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Afrika

Zwischen Hoffen und Bangen

In Simbabwe ist das Ultimatum für fast 3000 Farmer, ihr Land zu räumen, verstrichen. Doch noch bleibt ihnen und der hungerleidenden Bevölkerung ein Hoffnungsschimmer: Ein Gericht erklärte viele Enteigungen für ungültig.

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Zukunft ungewiss: Ein Farmer-Ehepaar räumt seinen Betrieb

Bauer Andrew Cockett ist überglücklich. Er darf vorerst weiter Landwirtschaft betreiben und muss seine Farm nicht verlassen. Das Oberste Gericht von Simbabwe entschied am Donnerstag (8.8.02), dass Präsident Mugabes Landvertreibungsgesetz in Cocketts Fall nicht verfassungsgemäß ist. Cockett hatte geklagt und gehofft, noch vor dem auslaufenden Ultimatum am Donnerstag um 24 Uhr ein positives Urteil zu bekommen. Damit hatte er Erfolg.

Cockett kaufte seinen Betrieb 1996. Seitdem läuft die Farm gut, sagt er. Die Regierung habe ihm beim Erwerb des Geländes schriftlich bestätigt, dass sie kein Interesse an dem Land habe. Außerdem erhielt er einen Kredit von der Landwirtschaftsorganisation. Das ist eine staatliche Organisation, die ihn mit einem Geld beim Kauf der Ländereien unterstützte. Cocketts Farm gehört deshalb eigentlich bereits zum Teil auch dem Staat, denn abgezahlt hat er die Hypothek noch lange nicht.

Kein Einzelfall

Die Farmergewerkschaft schätzt, dass 99 Prozent der Farmer, die wegen des Ultimatums ihr Land verlassen sollten, unbezahlte Hypotheken auf ihrem Land haben. Die meisten von ihnen dürften ihre Kredite ebenfalls von der staatlichen Landwirtschaftsorganisation erhalten haben. Andrew Cockett ist schon der dritte Farmer, in dessen Fall das Oberste Gericht entschieden hat, dass er bleiben darf.

"Die meisten Farmer sind in der selben Situation wie ich", berichtet Cockett. "Ich kenne keinen unter den 2.900 Betroffenen, der seine Hypothek schon abbezahlt hat. Und die Geldgeber sind in keinem Fall informiert worden." Ob das die anderen Farmer schützt, ist allerdings fraglich.

Bis nach Den Haag

Andrew Cocketts Glück schürt jedenfalls Hoffnungen. Eine Gruppe Farmer hat sich zusammengeschlossen, um ebenso gegen die Vertreibungen und Enteignungen zu klagen. Falls nötig, wollen einige bis vor das Internationale Gericht nach Den Haag ziehen, um ihre Rechte prüfen zu lassen, erklärte die Organisation "Gerechtigkeit für die Landwirtschaft". Vorerst verhandeln sie aber noch mit der Regierung. Vizepräsident Joseph Msika sagte am Mittwoch vor Farmern: "Wir sollten zusammenarbeiten und gemeinsam unsere Bemühungen zum Erfolg führen." Beobachter deuteten das als Hinweis darauf, dass Farmer vorerst nicht gewaltsam von ihrem Land vertrieben werden.

Robert Mugabe

Robert Mugabe

Dennoch sehen fiele weiße Bauern skeptisch in die Zukunft. "Ich würde ihm gerne glauben, aber ich kann nicht", sagte ein Landwirt im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Hier auf meiner Farm sehe ich es doch. Die wollen uns weghaben, egal wie." In seiner Region sind 16 von 22 Bauern von dem Ultimatum betroffen. Auf allen 16 Farmen läuft nichts mehr. Die Produktion steht still. "Das meiste Land geht doch an Regierungsbeamte", glaubt der Bauer, "es geht überhaupt nicht an die arme schwarze Landbevölkerung." Dem Plan der Regierung zufolge, wird die Enteignung durchgeführt, um historisches Unrecht zu begleichen und Ureinwohnern und ihren Nachkommen zu ihrem Land zu verhelfen.

Trotz des jüngsten Gerichtsbeschlusses haben viele Bauern bereits ihre Höfe verlassen. "Es ist einfach zuviel Risiko. Jeder der Betroffenen, der jetzt auf seiner Farm bleibt, spielt mit dem Feuer. Sie können ganz leicht verhaftet werden", sagte einer der Landwirte. Ob es tatsächlich soweit kommt, bleibt abzuwarten, denn das letzte und entscheidende Wort hat in Simbabwe der Herrscher selber: Präsident Robert Mugabe.

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  • Datum 09.08.2002
  • Autorin/Autor Dagmar Wittek
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2Xuj
  • Datum 09.08.2002
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