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Fokus Osteuropa

"Zwischen Kroatien und Bosnien herrscht noch immer kalter Krieg"

Das Parlament der Republika Srpska droht damit, die von der bosnischen Regierung mit Kroatien unterzeichneten Abkommen zu blockieren. Nikola Spiric, Mitglied der Gesamtregierung Bosniens, nimmt Stellung.

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Interview mit DW-RADIO

DW-RADIO/Bosnisch sprach mit Nikola Spiric, dem stellvertretenden Parlamentspräsidenten des Unterhauses von Bosnien-Herzegowina.

DW-RADIO/Bosnisch: Herr Spiric, zwischen Kroatien und Bosnien- Herzegowina waren zwei Abkommen vorgesehen, ein Abkommen über die doppelte Staatsbürgerschaft und ein Abkommen über die Regelung der Eigentumsverhältnisse. Das Parlament der Republika Srpska droht nun, diese Abkommen in der Ratifizierungsphase zurückzuweisen. Wie schätzen Sie diesen Vorgang ein?

Nikola Spiric: Ich halte es für absolut unseriös, dass ein solches Abkommen in die Vollendungsphase kommt und auch von der Regierung paraphiert wird und dann von einem der beiden beteiligten Staaten nicht ratifiziert werden kann. Das zeigt, dass leider noch immer ein kalter Krieg zwischen Kroatien und Bosnien und Herzegowina herrscht. Ich möchte hervorheben, dass die Beziehungen zwischen Bosnien und Herzegowina und Kroatien aber auch zu dem anderen Nachbarstaat, Serbien und Montenegro, endlich auf den Stand der Beziehungen zwischen anderen Europäischen Staaten gehoben werden muss, damit wir schnellen Schrittes auf die euro-atlantische Integration zugehen können.

Was hat den diese Schwierigkeiten bei der Unterzeichnung des Abkommens Ihrer Meinung nach ausgelöst?

Ich glaube, es geht um die Sache selbst. Es geht darum, dass Bosnien und Herzegowina, wenn es denn Abkommen mit Nachbarstaaten treffen möchte, auch alle Elemente dieser Abkommen umsetzen muss. Es geht darum, dass die Republika Srpska selbst eine Schlüsselrolle bei der Aushandlung solcher Abkommen durch ihre Vertreter in den Institutionen der Zentralregierung spielt, aber trotzdem dann in der Endphase der Verhandlungen die Ergebnisse blockiert. Das ist ein Beweis für die Unseriosität der Regierung der Republika Srpska, aber auch der jetzigen Zentralregierung selbst.

Was müsste denn geschehen, um zu verhindern, dass das Ansehen von Bosnien und Herzegowina durch solche Handlungen leidet?

Wir brauchen eine Veränderung dieses Konzepts der Regierung. Bosnien und Herzegowina zahlt jetzt den Preis für die Uneinigkeit innerhalb seines Regierungssystems, und das wirkt sich natürlich auch auf die Beziehungen zu Europa aus. Es muss im globalen Sinne zu Veränderungen kommen. Die Träger nationaler und nationalistischer Ideen müssen an den Rand gedrängt werden, wenn wir den Bürgern von Bosnien und Herzegowina eine Zukunft eröffnen wollen. Den Bürgern muss klar werden, dass die Nationalisten ihnen nichts zu bieten haben, was die Zukunft und ihr Wohlergehen angeht."

Das Interview führte Gordan Milosevic
DW-RADIO/Bosnisch, 10.8.2005, Fokus Ost-Südost