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Sport

Zypern einig Fußball-Land?

Was die Politik noch nicht geschafft hat, soll der Sport richten: Die beiden Fußball-Verbände Zyperns sind auf dem Weg zur Wiedervereinigung unter der Schirmherrschaft des Europäischen Fußballbunds UEFA.

Es könnte der Auftakt der "Wiedervereinigung des Fußballs" auf der geteilten Insel werden: Vertreter des Fußballverbandes Zyperns (KOP) und des türkisch-zyprischen Fußballverbandes haben sich in den vergangenen vier Wochen bereits zwei Mal getroffen, um entsprechende Möglichkeiten auszuloten. Beide Treffen fanden in der Inselhauptstadt Nikosia statt.

Nach der zweiten Austauschrunde äußerte sich KOP-Präsident Kostas Koutsokoumnis im Gespräch mit Journalisten besonders optimistisch: "Der historische Tag ist jetzt in Reichweite", erklärte er. Nach Angaben der zyprischen Tageszeitung Politis würden die beiden Verbandschefs bereits im März zu einer weiteren, möglicherweise entscheidenden Verhandlungsrunde in Zürich zusammenkommen. Auch führende Funktionäre der UEFA sollen daran teilnehmen.

Landesweite Liga im geteilten Zypern?

Ansicht aus der zyprischen Hauptstadt Nikosia (Foto: Bernd Riegert/Deutsche Welle)

Geteilte Stadt: Nikosia

Bereits im Dezember 2012 gab es die ersten Annäherungsversuche. Damals erklärte Koutsokoumnis: "Die Fußballgemeinde Zyperns will eine Lösung finden und wir haben festgestellt, es ließe sich durchaus gemeinsamer Boden finden". Noch deutlicher wurde sein türkisch-zyprischer Amtskollege Hassan Sertoglou: "Unsere Insel hat durch die Politik gelitten. Wir sind jedenfalls nicht an Politik interessiert, wir wollen uns ausschließlich um den Fußball kümmern."

Nach Informationen der Athener Tageszeitung Kathimerini sind beide Verbände an der Gründung einer landesweiten Fußballliga interessiert. Diese könnte ähnlich funktionieren wie die bosnische Fußballliga, an der mittlerweile auch Teams der bosnischen Kroaten und Serben teilnehmen. Ob darüber hinaus auch die Gründung einer gemeinsamen Nationalmannschaft in Betracht gezogen wird, ist noch nicht klar.

Türkisch-zyprische Fußballteams sind international isoliert, da ihr Verband von der UEFA nicht anerkannt wird. Das war nicht immer so: 1934 gehörte der Türkische Sportverein Nikosia zu den Gründungsmitgliedern der zyprischen Liga. 1951, als die Insel noch eine britische Kolonie war, wurde das ebenfalls türkisch-zyprische Team Çetinkaya sogar Meister. Doch seit 1955 haben türkisch-zyprische Vereine nicht mehr an den offiziellen zyprischen Inselmeisterschaften teilgenommen.

Kritik von Vereinen und Fans

Ein Spieler von Anorthosis Famagusta aus Zypern kämpft um den Ball mit einem Spieler von Werder Bremen (Foto: AP)

Fans von Anorthosis Famagusta wollen keine Wiedervereinigung

Zypern ist seit einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärinvasion im Sommer 1974 bis heute geteilt - das gilt auch für die Hauptstadt Nikosia. Die Türkische Republik Nordzypern im Norden der Insel wird nur von der Türkei anerkannt. Eine UN-Friedenstruppe bewacht die Pufferzone zwischen Nord und Süd.

Dass kein Annäherungsversuch der beiden Fußballverbände frei von politischen Implikationen ist, hat der griechisch-zyprische Verbandschef Kostas Koutsokoumnis bereits nach seinem ersten Treffen mit türkisch-zyprischen Funktionären zu spüren bekommen: Der mehrfache zyprische Fußballmeister APOEL Nikosia erklärte, Koutsokoumnis solle sich auf die Probleme des zyprischen Fußballs konzentrieren und "die Öffentlichkeitsarbeit gegenüber den Türken unterlassen". Widerspruch kam auch von den Fans der traditionsreichen zyprischen Mannschaft Anorthosis Famagusta: "Wie kann es denn sein, dass wir in unserer eigenen Heimatstadt, die seit 38 Jahren türkisch besetzt ist, als Gastmannschaft auftreten?“ protestierte der Fanclub von Anorthosis.

Vom griechisch-zyprischen Fußball hörte man in Europa lange Zeit kaum etwas, doch das scheint sich zu ändern: Mit APOEL Nikosia schaffte im November 2011 zum ersten Mal eine Mannschaft aus Zypern den Einzug ins Achtelfinale der Champions League. Schon 2008 hatte Anorthosis Famagusta als erste Mannschaft Zyperns die Gruppenphase der Champions-League erreicht - und das ausgerechnet nach zwei überraschend klaren Siegen gegen den griechischen Meister Olympiakos Piräus.

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