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Kultur

Zwischen Maschinenbau und Gemüsehandel

Zu den Gestrandeten in Deutschland gehören auch viele Iraner. Die lockere Art der Perser passt gut zum rheinischen Frohsinn und lässt manche Geschichten doch noch gut enden - zum Beispiel in einem Gemüsegeschäft.

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Kein typisch deutscher Gemüseladen - aber typisch iranisch

Gepflegte Jugendstilfassaden, Vorgärten und Alleebäume - ein bürgerliches Viertel in Köln. Mittendrin ein Obst- und Gemüsehandel mit mediterranem Flair. Hier ist der Arbeitsplatz von Ali Garavih, 50 Jahre alt und aus Teheran. Hatte er das Gemüsegeschäft fest im Blick, als er von Teheran direkt nach Ehrenfeld kam? Nein, sagt Ali Garavih, in seiner Jugend habe er von ganz anderen Dingen geträumt. Das alles sei eine lange Geschichte.

Der Iran in den 1970er-Jahren: Schah Reza Pahlevi will das rückständige Land in die westliche Moderne katapultieren - koste es, was es wolle. Es kostet viel, und als Ali Garavih sein Maschinenbau-Studium abschließt, dauert es nur noch wenige Monate bis zur islamischen Revolution. Dann beginnt die Herrschaft der Mullahs, der islamischen Geistlichen, die bis heute andauert. Die Gießerei, in der Ali Garavih damals als Montage-Ingenieur arbeitete, musste infolge der Revolution schließen. Da dachte er sich: "Ich komme einfach für ein Jahr nach Deutschland, mache ein kleines Praktikum und dann kehre ich wieder zurück."

An Rückkehr nicht zu denken

Mit einem Touristenvisum kam Ali Garavih nach Deutschland. Aus dem Praktikum wurde nichts. Auch an Rückkehr war nicht zu denken, denn es gab keine Arbeit im Iran. Ohne Arbeitserlaubnis war Arbeiten aber auch in Deutschland ein Problem. Ali Garavih ließ sich nicht entmutigen. Er lebte bescheiden, übernahm Gelegenheitsjobs und finanzierte sich damit ein zweites Studium. Aber auch danach hatte er Pech: Mit dem Fall der Mauer drängten Arbeitskräfte aus dem Osten auf den Arbeitsmarkt im Westen. Für einen Diplom-Ingenieur aus Teheran hatte niemand Verwendung. Trotzdem wollte er irgendwie seinen Lebensunterhalt verdienen, denn staatliche Hilfe kam für ihn nicht in Frage. "Ich habe Jobs angenommen, ich habe fünf Jahre lang Taxi gefahren, ich habe Export/Import mit dem Iran betrieben. Ich habe mich irgendwie über Wasser gehalten", erzählt er.

Im rheinischen Frohsinn lernte er seine deutsche Frau kennen. Dann fand er schließlich das Ladenlokal in Köln-Ehrenfeld und das Gemüsegeschäft wird seine Existenz. Nachdem sich der Erfolg und endlich ein regelmäßiges Einkommen einstellte, heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin und bekommt das, was er nun nicht mehr braucht: die unbefristete Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis.

Immer noch Perser

In Köln lebt er gerne, aber zum Kölner macht ihn das noch nicht. Seine persische Heimat fehle ihm schon ein bisschen, aber die Wehmut stillt er durch regelmäßige Reisen in den Iran. Die steigende Nachfrage in seinem Obst- und Gemüseladen kann er mit mehr Personal bewältigen. Die kleine Belegschaft ist international, und die warmherzige freundliche Bedienung der Kunden gehört zum deutsch-persischen Geschäftskonzept. "Die Perser haben eigentlich eine lockere Art zu leben, die meistern einfach ihren Alltag anders. Aber trotzdem kommen sie irgendwie, im Vergleich zur Ordnung der Deutschen, durch ihr Chaos."

Die lockere Art - ist es das, was die lange Geschichte des gescheiterten jungen Maschinenbauers aus Teheran doch noch gut enden lässt? Keineswegs, meint Garavih, denn er habe hart dafür gearbeitet. Die Revolution damals in Teheran, sagt er, die hat sein Leben von Grund auf geändert. Nach und nach hat es auch ihn verändert. Seine Zukunft sieht er jetzt klar in Deutschland. Seine Wünsche sind bescheiden: mal ausschlafen, ein bisschen reisen. In die Berge nach Bayern zum Beispiel, denn da fühlt sich Ali Garavih an seine Jugend in Persien erinnert.

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