 "vollständig" umzusetzen. Äthiopien werde sich aus umstrittenen Gebieten zurückziehen. Ende Juni reiste dann eine ranghohe Delegation aus Eritrea in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba.

Allerdings ist der Kurs des 41-jährigen Abiy im eigenen Land durchaus umstritten. Im Juni detonierte während seines Auftritts vor Anhängern in Addis Abeba eine Bombe und tötete einen Menschen. Abiy blieb unverletzt.

Kriegerische Vergangenheit

Anfang der 1990er-Jahre hatte sich Eritrea nach einem drei Jahrzehnte dauernden Krieg von Äthiopien abgespalten, das dadurch den direkten Zugang zum Roten Meer verlor. In einem weiteren Krieg zwischen 1998 und 2000 wurden 80.000 Menschen getötet.

In der Waffenstillstandsvereinbarung vom Dezember 2000 einigten sich beide Länder darauf, den Verlauf der 1000 Kilometer langen gemeinsamen Grenze von einer internationalen Kommission bestimmen zu lassen. Den Schiedsspruch von 2002 erkannte Äthiopien aber nicht an. In der Folge kam es immer wieder zu Scharmützeln, bei denen erneut Hunderte Menschen starben.

mak/jj (afp, rtr)

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