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Freunde

Zwischenstopp im Bonner Funkhaus: Brian aus Australien

Sydney, Ende der 50er Jahre: Brian sucht auf dem Kurzwellenempfänger nach einem Musikprogramm und stößt auf die DW. Fast 60 Jahre später sitzt der Australier im Hörfunk-Studio in Bonn. Er ist auf Spurensuche in Europa.

Mit 13 entdeckte Brian Crabbe seine Leidenschaft für die Kurzwelle. "Es war März 1953, als mir meine Eltern ein Radio mit Kurzwellenempfang schenkten." Zu dieser Zeit gab es nur wenige DXer in Down-Under, also Radio-Begeisterte, die wie er hobbymäßig möglichst viele Kurzwellensender zu empfangen versuchten. Für Brian ein besonderes Erlebnis: "Als wäre ich Mitglied in einem Club. Über Kurzwelle lernte ich die Welt kennen, weil viele Sender Touristeninformationen gaben. So gesehen hörte ich der ganzen Welt zu. Als ich merkte, was mit Kurzwelle alles möglich war, stellte ich auf dem Dach eine Antenne auf, um weitere Sender zu suchen." Etwa zwei Jahre nachdem er sein erstes eigenes Radio bekam, stieß der Australier auf den Sender aus Deutschland.

James Last und Kurt Edelhagen statt Blues und Country

Eine von der DW an Brian Crabbe adressierte QSL Karte von 1956.

Gut erhaltenes Andenken aus der DW Anfangszeit: Eine QSL-Karte von der DW - damals noch in Köln ansässig - an Brian Crabbe aus dem Jahr 1956.

Brians Lieblingssendung hieß damals "Tanzmusik". Der Fan moderner Musik machte erstmals Bekanntschaft mit deutschsprachigen Texten und genoss die Abwechselung: "In Australien gab es nur sehr amerikanische Musik und auch keine Musikindustrie. Die Musik auf DW war etwas völlig neues. Ich erinnere mich auch an den guten Sound bei James Last und Kurt Edelhagen, keine Störungen oder Unterbrechungen." Der junge Mann aus Sydney wurde regelmäßiger Hörer der DW und pflegte einen regen Kontakt mit dem Funkhaus in Köln. "Ich bekam eine Mitteilung, in der stand: 'Unser Programm in Richtung Fernost (Australien) wird ab dem 19. August 1956 von 7 bis 10 Uhr GMT ausgestrahlt. Über Empfangsberichte wären wir sehr dankbar.' Es machte mich so stolz, aus der Ferne über das Programm berichten zu können." Dafür erhielt der Fan aus Übersee Post aus Deutschland: Bestätigungen für seinen Kurzwellenempfangsbericht, sogenannte QSL-Karten, und Programmpläne.

"Die DW wird mich immer an meine deutschen Wurzeln erinnern"

Ein altes Fotos von Brian Crabbe als Jugendlicher; stehend vor einem Haus.

"Das Foto entstand in der Zeit als ich erstmals die DW empfing."

Der Auslandssender ist nicht die einzige Verbindung des 73jährigen nach Deutschland. Vor einigen Jahren machte er auf alten Familienbildern eine Entdeckung, die nicht ohne Folgen blieb: "Am Bildrand einiger Fotos stand 'Kellinghusen', der Name einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein." Brian begann mit der Suche nach seinen Wurzeln, zunächst per Onlinerecherche und Telefonanrufen bei Behörden in Deutschland. "Man entdeckte, dass die Geschichte meiner Vorfahren bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Meine Ur-Großeltern mütterlicherseits verließen Deutschland kurz ihrer Hochzeit mit dem Segelschiff - für damalige Verhältnisse eine große Sache. Sie emigrierten nach Australien." Es stellte sich außerdem heraus, dass es in Kellinghusen ein Buch über die Geschichte des Hauses gibt, in dem sein Ur-Großvater lebte. Und, dass dieses Haus noch immer existiert. Für den passionierten Reisenden stand damit fest: "Die Orte meiner Vorfahren will ich selbst erkunden, Nachfahren kennen lernen und die Familiengeschichte in einem Stammbaum festhalten." Nach seiner Pensionierung begab sich der Universitätsprofessor deshalb auf Spurensuche. Sie führte ihn bisher mehrmals nach Deutschland. In diesem Sommer sogar bis ins schwedische Malmö. Auf dem Weg dorthin legte er einen planmäßigen Zwischenstopp bei der DW in Bonn ein.

Vom Kurzwellenfan zum Radiomacher

Altes Foto von Brian Crabbe: sitzend auf einem Stuhl, neben ihm ein Tisch, auf dem ein Mantle-Radio steht.

"Auf dem Bild bin ich etwa 40 Jahre alt. Mit diesem Radio hab ich die DW gehört. Das Plastikgehäuse ist irgendwann später auseinandergefallen."

Brians Höhepunkt beim Besuch im Bonner Funkhaus waren die Hörfunkstudios. Kein fremder Anblick für den ehemaligen Kurzwellenhörer, der seine freie Zeit auch für seine größte Leidenschaft nutzt: "Eines der schönen Dinge am Ruhestand ist, ehrenamtlich im Bürgerrundfunk zu arbeiten." Der Sender 2RRR in Sydney gibt ihm die Möglichkeit, nun das zu tun, was ihm einst selbst am liebsten war - Musik aufzulegen für interessierte Hörer in der ganzen Welt. "Ich mag die alten Zeiten, die alte Technik, die spannende Suche nach einem Sender. Das war etwas Besonderes. Aber jetzt, da wir bei 2RRR online sind, kann ich auch den Menschen in Übersee erzählen, dass sie mich hören können, das ist schon etwas besonderes: Wenn du mich hören willst, schalt einfach ein – egal wo auf der Welt du gerade bist." Das gab's früher nur mit der Kurzwelle.

Interview und Text: Mona Emamzadeh
Bearbeitung: Jeanette Müller

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