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Kommentar: Ein Krümel, kein Meilenstein im VW-Skandal

Ein erster Vergleich in den USA und vorerst kein Prozess. Nach Monaten der Ungewissheit kann VW nun ein wenig aufatmen. Ein Durchbruch ist das aber noch lange nicht, meint Henrik Böhme.

Eine Entschädigung für betroffene VW-Käufer in den USA, dazu ein paar Tausend Autos, die das Unternehmen zurückkaufen muss, plus Geldstrafe, plus Finanzierung von Maßnahmen zur Luftreinhaltung. Das klingt jetzt nicht wie ein großer Wurf - und das ist es auch nicht. Aber weil man, wenn man in den USA seine Kunden betrügt, mächtig Ärger bekommt und weil das vor allem verdammt teuer werden kann, ist das für die Wolfsburger Autobauer ein zumindest klitzekleiner Erfolg. Fürs erste ist der gestrenge Richter Charles Breyer besänftigt und die Umweltbehörden womöglich auch. Fürs erste.

Geduldsspiel auf dem Rücken der Kunden

Denn was da jetzt auf dem Tisch liegt, ist noch kein detaillierter Plan, sondern nur die grobe Linie. Welches Auto wann nachgebessert wird? Bleibt offen. Man schaue nur nach Deutschland, wo die Rückrufaktion ähnlich schleppend angelaufen ist. Medienwirksam wurde der Geländewagen vorgeführt, der eine neue Software aufgespielt bekam. Aber von den Kisten fahren nur ein paar durch die Lande. Bei den Massenmodellen, vor allem beim Mittelklassewagen Passat, lässt die längst angekündigte technische Lösung weiter auf sich warten. Also wird das Brot-und-Butter-Modell, der Golf, vorgezogen. Aber auch hier: Es dauert.

Boehme Henrik Kommentarbild App

DW-Wirtschaftsredakteur Henrik Böhme

Offensichtlich haben die Schummel-Ingenieure ganze Arbeit geleistet. Und offenbar ist die Sache doch nicht mal eben mit dem Einbau eines Teesieb-ähnlichen Bauteils für zehn Euro pro Stück getan. Zudem scheint es für jede Modellreihe je nach Version eine spezielle Software zu geben. Offenbar, offenbar, offenbar. Klarheit sieht anders aus. Zwar durchforstet die von VW beauftragte US-Anwaltskanzlei Jones Day seit Monaten den gigantischen Datenberg, den sie sichergestellt hat, aber auch da dringt nur wenig nach draußen.

Am Freitag wird sich der Aufsichtsrat mit einem Zwischenbericht befassen. Ob davon etwas an die Öffentlichkeit dringen wird, bleibt fraglich. Was man durchsickern ließ, ist bislang nur, dass man bei der Theorie einer kleinen Gruppe bleibt, die den Betrug ausgeheckt und umgesetzt hat. Die oberste Chefetage habe davon nichts gewusst. Das ist und bleibt der Knackpunkt des Skandals. Bis heute ist nicht nachvollziehbar, wie ein Martin Winterkorn, der sich sonst für jedes Spaltmaß und jede klappernde Schraube interessierte, davon nichts gewusst haben will. Hat wirklich niemand in der Chefetage nachgefragt, wieso man die Grenzwerte plötzlich einhalten konnte, die man jahrelang nicht erreicht hatte?

Enorme finanzielle Belastung

Was nun zumindest in Umrissen klar wird, ist die finanzielle Belastung, die auf Volkswagen zukommt. 5000 Dollar Entschädigung, das gilt ja zunächst nur in den USA. Dort geht es um gerade mal 600.000 Autos. Weltweit hingegen sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen, allein in Deutschland mehr als zwei Millionen. Warum sollten VW-Besitzer hierzulande sich mit einem Gutschein für den Besuch der VW-Autostadt in Wolfsburg abspeisen lassen? Falls der Konzern so etwas geplant haben sollte - es wird nach hinten losgehen. Egal, wo die betrogenen Autofahrer ihren VW gekauft haben: Sie haben das gleiche Recht wie die Kundschaft in den USA. Es gibt da eine Menge clevere Anwälte, die nur darauf warten, loszulegen. In der Causa Dieselgate hat Volkswagen schon eine Menge Vertrauen verspielt. Es wird Zeit, sich endlich zu erklären.