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Politik & Gesellschaft

Zwischen Spielplatz und Plenarsaal

Kind und Karriere: Beides gleichzeitig erfolgreich zu managen, erfordert viel Disziplin. Eine Studie zeigt jetzt, wie Bundestagsabgeordnete den Alltag zwischen politischen Reden und Kinderfesten organisieren.

Judith Skudelny, FDP-Bundestagsabgeordnete, mit Baby im Bundestag. Rechts Bundesaußenminister Guido Westerwelle. (Foto: AP)

Mit Baby im Bundestag: Judith Skudelny von der FDP

Sie koordinieren als Generalsekretärin die Zusammenarbeit in der Partei oder leiten als Bundesministerin einen ganzen Stab. Die Öffentlichkeit hat sich längst an Frauen im politischen Betrieb gewöhnt. Das Verständnis gegenüber Berufspolitikerinnen mit Kleinkindern ist aber gespalten. So sorgte die Rückkehr der Familienministerin Kristina Schröder wenige Monate nach der Geburt ihrer Tochter oder der Auftritt der Bundestagsabgeordneten Judith Skudelny mit ihrem drei Monate alten Baby im Plenarsaal für kontroverse Debatten. "Es scheint also, dass der Umgang mit Müttern in der Politik in Deutschland ein gewisses Unbehagen auslöst und somit zu einer Spannung zwischen Familie und Politik als Beruf führt", heißt es in der Studie "Politik mit Kind und Kegel", die diese Woche in Berlin vorgestellt wurde. Dafür wurden Bundestagsabgeordnete mit Kindern befragt, wie sie es schaffen, zwischen Wahlkreis und Parlamentssitz zu pendeln und bei vollem Terminkalender sich trotzdem Freiräume für die Familie zu nehmen.

Kinderunfreundliche Politik

Judith Skudelny, FDP-Bundestagsabgeordnete (Foto: Joachim Kiessling)

Judith Skudelny (FDP): "Der Partner muss mithelfen, sonst würde das alles nicht funktionieren."

"Es war keine politische Aussage, als ich damals das Kind mit ins Plenum genommen habe", sagt Judith Skudelny, FDP-Bundestagsabgeordnete. "Ich hatte noch niemanden zur Betreuung hier in Berlin und sie war erst drei Monate. Ich habe das aus praktischer Erwägung gemacht." Gerade in den Sitzungswochen, wenn das Parlament tagt und für die Politiker Anwesenheitspflicht herrscht, sind Abgeordnete mit Kleinkindern auf die Unterstützung der Familie angewiesen. "Bis meine Tochter zwei Jahre alt war, ist sie jede Sitzungswoche mitgekommen, da war mein Vater immer vor Ort, das heißt er ist mitgependelt", sagt Skudelny. Die Frage nach der Kinderfreundlichkeit des Berufs beantworten die Politikerinnen, die an der Studie teilgenommen haben, eindeutig: von "maximal unfreundlich" bis "nicht besonders kinderfreundlich". Neben dem ständigen Pendeln zwischen Wahlkreis und Parlamentssitz sind auch die Arbeitszeiten ein Problem. Oft dauern zum Beispiel namentliche Abstimmungen bis spät in den Abend.

Trennlinie zwischen Freizeit und Arbeit setzen

Dorothee Bär (CSU) am Rednerpult im Bundestag (Foto: Deutscher Bundestag)

Dorothee Bär (CSU): Zweifache Mutter und Bundestags-Abgeordnete

Freie Tage oder Abende sind eine Seltenheit in den vollen Terminkalender einer Bundestagsabgeordneten. Trotzdem versuchen Politikerinnen, Freiräume für ihre Familien zu schaffen. Aber nicht immer gelingt das auch, wie die CSU-Abgeordnete Dorothee Bär sagt: "Für Kinder ist es natürlich ganz wichtig, dass beide Eltern gleichzeitig da sind, und das muss auch eingeplant werden. Aber dann kann es natürlich auch passieren, so wie letzten Sonntag, dass wichtige Termine für die CSU reinkommen, die auch meine Zuständigkeiten betroffen haben." Dann müsse man kurzfristig auch einmal umdisponieren und Termine machen, die man eigentlich hätte meiden wollen, sagt Bär.

Kollision verschiedener Familienmodelle

Politikerinnen, die kurz nach der Geburt ihres Kindes wieder zurück an den Schreibtisch gehen, sind einem permanenten, öffentlichen Rechtfertigungsgrund ausgesetzt, wie die Studie zeigt. Denn in Deutschland herrschen sehr unterschiedliche Meinungen darüber, welches Familienmodell nun das richtige ist, ob die Frau nur für die Erziehung der Kinder zuständig ist oder auch Karriere machen soll. Politikerinnen wie Skudelny plädieren da für mehr Verständnis und Gelassenheit im Dialog: "Ich bin nicht eine bessere Mutter, weil ich erwerbstätig bin, genauso wie eine andere keine bessere oder schlechtere Mutter ist, weil sie zuhause bleibt. Es sind unterschiedliche Familienmodelle, wir müssen einfach offener in die Diskussionen gehen und einsehen, dass beide gleichberechtigte Modelle sind."

Isabelle Kürschner (li.) und Dorothee Bär bei der Präsentation der Studie Politik mit Kind und Kegel (Foto: Hans-Seidel-Stiftung)

Isabelle Kürschner (li.), Co-Autorin der Studie "Politik mit Kind und Kegel".

"Nur in Deutschland kennen wir den Begriff der Rabenmutter", sagt Isabelle Kürschner, Co-Autorin der Studie. "Nur in Deutschland wird darüber diskutiert, ob Kinder einen Schaden nehmen, wenn sie fremdbetreut werden." In anderen Ländern, wie etwa in den USA, gehe man da viel offener mit dem Thema um. Die Kinder würden auch gezeigt, man spreche darüber, wie man es macht, sagt Kürschner. Vor allem unter Bundestagsabgeordneten vermeiden Politikerinnen, offen darüber zu sprechen, denn viele befürchten politische Nachteile für sich, zu diesem Schluss kommt die Studie. Politikerinnen mit Kleinkindern sind zwar noch die Ausnahme, aber vielleicht werden es in der Zukunft mehr. Zumindest haben sich die Rahmenbedingungen im Bundestag ein stückweit geändert, wie Skudelny sagt: Es wurde ein Eltern-Kind-Büro eingerichtet.

Autor: Rayna Breuer
Redaktion: Arne Lichtenberg

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