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Ostmitteleuropa

Zwischen Hoffnung und Angst

- Die ost-ungarische Kleinstadt Mako bereitet sich auf EU-Beitritt vor

Bonn, 8.10.2003, DW-radio / Rudolf Sturmberger

Mako ist ein kleines Städtchen in Südost-Ungarn, nur wenige Kilometer von der rumänischen Grenze entfernt. Ab Mai nächsten Jahres, nach dem EU-Beitritt des Landes, wird hier die Grenze der Europäischen Union verlaufen. In Mako mit seinen 26.000 Einwohnern gibt es wenig Industrie und viel Landwirtschaft. Und - natürlich - gibt es Erwartungen, aber auch Befürchtungen in Sachen EU-Beitritt.

Eine weitläufige Fabrikhalle am Stadtrand von Mako. Hier produzieren rund 340 Arbeiter Schulmöbel aus Holz und Metall. Die Firma ASS ist nach dem Gummi-Werk "Phönix" das zweitgrößte Unternehmen in der Region. Es exportiert 95 Prozent seiner Waren nach Deutschland. ASS-Direktor Zoltan Gabor blickt zuversichtlich dem EU-Beitritt entgegen:

"Wir hoffen, dass es keine größeren Veränderungen für uns gibt. Wir müssen schon jetzt nach den deutschen Standards arbeiten, das heißt, wir hoffen, wenn wir EU-Mitglied sind, können wir weiter ungestört arbeiten."

Für ASS und andere Unternehmen spielt der EU-Beitritt kaum ein Rolle - so das Fazit mehrerer Betriebsleiter in Mako. Denn fast alle Firmen arbeiten mittlerweile für den deutschen Markt oder sind gar in deutscher Hand. Was bisher in so genannten Zollfrei-Gebieten abgewickelt wurde, wird mit dem EU-Beitritt nun Normalität. Das heißt, die Waren werden ohne Zoll-Schranken quer durch Europa transportiert.

Für die Industrie ändert sich durch den EU-Beitritt nicht viel - wohl aber für die Landwirte. Das herausragende Agrar-Produkt rund um Mako ist die Zwiebel. Die Stadt hat ihr ein Denkmal gesetzt und sogar das Theater in Zwiebelform erbauen lassen. Viel Sonne, nährstoffreiche Böden und besondere Bearbeitungsverfahren machen die Makoer Zwiebel zu einem begehrten Produkt. Fast die Hälfte der gesamten ungarischen Zwiebel-Produktion kommt heute aus der Region, das entspricht einer Ernte von rund 35.000 Tonnen pro Jahr. Die Bauern hoffen nun auf Zugang zu ausländischen Märkten, wie zum Beispiel János Szügyi aus dem Örtchen Maroslele.

"Wir kaufen Knoblauchzehen von unseren Bauern und verkaufen sie an österreichische und Schweizer Firmen weiter, die daraus Medikamente und Knoblauchpillen herstellen. Ich sehe die Zukunft positiv, der EU-Beitritt wird für die Ungarn ein Gewinn."

Mako war bisher vor allem wegen seiner Billig-Löhne für deutsche Firmen interessant. Einige ungarische Bauern haben Angst, dass die rumänischen Billiglöhner ihnen künftig Arbeitsplätze wegnehmen könnten - der ungarisch-rumänische Grenzübergang ist nicht weit. Andere wiederum fürchten die Konkurrenz auf dem europäischen Markt. Denn im EU-Binnenmarkt werden sich die Zwiebeln aus Mako erst noch neben jenen aus Polen und den Niederlanden bewähren müssen. (fp)

  • Datum 08.10.2003
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  • Permalink http://p.dw.com/p/496o
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