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Kommentar: Die Trump-Spiele haben begonnen

Vielleicht wird Trump als US-Präsident doch nicht so schlimm? Ines Pohl hat diese Hoffnung nicht.

Zur Erinnerung: Der künftige Präsident der Vereinigten Staaten hat keinerlei politische Erfahrung. Er hat noch keinen einzigen Tag seines 70 Jahre langen Lebens ein öffentliches Amt bekleidet. Als Geschäftsmann ist der reiche Erbe immer wieder gescheitert, musste mehrmals Bankrott anmelden und hat nur überlebt, weil Banken und Gläubiger noch mehr Geld verloren hätten, hätten sie ihn endgültig scheitern lassen. Too big to fail, so lautet der Terminus dafür, zu groß, um zu scheitern.

Der eigentliche Erfolg kam mit seiner Reality Show "The Apprentice". Einer Show, die er moderierte und die der Grundstein des Imperiums ist, das er und seine Familie aus der Marke "Trump" gemacht haben. In dieser Zeit hat Trump gelernt, Menschen zu verführen, ihnen Traumwelten vorzugaukeln, die nichts weiter sind als Fakes und Filmstudios. Welten, die nicht auf Fakten, sondern Illusionen basieren. Ein Erfolgsrezept, das er über die Jahre verfeinert hat und mit dem er schließlich den Kampf um das Weiße Haus gewann.

DW Mitarbeiterin Ines Pohl (DW)

Ines Pohl

Die Würde des Amtes

Und nun übernimmt er also das weltweit wichtigste politische Amt, und niemand weiß, was die Welt erwartet. Entsprechend gebannt wurden seine ersten Auftritte nach der Wahlschlacht beobachtet und interpretiert. Wie wird er reagieren? Wird die Würde des Amtes ihn zähmen? Wird er weiter Frauen, Muslime und Latinos attackieren? Oder "kann" er auch "respektvoll"? Und vor allem, welche Berater holt er sich an seine Seite? Denn sie werden es am Ende sein, die Trumps politische Agenda prägen.

Schon nach seiner Siegesrede am Wahlabend hörte man auch im Lager seiner größten Kritiker leise Worte der Erleichterung. Sein Ton war zurückhaltend, nicht beißend böse. Selbst für Hillary Clinton fand er Dank statt Häme. Auch beim Besuch im Weißen Haus am kommenden Tag wusste er sich zu benehmen, wirkte fast wie ein kleiner Schuljunge neben Präsident Obama.

Die Macht der Bilder

Und dann schließlich das erste Interview. Zwar keine Pressekonferenz, wie das sein Vorgänger direkt nach seiner Wahl gemacht hat. Aber immerhin ein Interview in dem ehrwürdigen TV Format " 60 Minutes".

Trump weiß, wie wichtig Symbole sind, dass es die Bilder sind, die im kollektiven Gedächtnis verhaftet bleiben. Deshalb spielt auch der kaum vorhandene Inhalt dieses Interviews keine Rolle. Außer als Beleg dafür, dass auch der gewählte Präsident Trump offensichtlich nicht gedenkt, seine Hausaufgaben zu machen und zumindest für die wichtigsten Fragen eine Antwort parat zu haben.

Mit dieser Inszenierung hat Donald Trump gezeigt, wie er sich seine Regentschaft vorstellt. Nicht als demokratisch gewählter Präsident, der politische Kompromisse sucht und bereit ist, hart dafür zu arbeiten. Trump inszeniert sich als monarchischer Herrscher, der vom vergoldeten Gestühl seine Welt regiert. Und der an Detailfragen nach Abtreibungsregelungen oder der Abschiebung von Menschen kein Interessen hat. Dafür holt er sich Personal ins Haus.

Und auch hier belegen die ersten Entscheidungen, dass Donald Trump weit davon entfernt ist, von seinem rassistischen, menschenverachtenden Kurs abzulassen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er sich als Stabschef den Boss der Republikaner, Reince Priebus, ins Weiße Haus holt. Einen bestens vernetzter Politiker, den er braucht, um überhaupt mit den Republikanern arbeiten zu können.

Ausgrenzung und Hass

Zeitgleich verkündete Trump, dass er als gleichberechtige Doppelspitze Steve Bannon zum strategischen Berater berufen hat. Das ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die gehofft haben, das Amt würde Trump zur Vernunft bringen.

Denn Bannon, der ehemalige Betreiber der radikalkonservativen Website Breitbart, steht wie kaum ein anderer für Ausgrenzung und Hass, für Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit. Genau damit hat er als Wahlkampfberater von Donald Trump für dessen Sieg gesorgt.

Trump weiß, wie man in Rollen schlüpft, um erfolgreich zu sein. Er weiß, welche Bündnisse man schmieden muss, um Geschäfte machen zu können. Und er zeigt sein wahres Gesicht nicht im neuen Schmusekurs mit der Kamera - sondern in der Wahl seines strategischen Beraters. Und in seiner Inszenierung als Herrscher, der sich nicht mit politischer Kompetenz, sondern nur mit seinesgleichen umgibt.

Ines Pohl (DW Washington)