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Politik

Zweiter Terrorprozess hat begonnen

Am Donnerstag (14.8.) beginnt der zweite große Prozess gegen ein mutmaßliches El-Kaida-Mitglied in Hamburg. Abdelghani Mzoudi muss sich wegen der Mitwirkung an den Anschlägen vom 11. September 2001 verantworten.

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Beim Verhandlungsauftakt: Abdelghani Mzoudi

Die Anklage am Hanseatischen Oberlandesgericht wirft dem 30-jährigen Marokkaner Abdelghani Mzoudi Beihilfe zum Mord in über 3000 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Laut Angaben des US-Geheimdienstes soll Mzoudi gemeinsam mit Mohammed Atta und Marwan al-Shehhi eine Hamburger Wohnung bewohnt haben. Atta und al-Shehhi gelten als die Todespiloten, die mit entführten Passagierflugzeugen am 11. September 2001 in das New Yorker World Trade Center rasten - dabei starben mehrere Tausend Menschen.

Anklage: "Mzoudi war eingebunden"

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Mzoudi, einen ehemaligen Studenten der Technischen Universität Hamburg, als Freund Attas dessen Testament unterschrieben zu haben. Ausserdem soll er sich mit anderen Terrorverdächtigen in Ausbildungslagern der Terrororganisation El Kaida aufgehalten haben. Dabei habe man dort unter anderem die Einzelheiten der Anschläge vom 11. September innerhalb des Terrornetzwerks um Osama Bin Laden und deren logistische Unterstützung geplant. Der Marokkaner ist nach Überzeugung der Anklage als Mitglied der "Hamburger Terrorzelle" bis zuletzt in die Attentatsvorbereitungen eingebunden gewesen.

Im weltweit ersten Prozess um die Anschläge des 11. September im Februar 2003 hatte das Oberlandesgericht den Marokkaner Mounir El Motassadeq als Terrorhelfer zur Höchststrafe von 15 Jahren verurteilt. Die Anklage hatte ihm die gleichen Straftaten vorgeworfen wie jetzt Mzoudi, dessen Prozess am Donnerstag (14. August 2003) beginnt. Mottassadeq belastete während seiner Vernehmung seinen Landsmann. Er behauptete, Mzoudi in einem afghanischen Trainingscamp der El Kaida gesehen zu haben.

Verteidigung: "Kulturelles Missverständnis"

Die Verteidigung versucht dagegen von Mzoudi das Bild einer harmlosen Randfigur im El-Kaida-Netzwerk zu zeichnen. Der Marokkaner sei keinesfalls in die zentralen Planungs- und Organisationsaktivitäten zum Anschlag vom 11. September einbezogen gewesen. Seine Mitwirkung, so seine Anwälte, hätten einen kulturellen Grund gehabt. Der Moslem habe lediglich seine Glaubensbrüder finanziell unterstützen wollen, als man ihn darum gebeten habe. Gewusst habe er aber nicht, wofür das Geld gebraucht werde. Im arabischen Kulturkreis sei es selbstverständlich zu helfen, ohne nach dem Warum zu fragen. Die Verteidiger sprechen von einem kulturellen Missverständnis, das der "Westen" wohl nicht verstehen könne. Der Vorwurf der Unterstützung einer Terrorgruppe sei deshalb schlichtweg falsch.

Mzoudi war im Oktober 2002 festgenommen wurden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Im Prozess will er zu den Vorwürfen schweigen, erklärte seine Verteidigung. Mit 124 noch zu vernehmenden Zeugen, glauben Beobachter, wird sich der Prozess vermutlich bis 2004 hinziehen.

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