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Politik

Zwischen Dschihad und Sozialarbeit - Die Hisbollah im Libanon

Die Hisbollah hat viele Gesichter: Sie ist politische Partei und Wohlfahrtsorganisation, sie unterhält staatsähnliche Strukturen und agiert mit syrischer und iranischer Unterstützung als Kampfmiliz gegen Israel.

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Hisbollahführer Nasrallah ist überall in Beirut zu sehen

An der libanesischen Hisbollah scheiden sich die Geister. Israel und der US-Administration gilt die "Partei Gottes“ als Handlanger Irans und als Teil des "A-Teams des Terrorismus“. In westlichen Ländern wird sie weitgehend als radikale Islamistenmiliz eingestuft.

Im Libanon selbst - insbesondere im Süden von Beirut - hat die Hisbollah jedoch ein anderes Image: Seit ihrer Gründung Anfang der 1980er Jahre hat die Miliz unter den hier lebenden Schiiten immer mehr Einfluss gewonnen. Die Hisbollah dominiert das öffentliche Leben und ist populär - selbst bei Bürgern, denen Religion nicht sonderlich wichtig ist. Wegen ihres jahrelangen und letzten Endes erfolgreichen Kampfes gegen die israelische Besatzung im Südlibanon. Und vor allem wegen ihres großen sozialen Engagements in den schiitischen Bevölkerungszentren des Landes.

Staat im Staate

Libanon Sozialprojekte der Hisbollah im Südbeirut

Die Hisbollah unterhält zahlreiche Sozialprojekte im Südbeirut

Mit syrischer und iranischer Unterstützung hat die Hisbollah in den schiitischen Landesteilen längst eine eigene Infrastruktur etabliert: einen Staat im Staate. Sie unterhält dort Schulen, Kranken- und Waisenhäuser und kontrolliert sogar den Straßenverkehr.

Die libanesisch-amerikanische Hisbollah-Expertin Judith Harik macht im DW-Interview das mangelnde Engagement der libanesischen Regierung für das Erstarken der Hisbollah mitverantwortlich: "Diese Gebiete sind von der Zentralregierung nie richtig unterstützt worden. Statisken zeigen, dass die Bekaa-Ebene und der Süden die unterentwickeltsten Gegenden im Libanon sind - und auch immer schon waren. Dies hat der Hisbollah ein weites Betätigungsfeld eröffnet. Religiös argumentiert könnte man sagen: Gemäß dem Koran ist es ihre Pflicht, dort zu helfen. Mehr zynisch betrachtet könnte man aber auch feststellen: Eine wunderbare Möglichkeit, um Anhänger zu gewinnen. Denn es gibt niemanden sonst, der dort hilft."

Labiler konfessioneller Proporz

Libanon Judith Palmer Harik

Judith Palmer Harik

Im Libanon hat Religion von Staats wegen schon immer eine große Rolle: 18 Religionsgruppen - überwiegend Muslime schiitischer und sunnitischer Prägung, Drusen und mehrere christliche Konfessionen - müssen dort gemäß Verfassung die politische Macht miteinander teilen.

Immer wenn dies misslingt, drohen Konflikte - das bisher schlimmste Beispiel dafür war der libanesische Bürgerkrieg von 1975 bis 1990. Die größte religiöse Gruppe im Lande sind die Schiiten mit schätzungsweise 40 Prozent Bevölkerungsanteil. Und deren politische Hauptvertretung ist seit Ende des Bürgerkriegs unangefochten die Hisbollah, die "Partei Gottes", die in strikter Opposition zu der vom Westen und vom Saudia Arabien unterstützten Regierung steht - und die vor einem Jahr mit einem Grenz-Zwischenfall den 33-Tage-Krieg mit Israel (Sommerkrieg 2006) provoziert hatte.

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