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Kultur

Zweiter Toter von Köln identifiziert

Traurige Gewissheit: Der unter den Trümmern des eingestürzten Stadtarchivs gefundene Tote ist der vermisste Student. Die weitere Suche wurde eingestellt.

Feuerwehrmänner bergen einen zweiten Toten (Foto: AP)

Feuerwehrmänner bergen einen zweiten Toten in Köln

Bei den aus den Trümmern des Kölner Stadtarchivs geborgenen Toten handelt es sich um den vermissten 24-jährigen Studenten Khalil G., teilte die Kölner Polizei am Freitag (13.03.2009) mit. Khalils Vater habe ihn eindeutig identifiziert. Er sei beim Einsturz des Hauses sofort getötet worden. Der Tote soll noch am Freitag nach Marokko überführt werden.

In der Nähe des Fundortes der zweiten Leiche hatten die Helfer bereits am Sonntag den 17-jährigen Bäckerlehrling Kevin K. tot aus den Trümmern geborgen.

Leichenspürhunde halfen bei der Suche

Feuerwehrleute und Bagger an der Einsturzstelle des Stadtarchivs (Foto: AP)

Schwierige Suche nach den Vermissten im Schutt

Die Leiche des Studenten wurde am Donnerstagabend etwa 9,50 Meter unter dem Straßenniveau in der Kölner Südstadt gefunden. "Leichenspürhunde hatten um 18.05 Uhr auf dem Grundstück des ehemaligen Hauses an der Severinstraße 230 angeschlagen", teilten Staatsanwalt und Polizei in einer gemeinsamen Erklärung mit. Dort hatten Khalil G. und der 17-jährige Lehrling im Dachgeschoss gewohnt. Beim Einsturz am Dienstag vor einer Woche hatte das Kölner Stadtarchiv dieses Nachbargebäude mit in die Tiefe gerissen.

Die Bergung des Toten dauerte mehrere Stunden, weil die Einsatzkräfte teilweise mit bloßen Händen arbeiten mussten. Nachrutschender Schutt und Geröll hätten die Bergung immer wieder verzögert, so die Polizei. Bisher haben die Hilfskräfte 3055 Tonnen Schutt von der Unglücksstelle abgetragen.

Oberbürgermeiste Fritz Schramma (Foto: DW)

Dank an die Einsatzkräfte: Oberbürgermeister Fritz Schramma

Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma dankte den Rettungskräften und der Polizei für ihre Arbeit. "Die Einsatzkräfte haben in den vergangenen Tagen alles Menschenmögliche getan, um so schnell wie möglich den zweiten Vermissten zu finden", sagte Schramma.

Verkehrsbetriebe in der Defensive

Es wird vermutet, dass der Einsturz der Gebäude durch Bauarbeiten an der unmittelbar benachbarten U-Bahn-Strecke ausgelöst wurde. Der Vorstandssprecher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), Jürgen Fenske, sagte bei einer Sondersitzung des Stadtrats, es sei noch keineswegs sicher, wer an dem Unglück schuld sei. Er bestritt, dass den KVB seit längerem Grundwasser-Probleme in der Baugrube neben dem Archiv bekannt gewesen seien. Unterdessen setzte die Feuerwehr ihre Arbeiten an einem Schutzdach über der Einsturzstelle fort. Mit dem provisorischen Dach sollen die wertvollen Dokumente und Objekte geschützt werden, die noch in den Schuttmengen des Einsturzkegels liegen.

Große Schäden beim Archivgut

Das Historische Stadtarchiv Kölns gilt als das größte und älteste kommunale Archiv in Deutschland und eines der wichtigsten Archive nördlich der Alpen. Dort lagerten unter anderem die Nachlässe bedeutender Persönlichkeiten wie des Komponisten Jacques Offenbach und des Literatur-Nobelpreisträgers Heinrich Böll. Experten schätzen, dass bei dem Unglück Archivalien im Wert von mehreren Millionen Euro zerstört oder beschädigt wurden. Eberhard Illner, ein langjähriger Abteilungsleiter im Archiv, sagte, der Schaden sei größer als beim Brand in der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar im Jahr 2004. Köln war im Mittelalter die größte Stadt Deutschlands. In dem eingestürzten Hauptgebäude befanden sich laut Illner die Hauptbestände des Archivs, darunter auch die seit 1000 Jahren gelagerte komplette Überlieferung der Stadt Köln. "Wir reden hier von ungefähr 18 Regalkilometern wertvollsten Archivguts, und zwar europäischen Ranges." (sam)

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