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Zwischen Buchdeckeln

Reden wie ein Buch? Ein Buch mit sieben Siegeln sein? In jemandem lesen wie in einem offenen Buch? Fast eine (Buch-)Wissenschaft, das alles zu verstehen. Zwischen Buchdeckeln verbirgt sich viel – nicht nur Wissenswertes.

Johanna steht ein wenig ratlos vor dem Bücherregal in ihrer Lieblingsbuchhandlung. So viel Auswahl! Wie soll sie da das Richtige finden? Fast 100.000 neue Buchtitel erscheinen jedes Jahr in Deutschland auf dem Buchmarkt. So viel kann niemand lesen – kein Bücherwurm und keine Leseratte. Aber es ist für jeden etwas dabei: ob Kochbuch, Lehrbuch, Roman oder Krimi – es gibt wirklich eine riesige Auswahl.

Von Eselsohren, Büchernarren und …

Ein E-Book-Reader vor einem Stapel Bücher

Nicht gemütlich, aber praktisch: ein E-Book-Reader

Heute bestellen viele ihre Bücher über das Internet, aber Johanna bevorzugt nach wie vor die Buchhandlungen – umgangssprachlich auch Buchläden genannt. Hier kann sie die Schmöker direkt anfassen, anschauen und darin lesen. Viele Buchhandlungen haben deswegen gemütliche Leseecken eingerichtet, bieten Kaffee und Kuchen.

Hauptsache, die Bücher bekommen hier keine Eselsohren. Denn dann lassen sie sich schwer verkaufen. Das kann bei einem E-Book nicht passieren, da nur Papierecken im Buch beim Umblättern leicht knicken und dann wie das geklappte Ohr eines Esels aussehen. Ein klarer Vorteil eines elektronischen Buchs!

geschlagenen Büchern

Ein im Sand versinkendes Haus

Mancher in ein Buch versunkener Bücherwurm bekommt nichts mit!

Aber viele Büchernarren vergraben sich immer noch lieber in ein „richtiges“ Buch – entweder ein Taschenbuch oder ein gebundenes Buch mit einem festen Einband aus Pappe oder Leder. Sie lieben den Geruch vor allem eines alten Buches aus dem Antiquariat. Nicht zu vergessen die Freude, ein Buch aufzuschlagen und sich auf das zu freuen, was erzählt wird. Übrigens: Die Redewendung ein Buch aufschlagen kommt nicht von ungefähr.

Im Mittelalter wurden die Holzdeckel von Büchern mit einem breiten Metallhaken zusammengehalten. Damit konnten die wertvollen Seiten geschützt, aber auch gepresst werden. Wenn man auf das Buch schlug, sprang der Metallhaken meist von selbst auf. In einem Buch zu versinken, gilt manchem als Zeichen von Muße. Da lässt jemand alles andere stehen und liegen, um in eine Geschichtenwelt abzutauchen. Für Anti-Leseratten und für Computerfreaks ist das allerdings ein Buch mit sieben Siegeln.

Bücher, die reden, offen sind und Siegel haben

Eine aufgeschlagene Seite einer Bibel aus dem 15. Jahrhundert

Die Bibel: Für manchen ist sie ein Buch mit sieben Siegeln?

Übrigens: Diese Redewendung stammt – wie viele andere auch – aus dem Buch der Bücher, der Bibel. Erst letzte Woche hat Johanna ihrem Freund genau diese Redewendung an den Kopf geworfen. Er war mal wieder stundenlang mit seinem Computer beschäftigt, anstatt mit ihr den schönen Spaziergang zu machen, auf den sie sich gefreut hatte. Schließlich sagte sie resigniert: „Was ist eigentlich mit dir los? Bei dem schönen Wetter! Du bist für mich wirklich ein Buch mit sieben Siegeln.“ Damit meinte sie, dass sie keinen Zugang zu ihm hatte, er schien ihr verschlossen – wie durch ein (nein, durch sieben!) Siegel. Lieber hätte sie es, wenn er wie ein offenes Buch für sie wäre.

Ihr Freund hat darauf nicht viel geantwortet. Er ist nicht gerade die Art Mensch, von der sich sagen lässt: „Er redet wie ein Buch.“ Damit sind Menschen gemeint, die ohne Punkt und Komma sprechen, ohne darauf zu achten, ob ihr Geplapper die anderen überhaupt interessiert. Na ja, schade für Johanna! Sie ging dann eben alleine spazieren. Immerhin war es ein Sommer wie er im Buche steht: blauer Himmel, ein paar strahlend weiße Wolken, schön warm, aber nicht zu heiß – eben das perfekte Sommerwetter.

Bücherverbrennungen

Stapel brennender Bücher am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opern-Platz

Der Nazi-Wahn machte auch vor Büchern nicht halt – wie in Berlin am 10. Mai 1933

Weil Bücher so wichtig sind für die Menschen, ihre Kultur und ihre Identität, sind sie auch immer wieder Ziel von Angriffen. Bücherverbrennungen sind ein trauriges Phänomen, das es so lange gibt, wie Bücher existieren. Schon der römische Kaiser Diokletian ließ vor weit mehr als 2000 Jahren christliche Texte verbrennen. Ein berühmter und trauriger Höhepunkt ist die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten in Deutschland im Mai und Juni 1933.

[O-Ton: „Ich übergebe dem Feuer die Schriften der Schule Sigmund Freud – gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten, für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit. Ich übergebe dem Feuer die Schriften des Emil Ludwig (Cohn) …“]

In vielen Städten warfen nationalsozialistisch gesinnte Studenten auf öffentlichen Plätzen Bücher vor allem jüdischer, marxistischer und pazifistischer Autoren ins Feuer. Mancher Autor sah sogar sein Lebenswerk, die Summe seines schriftstellerischen Schaffens, vernichtet. Der deutsch-jüdische Dichter Heinrich Heine hatte schon 1821 geschrieben: „...dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ In seinem Theaterstück „Almansor“ wird damit die Verbrennung eines Exemplars des Korans kommentiert – ein Kommentar von großer Aktualität.

Buch-Berufe und Buchmessen

Menschen drängen sich auf der Leipziger Buchmesse

Jedes Jahr ein Publikumsmagnet: die Buchmessen

Rund ums Buch gibt es viele Berufe: Buchhändler, Buchautor, Buchbinder, Buchwissenschaftler, Buchverleger – es gibt das Buchlektorat, den Buchvertrieb, das Buchmarketing; an dieser Stelle soll es damit genug sein. Die größte und wichtigste Buchmesse der Welt findet übrigens jedes Jahr in Frankfurt am Main statt: Für die internationale und nationale Buchbranche ist die Messe der wichtigste Treffpunkt des Jahres. Eine kleinere – deutsche – Buchmesse gibt es außerdem noch in Leipzig. Auf diesen Messen wird mitentschieden, welche Neuerscheinungen zu Bestsellern werden. Das schlägt dann für manche Verlage in Form von entsprechenden Einnahmen zu Buche.

Einer Bücherfreundin wie Johanna ist das egal. Sie zieht es vor, in Ruhe zu Hause Bücher zu lesen. Oder in der Bibliothek ihrer Universität, wenn sie lernen und fürs Studium arbeiten muss. Für sie ist das keine „kalte Buchgelehrsamkeit, die sich mit toten Zeichen ins Gehirn nur drückt“, wie es Gotthold Ephraim Lessing in seinem Theaterstück „Nathan der Weise“ schrieb. Nein, sie steckt ihren Kopf liebend gerne zwischen die Buchdeckel.

Goldene Bücher

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Bonn ein

Wichtige Leute tragen sich in Goldene Bücher ein

Und dort findet sie einige Lehnwörter, die auch mit „Buch“ zu tun haben. Wie zum Beispiel buchen, was ursprünglich bedeutete, dass etwas in die Bücher eingetragen wurde. Da fällt ihr plötzlich ein: Sie muss ja noch das Ticket für den Flug nach Wladiwostok buchen! Das war die Idee ihres Freundes, der einmal eine ganz andere Stadt sehen wollte.

Schnell verlässt sie die Buchhandlung und eilt zum Reisebüro. Was sie in Wladiwostok wohl erwartet? Sicher ist, dass sie beide sich dort wohl nicht ins Goldene Buch der Stadt eintragen werden. In diesem ganz besonderen Gästebuch dürfen sich in jeder Stadt nur wenige Ehrengäste mit ihrer Unterschrift verewigen. Allerdings gibt es ein weniger offizielles Gästebuch – zum Beispiel in vielen sozialen Netzwerken im Internet.

„Allein es steht in einem andern Buch“

Johanna hat ihren Flug gebucht und fährt zufrieden nach Hause. Was die Reise ihnen beiden bringt? Eins steht zumindest fest: Sie werden über ihre Ausgaben Buch führen, da sie nicht viel Geld haben. Zu allem anderen kann man mit einem Zitat aus Goethes „Faust“ nur sagen: „Allein es steht in einem andern Buch.“






Fragen zum Text

Für jemanden ist ein Buch mit sieben Siegeln:
1. ein Buch, das sich leicht lesen lässt.
2. etwas, das schwer zu verstehen ist.
3. ein besonders exklusives Buch.

Büchernarren lieben es, ...
1. andere Menschen wie ein Buch zu lesen.
2. Buchdeckel mit sieben Siegeln zu versehen.
3. ihren Kopf zwischen zwei Buchdeckel zu stecken.

Eine Geburtstagsfeier wie sie im Buche steht, ...
1. ist eine besonders gelungene Geburtstagsfeier.
2. richtet sich nach Ratschlägen in einem Buch.
3. bietet ihren Gästen ein schönes Gästebuch an.


Arbeitsauftrag
Lies die folgenden Originalzitate aus der deutschen Presse sowie die Zitate aus den Werken Heinrich Heines, Gotthold Ephraim Lessings und Johann Wolfgang von Goethesdurch. Erkläre mit deinen eigenen Worten, was sie bedeuten.

1. Über den US-Wahlkampf und eine Äußerung Barack Obamas heißt es:
„Milder, aber doch deutlich meldete sich mittlerweile sogar der Präsident selbst zu Wort: Die Amerikaner hätten ‚ein Recht zu erfahren, wer Du bist und was Du getan hast. Du musst ein offenes Buch sein’.“ (Süddeutsche Zeitung vom 12.07.2012)

2. Über eine Befragung von Kunden zur Verständlichkeit von Informationen wird geschrieben:
„Hingegen werden die Infos von Banken, Versicherungen und Steuerbehörden von 95 Prozent [der Befragten] als Buch mit sieben Siegeln empfunden.“ (Berliner Zeitung vom 20.06.2012)

3. Über Petr Čech, den Torwart der tschechischen Fußballnationalmannschaft, ist zu lesen:
„Čech ist ein bescheidener Profi, einer, wie er im Buche steht. Bereits drei Stunden vor jedem Spiel macht er sein Smartphone aus, ist dann nicht mehr für seine Frau und die beiden Kinder erreichbar.“ (Sport Bild vom 06.09.2012)

4. „...dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ (Heinrich Heine: Almansor)

5. „… kalte Buchgelehrsamkeit, die sich mit toten Zeichen ins Gehirn nur drückt.“ (Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise)

6. „Allein es steht in einem andern Buch.“ (Johann Wolfgang von Goethe: Faust I)

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