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Politik

Zwischen Entrüstung und Aufrüstung

Kriegsschauplatz Afghanistan: Die USA drohen nun dem unkalkulierbaren Staatschef Karsai damit, das Treffen mit US-Präsident Obama abzusagen. Und in Deutschland wird die Aufrüstung der Bundeswehr am Hindukusch gefordert.

Trauer für BW-Soldaten in Afghanistan (Foto: AP)

Gefallene Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan

Wenn Hamid Karsai weiterhin derart ärgerliche Bemerkungen mache, müsse man eine Absage seines Besuchs in Washington prüfen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, am Dienstag (06.04.2010). Es gehe dann um die Frage, ob eine Visite Karsais in den USA überhaupt noch konstruktiv sein könne. Vorläufig bleibe das für den 12. Mai vorgesehene Treffen mit US-Präsident Barack Obama aber im Programm.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai (Foto: AP)

Im Konflikt mit den USA: Präsident Karsai

Karsai in Ungnade

Karsai hat inzwischen mit einer ganzen Reihe von Bemerkungen für Unmut bei seinen Verbündeten im Westen gesorgt. Zuletzt drohte er damit, der geplanten Nato-Großoffensive gegen die Taliban in der Gegend um Kandahar seine Zustimmung zu verweigern. Oder sich ganz mit den radikal-islamischen Taliban zu solidarisieren. Der afghanische Präsident will so dem Druck entgegenwirken, endlich etwas gegen die Korruption in seiner Regierung zu unternehmen.

BW-Kampfpanzer im Manöver (Foto: dpa)

Deutsche Panzer nach Afghanistan? Der Leopard 2 (rechts)

In Berlin wird derweil der Ruf nach einer besseren Ausrüstung für die Bundeswehr-Truppen in Afghanistan lauter. Der künftige Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, forderte den Einsatz von schweren Kampfpanzern und Mörsergranaten. Die Bundeswehr solle Leopard-2-Kampfpanzer nach Kundus schaffen, sagte der FDP-Politiker im "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe). Der Leopard 2 sei besser gegen Minen geschützt als leichtere Panzer oder Patrouillenfahrzeuge. Außerdem könne der Leopard-Panzer eine abschreckende Wirkung auf die Taliban haben.

Wehrbeauftragter Robbe (Foto: dpa)

Der scheidende Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe

Könnten die Soldaten noch leben?

Dis Diskussion hat nach dem Tod von drei weiteren Bundeswehr-Soldaten am Karfreitag eine neue Qualität bekommen. Indirekt wird dabei auch die Frage gestellt, ob die Soldaten noch leben könnten, wären sie besser ausgerüstet gewesen.

Der scheidende Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), betonte: "Es fehlt insbesondere an Transportflugzeugen, an Hubschraubern." Diese Kritik unterstützte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold. Das Fehlen von Kampfhubschraubern in Afghanistan sei ein "markantes Defizit". Solche Hubschrauber könnten in kritischen Situationen sehr schnell am Einsatzort sein, um den Soldaten am Boden beizustehen. Sein Parteifreund Robbe räumte ein, dass der Einsatz gefährlicher sei als ursprünglich gedacht.

Ein Einsatz - gefährlicher als gedacht

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) äußerte sich zunächst nicht erneut zu den Vorwürfen und Forderungen. Der Parlamentarische Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt (CSU) meinte aber, Politik und Öffentlichkeit hätten sich in den ersten Jahren des Einsatzes etwas vorgemacht. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte vor einem überstürzten Truppenabzug aus Afghanistan.

Zustand der Verwundeten stabil

Für die drei gefallenen Bundeswehr-Soldaten findet am Freitag eine Trauerfeier in der Nähe von Seedorf in Niedersachsen statt. Der Zustand der vier schwer verwundeten Soldaten ist nach Auskunft des Verteidigungsministeriums stabil. Zwei von ihnen werden den Angaben zufolge auf der Intensivstation des Bundeswehrzentralkrankenhauses in Koblenz behandelt. Die beiden anderen Männer konnten inzwischen auf eine normale Station verlegt werden.

Afghanische Polizeikräfte im Einsatz (Foto: AP)

Überfordert? Die afghanischen Sicherheitskräfte

Unterdessen berichtet die französische Zeitung "Le Canard enchaine", das afghanische Heer habe bei der Offensive in der Rebellenregion Helmand 60 Prozent der im Kampf engagierten Truppen eingebüßt. Dazu zählten viele Deserteure und Demissionen, so das Blatt unter Berufung auf Militärberichte an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy.

Autor: Marko Langer (dpa, rtr, apn, epd)
Redaktion: Walter Lausch

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