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Wirtschaft

Zweites Rettungspaket für britische Banken

Die britische Regierung hat ein zweites Rettungspaket für den Bankensektor vorgelegt, um die Kreditvergabe wieder in Gang zu bringen.

Alistair Darling und Gordon Brown vor Stehpulten (Quelle: AP)

Wie viele Milliarden wollen Premierminister Brown und Finanzminister Darling zur Verfügung stellen?

Nach immer neuen Milliardenlöchern bei den Banken hat die britische Regierung ein zweites massives Rettungspaket für die kriselnde Branche geschnürt. Dabei will der Staat die Banken gegen die Risiken ihrer faulen Kredite versichern, teilte Finanzminister Alistair Darling in am Montag (19.01.2009) in London mit. Die Versicherung, für die die Steuerzahler geradestehen, soll den Kreditfluss wieder ankurbeln. Die Banken zahlen für diese staatliche Absicherung eine Gebühr.

Laut dem Finanzministerium soll die Stabilität des Finanzsystems gestärkt und das Vertrauen in die Kreditvergabe erhöht werden. Dabei sollen die Maßnahmen vor allem Grundstücksbesitzern und kleinen Unternehmen zugute kommen, die das "Rückgrat des Landes" bildeten.

Brown ließ die Höhe des Rettungspakets offen. Medienberichten zufolge entspricht es einem Wert von rund 200 Milliarden Pfund, umgerechnet etwa 220 Milliarden Euro. Das ist die von Experten geschätzte Summe der Risiken, die in den Büchern der britischen Banken schlummern.

Royal Bank of Scotland meldet Rekord-Verlust

Mann läuft vor Firmenlogo der Royal Bank of Scotland, RBS (Quelle: AP)

Weil die Royal Bank of Scotland einen Rekord-Verlust verzeichnet, wird sie nun zu mehr als zwei Dritteln verstaatlicht

Unterdessen geht die Royal Bank of Scotland (RBS) für das vergangene Jahr von einem Rekordverlust in von umgerechnet bis zu 31 Milliarden Euro aus. Der Staat erhöhte deshalb den Anteil an der Bank von 58 auf 70 Prozent. Die RBS-Papiere sackten an der Londoner Börse um 46 Prozent auf 18,6 Pence ab. Auch die neue Lloyds Banking Group verlor am Montag fast 30 Prozent.

Das neue Bankenrettungspaket sieht vor, dass die Banken das Ausmaß ihrer riskantesten Kredite offenlegen. Die Regierung wird die Institute dann im Gegenzug für eine Gebühr gegen 90 Prozent der möglichen Ausfälle absichern.

Erstes Rettungspaket blieb ohne Effekt

Frau sitzt vor Computerbildschirmen mit Börsendaten (Quelle: AP)

Britische Banken werden trotz des Rettungspakets weiter der Finanzkrise trotzen müssen

Erst vor etwa drei Monaten hatte Großbritannien sein erstes Milliarden-Rettungspaket vorgestellt, nachdem klar wurde, dass die Finanzkrise das Königreich besonders hart getroffen hatte. Bereits Anfang Oktober rettete die Regierung mehrere Banken mit einer Finanzspritze über 37 Milliarden Pfund vor dem Kollaps. Die drei Banken RBS, Lloyds TSB und HBOS wurden dabei teilweise verstaatlicht. Doch der Effekt blieb aus.

Andere Banken versuchen dagegen, sich ohne staatliche Hilfe über Wasser zu halten. Der Bankenriese HSBC erklärte, nicht bei der Regierung um Kapital gebeten zu haben. Man könne sich nicht vorstellen, unter welchen Umständen so etwas nötig sei, hieß es in einer Mitteilung.

Neue Debatte um so genannte "Bad Bank"

Finanzministerium in Berlin (Quelle: AP)

Deutschland plant keine weiteren Maßnahmen zur Unterstützung der Banken

Die britischen Maßnahmen sollten ein Vorbild für andere Länder sein und auf dem G-20-Gipfel im April in London diskutiert werden, sagte Premierminister Gordon Brown.

In Deutschland erwägt die Bundesregierung nach eigenen Angaben derzeit keine weiteren Hilfen für die Finanzbranche. Insbesondere eine "Bad Bank" halte die Regierung für ungeeignet, um die Probleme zu lösen, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Außerdem würde ein solcher Schritt weitere Milliarden kosten.

Aus der Branche war indes zu hören, dass die britischen Maßnahmen für Deutschland durchaus als Vorbild dienen könnten. Medienberichten zufolge schlummern noch mindestens 300 Milliarden Euro an faulen Wertpapieren in den Büchern deutscher Banken. Demnach drohten weitere hohe Verluste. (as)

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