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Kultur

Zwischen drei tektonisch aktiven Erdplatten

Indonesien zählt zu den gefährlichsten Erdbebenregionen der Welt. Das hat das schwere Erdbeben auf Java, nur knapp eineinhalb Jahre nach der Tsunami-Katastrophe, noch einmal deutlich gemacht.

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Bantul bei Yogyakarta nach dem Beben

Aufgereiht wie Perlen auf einer Kette liegen die mehr als 16.000 Inseln des indonesischen Archipels im indischen und pazifischen Ozean. Traumstrand reiht sich an Traumstrand, tiefgrüne Wälder, Mangroven, Kulturlandschaften kennzeichnen eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt.

Doch die Idylle trügt. Unter der Oberfläche des tiefblauen Meeres lauert die Gefahr, denn der 3000 Kilometer lange Sundabogen markiert die Grenze zwischen drei tektonisch aktiven Erdplatten. Jede noch so kleine Bewegung der Plattentektonik löst Erschütterungen an der Oberfläche aus.

Ständige Gefahr

Der deutsche Erdbebenexperte Rainer Kind, Leiter der Sektion Seismologie am Geoforschungszentrum Potsdam, hatte in einem DW-Interview bereits nach der Tsunami-Katastrophe Ende 2004 auf die permanente Beben-Gefahr in der Region durch Verschiebungen der Platten verwiesen: "Diese Verschiebungen sind nicht stetig. Es kommt dann zu Widerständen, Spannungen bauen sich auf, die sich dann durch solche Erdbeben lösen können.”

Eine Kette von über 100 aktiven Vulkanen entlang des so genannten pazifischen Feuerrings hat Indonesiens Inselwelt in den letzten Jahrhunderten durch Asche fruchtbar gemacht. Doch die Bewohner des Archipels leben im Schatten der Vulkane in ständiger Gefahr. Das jüngste Beben in der Nähe der Stadt Yogyakarta auf der Hauptinsel Java ist das dritte schwere nach dem verheerenden Seebeben, das Ende 2004 den Tsunami vor der nördlichen Insel Sumatra verursachte. Tatsächlich bebte die Erde seitdem viel häufiger, als international wahrgenommen, allerdings ohne größere Schäden anzurichten.

Merapi und Krakatau

Seit Wochen befand sich Yogyakarta im Alarmzustand. Der nahe der Stadt gelegene Vulkan Merapi stieß bedrohlich kilometerhohe Rauch- und Aschewolken aus. In seinem Krater wuchs ein glühender Lavadom täglich um mehrere Meter. Längst standen Zeltlager bereit und die Evakuierung der Bevölkerung hatte bereits begonnen. Dennoch wurde das Seebeben unmittelbar vor der Südküste nicht vom nahe gelegenen Merapi ausgelöst, sondern durch Plattenbewegungen auf dem Meeresboden. In Folge des Bebens wurde dann allerdings auch wieder eine erhöhte Aktivität des Vulkans gemessen.

Vulkanausbrüche und Erdbeben ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des südostasiatischen Archipels. Schon 1883 machte die Explosion des zwischen Sumatra und Java gelegenen Vulkans Krakatau weltweit Schlagzeilen. Rund um den Globus waren die Aschewolken sichtbar. Zehntausende fielen den durch die Explosion verursachten Flutwellen zum Opfer. Das Seebeben vor Sumatra Weihnachten 2004 erwies sich dann als die größte Katastrophe der jüngeren Geschichte.

Anhaltende Spannungen

Die Flutwelle breitete sich bis an die Küsten Thailands, Indiens und Sri Lankas aus und riss mehr als 200 000 Menschen in den Tod. Seismologen maßen eine Stärke von 9,2 Punkten auf der Richterskala. Nur wenige Monate später, im März bebte die Erde erneut, wieder vor der Küste Sumatras unmittelbar südlich des letzten Bebens. Ein weiteres Zeichen für anhaltende Spannungen in der Plattentektonik.

Für Geologen kommt das erneute Beben - diesmal vor Java - nicht überraschend. So meint Paul Tappomier vom Pariser Institut für planetare Physik, die Erdbebenzone vor Indonesien ähnele der Knopfleiste eines Hemdes über einem Bierbauch: "Wenn ein Knopf abreißt, geraten die verbleibenden Knöpfe unter noch größeren Druck". Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann der nächste "Knopf" abspringt und das nächste Beben ausbricht.