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IS-Video: Zwei Franzosen identifiziert

19. November 2014

Für die französischen Behörden ist nun klar, dass auf dem jüngsten IS-Enthauptungsvideo gleich zwei Terroristen aus Frankreich zu sehen sind. Unklar ist dagegen, ob ein Anschlag in Erbil auf das Konto der Miliz geht.

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Der aus Frankreich stammende IS-Terrorist Maxime H. (Foto:picture alliance/abaca)
Wurde bereits vor Tagen identifiziert: der aus Frankreich stammende IS-Terrorist Maxime H.Bild: picture alliance/abaca

Die französischen Behörden haben in dem jüngsten Enthauptungsvideo der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) einen zweiten Franzosen identifiziert. Es handle sich um einen 22-jährigen Konvertiten aus dem Großraum Paris, der den Kampfnamen Abou Othman trage, verlautete aus der Staatsanwaltschaft. Geboren wurde er demnach in der Gemeinde Champigny-sur-Marne östlich von Paris. Sein Name tauchte im Herbst 2013 in Verbindung mit Ermittlungen zu einem dschihadistischen Netzwerk in Frankreich auf. Kurz zuvor war er nach Syrien gereist.

375 französische Dschihadisten

Der IS hatte in dem am Sonntag veröffentlichten Video die Ermordung der US-Geisel Peter Kassig verkündet. Außerdem zeigten die Aufnahmen die Tötung von syrischen Soldaten. Bereits am Montag bestätigte der Pariser Staatsanwalt François Molins, dass auf dem Video der französische Dschihadist Maxime H. zu sehen ist, der aus der nordfranzösischen Normandie stammt und im August 2013 nach Syrien gereist war. Molins sagte dabei auch, auf dem Video sei womöglich ein weiterer französischer Konvertit zu erkennen. Dies wurde nun von der Staatsanwaltschaft bestätigt.

Aus Frankreich kommen die meisten europäischen IS-Kämpfer in Syrien und im Irak. Derzeit sollen sich rund 375 französische Dschihadisten in beiden Ländern aufhalten. Insgesamt sollen sich rund 3000 Europäer der islamistischen Miliz angeschlossen haben. Viele der ausländischen Kämpfer gelten als besonders brutal.

Unterdessen wird aus dem Irak ein neuer Selbstmordanschlag gemeldet. Der Attentäter riss im Zentrum der Kurden-Hauptstadt Erbil mindestens vier Menschen mit in den Tod. Der Mann habe versucht, mit seinem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug auf das Gelände des Regierungssitzes zu gelangen, teilte Bürgermeister Nihad Latif Koja mit. An der Einfahrt des von hohen Schutzmauern umgebenen Grundstücks habe er den Sprengstoff gezündet. Ein Augenzeuge berichtete, zwei Polizisten und zwei Zivilisten seien getötet worden. Mehrere Fahrzeuge brannten aus.

Ausgebrannte Autos nach dem Anschlag am19.11.2014 in Erbil (Foto: AFP/Getty Images)
Geht der Anschlag in Erbil auf das Konto des "Islamischen Staates"?Bild: AFP/Getty Images

IS hat mit Gewalt in Kurdistan gedroht

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Der IS hat aber mit Anschlägen auch in der autonomen Region Kurdistan gedroht. Das Gebiet ist bislang von der IS-Gewalt weitgehend verschont geblieben. Der letzte große Anschlag in Erbil wurde vor über einem Jahr verübt. Die irakischen Kurden unterstützen mit ihren Peschmerga-Kämpfern die syrischen Kurden bei der Verteidigung der Grenzstadt Kobane. Dort wurde der IS in den vergangenen Tagen nach Angaben einer Beobachtergruppe aus wichtigen Stellung zurückgedrängt.

Der Präsident der irakischen Kurden forderte vom Westen mehr und schwerere Waffen für den Kampf gegen die Extremistenmiliz. Die bisherige Unterstützung reiche nicht aus, um den IS entscheidend treffen zu können, sagte Massud Barsani dem französischen Sender France 24. Die Peschmerga benötigten gepanzerte Fahrzeuge, Hubschrauber und Artillerie. Frankreich, Großbritannien und Deutschland haben den Kurden Waffen geliefert, allerdings bisher nicht die von Barsani angemahnten schweren Waffensysteme. Der IS kontrolliert weite Gebiete des Irak und im benachbarten Syrien.

Frankreich setzt mehr Kampfjets ein

Frankreich ist derweil bereit, mehr Militär im Kampf gegen die Terrormiliz zu mobilisieren. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian schickt dafür sechs in Jordanien stationierte Mirage-Kampfflugzeuge in den Einsatz, wie er in der Nationalversammlung mitteilte. Frankreich setzt in der US-geführten Koalition gegen die Kämpfer des Islamischen Staats (IS) im Irak bisher Rafale-Jets ein. Von diesen Kampfflugzeugen sind neun auf dem Militärstützpunkt Al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten stationiert. Von dort haben die Jets gegenüber Jordanien eine mehr als doppelt so weite Strecke bis zu den Einsatzorten im Nordirak.

sti/cr (afp, rtr)