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Kultur

Zwischen Elbe und Bosporus: Fatih Akin

Er ist gerade mal 36 Jahre alt: Fatih Akin, deutscher Erfolgs-Filmemacher und Kind türkischer Eltern, hat schon zahlreiche Filmpreise gewonnen. Am Freitag (25.12.2009) kam sein neuer Film "Soul Kitchen" in die Kinos.

Fatih Akin (Foto: dpa)

Ein Kind zweier Kulturen

Die Story von "Soul Kitchen" ist etwas kompliziert: Zinos, der Deutsch-Grieche hat ein Szene-Restaurant in Hamburg, das "Soul Kitchen" heißt und mäßig läuft. Aber es gibt noch andere Probleme: Zinos Freundin zieht wegen eines Jobs nach China, sein Untermieter zahlt keine Miete, das Finanz- und das Gesundheitsamt sind ihm auf den Fersen, Zinos erleidet einen Bandscheibenvorfall, und der Koch weigert sich, das zu kochen, was die Gäste essen wollen. Und über allem schwebt der dunkle Schatten seines alten Freundes Neumann, ein Immobilienhai, der Zinos das "Soul Kitchen" abluchsen will.

Eine Geschichte aus Akins Jugend

Szene aus 'Gegen die Wand' (Foto: AP)

Akins Durchbruch mit "Gegen die Wand"

"Soul Kitchen" ist eine Komödie, eine Verbeugung vor dem US-Kino der 80er Jahre, aber auch ein Szeneportrait mit Gesellschaftskritik. Doch in erster Linie ist der Film eine Gelegenheit für Fatih Akin, eine Geschichte aus seiner Jugendzeit zu erzählen. Denn sein Hauptdarsteller und Freund Adam Bousdoukos, der Zinos spielt, hatte Anfang der 90er Jahre tatsächlich eine Taverne. Und diesem Laden - einer Mischung aus Abenteuerspielplatz, Auffangbecken, Restaurant und Partykeller - ist "Soul Kitchen" gewidmet.

Etwa zu dieser Zeit beschloss Fatih Akin, dass er zum Film will. Regie war damals zunächst gar nicht sein Ziel, wie er erzählt: "Ich habe mir das damals gar nicht zugetraut. Ich dachte, ich schreibe ein Drehbuch und spiele die Hauptrolle dazu. Also wie Sylvester Stallone das in 'Rocky' gemacht hat. Ich glaube, da war ich 18 oder so."

Anfänge als Filmemacher

Akin bei Dreharbeiten mit Megafon in der Hand (Foto: Picture Alliance)

Regisseur zu sein hat sich Akin anfangs nicht zugetraut

Heute ist Fatih Akin 36 Jahre alt und gilt als einer der bedeutendsten deutschen Filmemacher oder besser gesagt deutsch-türkischen Filmemacher. Der in Hamburg geborene Akin steht als Kind zweier Kulturen stellvertretend für eine Generation junger Einwanderer, die längst Teil der deutschen Kultur geworden sind.

Sein Vater, Mustafa-Enver Akin, ist 1965 als Fabrikarbeiter nach Hamburg-Altona gekommen, seine Mutter Hadiye, eine Grundschullehrerin, ist 1968 eingewandert. Fatih Akin träumt davon, Schauspieler zu werden. Er macht erste Videoproduktionen mit Freunden. Und sein Engagement auf der Schulbühne führt zu Auftritten am Thalia Theater. Doch die Angebote, die er dann erhält, reduzieren sich auf Klischee-Türken, die ihre Messer zücken.

Also beginnt Fatih Akin, eigene Drehbücher zu schreiben. Er dreht einige Kurzfilme und erlebt seinen Durchbruch 1998, als "Kurz und Schmerzlos", sein erster Spielfilm, in die Kinos kommt. "Kurz und Schmerzlos" ist ein temporeicher Kiezkrimi, der von Freundschaft, Liebe und Verrat handelt.

Im Juli: eine Liebeskomödie

Für seinen zweiten Film, wendet sich Fatih Akin bewusst einem anderen Genre zu. Denn er will nicht festgelegt werden. "Im Juli", so der Titel, kommt 2000 in die Kinos - eine Liebeskomödie. Als Vorlage dient Shakespeares "Sommernachtstraum". Doch der echte Durchbruch gelingt ihm 2004 mit einem Frontalzusammenstoß - mit "Gegen die Wand".

Mit "Gegen die Wand" gewinnt Fatih Akin den Goldenen Bären, den Deutschen und den Europäischen Filmpreis. Und plötzlich reißt sich die Medienmaschine um den Filmemacher. Ständig wird er in Talk Shows zu allen möglichen Problemen des Zusammenlebens zwischen verschiedenen Kulturen befragt und gern als Aushängeschild für geglückte Integration in Deutschland präsentiert.

Genrewechsel: Ein Dokumentarfilm

Um dem Erfolgsdruck aus dem Weg zu gehen, dreht Akin nach "Gegen die Wand" einen Dokumentarfilm. "Crossing the Bridge", so der Titel, widmet sich der Musikszene in Istanbul. Dazu schickt Akin 2004 den Bassisten der Band "Einstürzende Neubauten" Alexander Hacke auf eine Entdeckungsreise durch die türkische Metropole.

Filmteam (Foto: dpa)

Eine Familie: Das Team von "Crossing the Bridge"

Mit Klaus Maeck, der früher Manager der Band "Einstürzende Neubauten" war, gründet Akin im selben Jahr eine eigene Produktionsfirma, die "Corazón International". Fortan tobt sich Fatih Akin nicht nur als Regisseur, Drehbuchautor und Nebendarsteller aus, sondern auch als Produzent. So entstehen unter dem Dach von Corazón neben "Crossing the Bridge" Filme wie "Chiko", "Takva – Gottesfurcht" oder auch Akins vorletztes Werk "Auf der anderen Seite".

Ähnlichkeit mit Rainer Werner Fassbinder

In gewisser Weise erinnert Fatih Akin ein wenig an Rainer Werner Fassbinder. Auch Fatih Akin hat ein ganzes Ensemble um sich herum versammelt. Allerdings ist die Atmosphäre familiärer und mit Abhängigkeiten wird wenig gespielt. Mit dem Kameramann Rainer Klausmann, dem Cutter Andrew Bird und dem Produzenten Klaus Maeck bildet Fatih Akin hinter der Kamera ein vertrautes Arbeitsgespann. Und seine Frau Monique, eine Deutsch-Mexikanerin, kümmert sich regelmäßig um die Besetzung.

Für seine Verdienste um Integration und Identitätsbildung in Europa wurde Fatih Akin 2008 mit der Karlsmedaille für europäische Medien ausgezeichnet. Und vor kurzem hat er aus Protest gegen das Schweizer Bauverbot für Minarette die Teilnahme an der Premiere seines neuen Films in der Schweiz abgesagt. In einem offenen Brief an die Schweizer Presse schreibt er: "Dieser Volksentscheid widerspricht meinem Verständnis von Humanismus, Toleranz und dem Glauben daran, dass ein harmonisches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Rasse und Religion möglich sein muss."

Autor: Bernd Sobolla
Redaktion: Sabine Oelze

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