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Nahost

Zwischen den Zeilen schreiben

Viele Iraner hoffen auf einen politischen Kurswechsel nach der Präsidentschaftswahl. Auch Pegah Ahangarani wünscht sich Reformen. Offen Kritik zu äußern, sei so gut wie unmöglich, sagt die junge Schauspielerin.

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Die Iranerin Pegah Ahangarani gehört zu den bekanntesten Gesichtern ihrer Generation

Sie ist eine der beliebtesten Schauspielerinnen im Iran - doch davon macht Pegah Ahangarani kein Aufhebens. Im Gegenteil. Strahlend schlendert sie den Gang entlang, in einer einfachen Hose und einem dunklen Pulli. Ihre schwarzen Locken fallen ihr ins Gesicht. Pegah Ahangarani trägt kein Kopftuch - jedenfalls nicht, solange sie in Europa ist.

Dass sie sich sogar ohne Kopftuch fotografieren lässt, wirkt fast wie ein politisches Statement - denn im Iran müsste die 25-Jährige, wie alle Frauen, ihr Haar bedecken. Doch der Filmstar lässt sich ungern etwas vorschreiben. Lieber bildet sich Pegah Ahangarani ihre eigene Meinung - auch wenn das im Iran nicht immer leicht ist.

Kaum unabhängige Medien

Global Media Forum 2009 The young generation Pegah Ahangarani

Beim Global Media Forum in Bonn zeigte sich Pegah Ahangarani ohne Kopftuch

"Die meisten Medien im Iran sind staatlich", erzählt sie. "Fernsehen und Radio sind komplett unter staatlicher Führung. Es gibt kaum unabhängige Zeitungen. Da bleibt nur das Internet übrig, das vor allem die jungen Leute nutzen. Allerdings werden viele Internetseiten geblockt."

Selbst wenn die Internetseiten abrufbar sind, müsse man aufpassen, sagt Pegah Ahangarani. Die Pressefreiheit im Iran ist stark eingeschränkt, und das iranische Medienrecht orientiert sich an der islamischen Rechtsordnung. Einfach schreiben, was man will, könne man nicht - schon gar nicht über den Präsidenten.

Vorsicht bei allen Themen

"Man muss eigentlich im Iran bei allen Themen vorsichtig sein", sagt sie. "Selbst wenn man ein paar Zeilen über eine Steckrübe schreiben wollte, ist man vorsichtig. Nicht, dass es irgendwelche Missverständnisse gibt! Schon gar nicht, wenn es um Achmadinedschad geht. Man hat sozusagen im Inneren immer eine Selbstzensurschranke."

Diese Selbstzensur verfolgt sie bis nach Deutschland. Als Pegah Ahangarani im Februar zur Berlinale kam, um in einem Internetblog der Deutschen Welle über das Filmfestival zu berichten - auch da habe sie nicht einfach nach Lust und Laune drauflos geschrieben, erzählt die Schauspielerin. Trotzdem ist sie froh über die Erfahrung. Im Iran wäre das Bloggen nicht möglich gewesen, sagt Pegah Ahangarani.

Zensierte Internetseiten

Pegah Ahangarani

In einem Internetblog der Deutschen Welle berichtete die Schauspielerin von der Berlinale

"Im Iran steht Bloggen unter Strafe. Da gibt es sehr, sehr strenge Regeln. Andererseits muss man auch bedenken, dass nicht alle Blogs erreichbar sind. Sie werden gefiltert. Es gibt zwar verschiedene Software, um die Filter zu umgehen, aber letztendlich ist das sehr, sehr schwierig."

Mit ihrer politischen Einstellung hält Pegah Ahangarani trotz der eingeschränkten Meinungsfreiheit nicht hinterm Berg. Sie unterstützt den reformorientierten Mohammed Khatami. Er wollte eigentlich als Kandidat für die Präsidentschaftswahl antreten, hat dann aber zugunsten seines Mitbewerbers Mir Hossein Mussawi darauf verzichtet.

Wenig unabhängige Wahlwerbung

Mit ihrer politischen Meinung steht Pegah Ahangarani nicht alleine da. "Es gibt sehr viele Jugendliche, die für die Reformer sind", erzählt sie. "Sie versuchen, auf der Straße Werbung zu machen, die Leute für sich zu gewinnen. Ihre Macht ist natürlich klein. Medien haben einen wesentlich größeren Einfluss. Wir haben aber dieses Mal Glück, dass im staatlichen Fernsehen bestimmte Dinge unzensiert gesendet werden müssen. Wahlwerbung und Fernsehdebatten, zum Beispiel zwischen Achmadinedschad und Mussawi, die nicht zensiert werden."

Pegah Ahangarani hofft, dass solche Fernsehprogramme auch bei den Menschen auf dem Land ihre Spuren hinterlassen - dort, wo wenig Leute Zeitung lesen, zumal es im Iran kaum unabhängige Zeitungen gibt. Doch bis sich die Situation in ihrem Land ändert, müssten die Iraner möglicherweise noch einen langen Weg gehen, meint Pegah Ahangarani.

Autorin: Anne Allmeling
Redaktion: Ina Rottscheidt

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