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Gastkommentar: Trumps größtmögliches Getöse gegen das Establishment

Wird aus dem Wahlkämpfer Trump doch noch der Staatsmann Donald Trump? Nicht zuletzt die amerikanischen Medien müssen sich auf schwere Zeiten einstellen, meint Oliver Georgi von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

So etwas gab es in der amerikanischen Geschichte wohl noch nie: Der designierte Präsident lädt die versammelte Medien-Elite seines Landes ein - und beschimpft sie dann in einer Weise, dass manche Beteiligten das Treffen hinterher mit einem "Erschießungskommando" vergleichen. Auch ein Treffen mit der "New York Times" sagt Donald Trump erst zu, dann aber wieder ab, weil sie ihn schlecht behandelt habe. Als das Treffen nach einem öffentlichen Aufschrei dann doch stattfindet, lobt er die Zeitung plötzlich als Blatt, vor dem er "größten Respekt" habe.

Ich bin der Größte und verdiene ausschließlich Lob!

Die baldige Leitfigur der freien Demokratien - ein Nervenbündel ohne Manieren mit abgrundtiefem Hass auf die Presse? Wer immer nach Trumps vermeintlich versöhnlicher Siegesrede gehofft hatte, dass er durch die Gravität des wichtigsten Amts der Welt vielleicht doch noch vom Provokateur zum Staatsmann werden könnte, dürfte spätestens jetzt eines Besseren belehrt worden sein. Denn auch nach der Wahl zeigt Trumps Verhalten den Narzissmus eines Mannes, dessen ganzes Leben auf dem Selbstverständnis beruht, der Größte zu sein. Und dafür auch ausschließlich größtes Lob zu verdienen.

Blaues Buch - Oliver Georgi (F.A.Z. Anna Jockisch)

Oliver Georgi ist Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Der Staat, das bin ich: In seiner Egozentrik wirkt Trumps Selbst- und Weltbild fast absolutistisch. Das zeigt nicht nur seine Aussage, der Präsident könne per se keinen Interessenskonflikt haben, sondern nicht zuletzt sein Umgang mit der Presse, die Trump als eines der Hauptziele seiner Mission sieht, den "politischen Sumpf Washington" trockenzulegen. Wenn sie seine Größe preist, seine Erfolge als Geschäftsmann oder seinen Reichtum, nutzt Trump sie bereitwillig. Kritisiert sie ihn aber oder zeigt auch nur "keine schönen Bilder" von ihm, beschimpft er sie als voreingenommene Bande von "Lügnern", die mit dem korrupten Establishment unter einer Decke stecke.

Umgeben von Scharfmachern

Vor diesem Hintergrund ist es umso besorgniserregender, dass Trump mit Steve Bannon einen ultrarechten Populisten zum Chefberater gemacht hat, der die Propaganda aus dem Dunstkreis der "Alt-Right"-Bewegung mit ins Weiße Haus trägt. Bannon wird in den nächsten Jahren alles dafür tun, Trumps Kampf gegen das Establishment, zu denen er vor allem die etablierten Medien zählt, mit größtmöglichem Getöse fortzuführen. Die amerikanischen Medien können sich deshalb darauf einstellen, dass auch ein Präsident Trump sie weiter wüst beschimpfen wird. Schon um für seine Anhänger zu übertünchen, dass er unter dem Druck der Realpolitik schon jetzt etliche seiner zentralen Forderungen aus dem Wahlkampf abgeräumt hat, denen noch weitere folgen dürften.

Ein ahnungsloser Narziss im Oval Office, getrieben von einem übergroßen Ego und Spielball von wenigen Pragmatikern und umso mehr ideologischen Scharfmachern, zwischen denen er je nach Gemütslage erratisch hin- und herpendelt: Das ist eine Vorstellung, die vielen große Angst macht. Nicht nur in Amerika.