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Kommentar: Lufthansa-Piloten mit Wahrnehmungsproblem

Ist es verhältnismäßig, wenn 5000 Piloten hunderttausende Fluggäste in eine Art Geiselhaft nehmen? Nein, ist es nicht, meint Manuela Kasper-Claridge. Zumal sie nicht nur den Passagieren schaden, sondern dem Unternehmen.

Die Passagiere der Lufthansa sitzen gerade an den Flughäfen Deutschlands oder irgendwo in der Welt fest. Sie hoffen, dass ihr Flieger irgendwann abhebt. Tut er aber nicht, denn der hochbezahlte deutsche Flugkapitän befindet sich im Streik. Und warum? Die Mitglieder der Pilotenvereinigung Cockpit sind der Meinung, dass ein durchschnittliches Jahresgehalt von 180.000 Euro zu wenig ist. Mit ihren Streiks - es ist mittlerweile die 14. Arbeitsniederlegung im seit zweieinhalb Jahren laufenden Tarifkonflikt - setzen die Luxuspiloten alles daran, die deutsche Airline zu ruinieren.

Stürmischer internationaler Wettbewerb

Offensichtlich haben die Herren Kapitäne - und meist sind es ja Herren - ein Wahrnehmungsproblem. Dass die Luft für ihren Arbeitgeber Lufthansa immer dünner wird, scheinen sie nicht mitzubekommen. Der Wettbewerb im internationalen Luftverkehr ist nicht nur rau, er ist stürmisch. Billig-Airlines und die staatlich subventionierten Gesellschaften vom Persischen Golf heizen den etablierten Fluglinien wie der Lufthansa mächtig ein. Die deutsche Airline ist bei den Ticketpreisen eine der teuersten und schleppt viele Altlasten mit sich. Dazu gehören auch privilegierte Flugzeugführer mit Altverträgen. Deren Gehälter können mit Zulagen 300.000 Euro erreichen, bereits mit 55 Jahren darf der Kapitän dann in Rente gehen. Ganze zehn Jahre vor dem normalen deutschen Rentner. Glückwunsch! Der Lufthansa-Pilot gehört zu den bestbezahltesten in der Branche.

Und jetzt sollen wir Passagiere mit diesen geplagten Piloten mitfühlen. Denn sie hätten gerne noch etwas mehr. Rund 20 Prozent Gehalt zusätzlich sollen es dann bitte sein. Dies sei keine unverhältnismäßige Forderung in einem schwierigen Marktumfeld, sondern durchaus angemessen, heißt es von der Pilotenvereinigung Cockpit. Schließlich habe die deutsche Airline ja einen Milliardengewinn gemacht. Dass der Gewinn unter anderem in die Modernisierung der Flotte investiert wird, verschweigt man lieber.

Abstruse Forderungen

Nein, dafür kann man kein Verständnis haben. Schon gar nicht angesichts der Chuzpe, mit der die Piloten ihre abstrusen Forderungen durchdrücken wollen. Einige Wenige machen ganz vielen das Leben schwer, weil sie nur ihre eigenen Interessen im Kopf haben. Da wollen die Piloten auch nicht mehr verhandeln und schon gar nicht in eine Schlichtung gehen. Stattdessen lieber den Schaden für den Arbeitgeber und seine Kunden in Kauf nehmen.

Überall auf der Welt müssen jetzt Menschen Termine verlegen, Familienmitglieder vertrösten oder ihren Urlaub verschieben. Bedanken können sie sich dafür bei den Piloten der Lufthansa. Oder sie könnten künftig einfach auf eine Billig-Airline umsteigen. Bei Ryanair verdienen die Piloten "nur" rund 80.000 Euro im Jahr. Die Flugzeuge sind zwar nicht so komfortabel wie die Lufthansa-Maschinen, aber fast immer pünktlich.