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Sport

Zwischen Promis und Pommes

Beim CHIO in Aachen, dem größten Pferdesportereignis der Welt, mischt sich die Welt der Reichen und Schönen mit der der "normalen" Besucher. Das macht das Turnier besonders und besonders liebenswert.

Wer das Gelände des CHIO in Aachen betritt, merkt sehr schnell, dass er an einen speziellen Ort gekommen ist. Irgendetwas scheint hier nicht zusammenzupassen – auf den zweiten Blick tut es das aber sehr wohl und ergibt ein stimmiges Gesamtbild. Die meisten der Besucher, die sich am Eröffnungstag in einem gemächlichen Strom vom Eingang in Richtung Tribüne schieben, sehen aus, als wären sie auf einem Wanderausflug: feste Schuhe, zweckmäßige Kleidung, den Rucksack wahrscheinlich gefüllt mit Butterbroten, Getränken und einer Regenjacke – das Aachener Wetter, man weiß ja nie…

Andere Besucher haben sich dagegen herausgeputzt und sind wahrhaft schön – einige von ihnen allerdings sogar zu schön, um wahr zu sein. Da gibt es ältere Herren, die Silvio Berlusconi nicht unähnlich sind: sonnenbankbraune Haut, straff geliftet, die coole Sonnenbrille lässig ins tiefschwarz getönte, schüttere Haupthaar gesteckt. Begleitet werden sie von Damen, die das fehlende Lifting durch den intensiven Gebrauch von schwerem Goldschmuck auszugleichen versuchen. Immer wieder trifft man auch auf Sechzehnjährige im dunkelblauen Zweireiher mit Goldknöpfen mit streng gegeltem Seitenscheitel. An der Hand halten sie ihre hübsche Freundin, die sich auf hohen Absätzen und im knappen Haute-Couture-Fetzen durch den Turniertag friert.

Es gibt kleine Hüte, mittlere Hüte und große Hüte zu bestaunen – klassisch, bunt, mit Blumen bekränzt, mit Schleier oder ohne. In der Hand halten die Hutträger(innen) meist ein Glas Sekt oder Champagner, die Menschen mit Rucksack dagegen eher eine Pappschale mit Pommes frites oder einen Döner. Friedliche Koexistenz der Geschmäcker auf engstem Raum. Verwirrend wirken nur einige – meist männliche – Besucher mit Hut UND Rucksack. Bei ihnen sieht es so aus, als hätten sie ihre Kopfbedeckung erst kürzlich extra für das Reitturnier gekauft, würden aber mit der Neuerwerbung auf dem Haupt noch ein wenig fremdeln.

Umjubelter James Bond

Roger Moore und seine Ehefrau Kristina sitzen bei der Eröffnung des CHIO in Aachen in einer Kutsche und winken (Foto: dpa)

Unterwegs für den guten Zweck: Sir Roger Moore mit seiner dänischen Ehefrau Lady Kristina

Da vorne kommt auch schon der nächste Mann mit Hut – diesmal allerdings ist die Kopfbedeckung angemessen, denn das ist ein echter Promi: Der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Egidius Braun, der in Aachen lebt. Am Arm eines Begleiters lässt er sich über das Gelände führen. Die Leute grüßen ihn, Braun lächelt zurück – es gibt keine Berührungsängste, aber ziemlich gebrechlich ist der 88-Jährige geworden.

Apropos alt geworden. Im Stadion hat der ehemalige James-Bond-Darsteller und jetzige Unicef-Botschafter Roger Moore seinen Auftritt. In einer cremefarbenen Kutsche wird der Ex-007 in die Arena gefahren und vom Aachener Publikum frenetisch gefeiert. Der Hintergrund seines Besuches ist allerdings ein ernster: Moore bekommt einen Scheck über mehrere hunderttausend Euro zu Gunsten eines Unicef-Projekts für Straßenkinder in Bangladesch überreicht. Seine Dankesrede auf Deutsch wirkt eher belustigend: "Ich bin ein bisschen Dummkopf. Ich habe kein Deutsch. Danke Deutschland, danke Aachen!" So hat tags zuvor auch Pep Guardiola die Herzen der Fans im Sturm erobert. Moores Kutsche fährt unter rhythmischem Klatschen aus dem Stadion, sogar die Pressetribüne klatscht geschlossen mit – auch das ist Aachen.

"Kommt da ein Pferd?"

Bei der Eröffnungsfeier, die ganz im Zeichen des offiziellen Gastlandes Dänemark steht, wird es dann pompös: Die königliche dänische Reiterstaffel Royal Husars begeistert mit spektakulären Säbel-Kunststücken im vollen Galopp, die barfüßige Sängerin Emmelie de Forest gibt noch einmal ihr Siegerlied vom Eurovision Song Contest zum Besten. Die Eröffnungsansprache hält Prinzessin Benedikte von Dänemark, die jüngere Schwester von Königin Margarethe II. Ebenfalls dabei ist Kronprinzessin Mary.

Prinzessin Mary von Dänemark schüttelt beim Besuch eines Verkaufsstands auf dem Gelände des CHIO in Aachen einem Angestellten die Hand (Foto: von der Laage)

Gestatten, Königliche Hoheit Mary von Dänemark

Die Kronprinzessin wiederum hat ihren ersten großen Auftritt in Aachen bereits am Nachmittag absolviert, bei einem Rundgang über das Turniergelände, begleitet von mehreren Kamerateams. Immer ein paar Schritte voraus gehen Sicherheitsleute, die die CHIO-Besucher zwar freundlich aber rigoros aus dem Weg räumen. "Machen Sie bitte hier die Gasse frei", fordert einer der Ordner. "Wieso dat denn?", will eine ältere Dame wissen. "Kommt da ein Pferd?" Der Ordner wirkt genervt: "Nein! Die Kronprinzessin!" Die ältere Dame zieht ihre Begleiterin am Ärmel und sagt: "Komm, dann gucken wir uns die auch noch an." Die andere überlegt kurz und entgegnet schließlich: "Na gut, aber danach gehen wir zur Frittenbude…"

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