Ägypten weist ″Times″-Korrespondentin aus | Aktuell Welt | DW | 24.03.2018
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Pressefreiheit

Ägypten weist "Times"-Korrespondentin aus

Der Fall schlug Wellen bis in die Außenministerien beider Länder. Die britische Journalistin war offensichtlich unbequem geworden. Vor der Präsidentenwahl in der kommenden Woche wächst die Nervosität am Nil.

UK Verlagshaus News International von Rupert Murdoch | The Times, The Sun und The Sunday Times (imago/R. Oberhäuser)

Verlagsgebäude von News International in London - auch die "Times" gehört zu dem Medienkonzern (Archivbild)

Ägypten hat die langjährige Auslandskorrespondentin der Londoner "Times" Bel Trew des Landes verwiesen. Die britische Reporterin sei bereits Ende Februar bei einer Recherche zum Thema Migration von Sicherheitskräften festgenommen und verhört worden, berichtet ihre Zeitung.

Demnach war sie gerade auf dem Weg, um den Verwandten eines Flüchtlings zu interviewen, der an Bord eines Bootes mit Ziel Europa gestorben war. Der 33-jährigen Britin sei mit einem Prozess vor einem Militärgericht gedroht worden, sollte sie das Land nicht sofort verlassen. Dann habe man sie zum Flughafen gebracht und gezwungen, eine Maschine Richtung Großbritannien zu besteigen.

"Haarsträubender Vorgang"

Trew lebte seit den als "Arabischer Frühling" bekannt gewordenen Aufständen 2011 in Kairo. Von 2013 an berichtete sie für die Londoner "Times". Ihre Festnahme sei "haarsträubend", sagte eine "Times"-Sprecherin. Welche Anschuldigungen die ägyptischen Behörden vorbrachten, blieb offen. Die Zeitung verurteilte "diesen Versuch, unsere Berichterstattung zu unterdrücken".

Sogar Gespräche zwischen den Außenministern beider Länder konnten die Wogen nicht glätten. Großbritanniens Chefdiplomat Boris Johnson hatte den Fall persönlich bei seinem ägyptischen Kollegen angesprochen - ohne Erfolg. Die britische Botschaft in Kairo teilte mit, sie habe keine Hinweise darauf, dass Trew Gesetze verletzt habe.

Nachfragen laufen ins Leere

Die "Times" erklärte, inzwischen sei klar, dass Ägypten nicht beabsichtige, Trew in das Land zurückkehren zu lassen. Anfragen der Nachrichtenagentur Reuters zu dem Fall beantworteten weder das ägpytische Innenministerium noch das Präsidentenbüro oder das Presseamt.

Ägypten Kairo Überblick (Getty Images/AFP/K. Desouki)

Schwierige Bedingungen für Journalisten: Blick auf die ägyptische Metropole Kairo (Archivbild)

Die Behörden im autoritär regierten Ägypten haben den Druck auf Journalisten und Autoren in den vergangenen Monaten weiter erhöht. Vor allem die inländische Presse ist nicht frei und wird gelenkt. Bei zu kritischer Berichterstattung drohen Sanktionen. Doch auch ausländische Reporter werden bei ihrer Arbeit immer wieder behindert. In der Rangliste von Reporter ohne Grenzen rangiert das Land auf Platz 161 von 180.

Von Montag bis Mittwoch findet in Ägypten die Präsidentenwahl statt. Da der Amtsinhaber Abdel Fattah al-Sisi ohne ernsthaften Gegenkandidaten antritt, gilt seine Wiederwahl als sicher. Konkurrenten wurden entweder im Vorfeld verhaftet, oder sie zogen ihre Kandidatur zurück.

jj/kle (dpa, afp, rtr)

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