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Islamismus

Zweite Phase im Kampf um Mossul beginnt

Die Regierung verbreitet Zuversicht. Doch westliche Experten befürchten in der zweitgrößten Stadt des Iraks einen elenden Stellungskrieg. Die IS-Terrormiliz kämpft dort um ihre letzte Bastion.

Irak Mossul Hashid Shaabi Mobilisationsarmee PMF (Reuters)

Feuern gegen Fanatiker: Die PMF - hier in Mossul - sind eine Dachorganisation der schiitischen Anti-IS-Milizen

Die irakische Armee hat einen neuen Versuch zur Eroberung der IS-Hochburg Mossul gestartet. Die Truppen seien in einige östliche Bezirke der Millionenstadt vorgedrungen, hieß es im irakischen Staatsfernsehen. Die von westlichen und arabischen Verbündeten unterstützte Offensive war vor etwa einem Monat ins Stocken geraten.

"Das ist die zweite Phase zur Befreiung Mossuls", sagte General Nejm Dschaburi der Nachrichtenagentur Reuters. "Ausgeführt wird sie von Spezialkräften, Polizeieinheiten und von uns." Die zweitgrößte Stadt des Landes nach der Hauptstadt Bagdad ist die letzte Bastion der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Irak.

Bomben und Berater

Insgesamt sind an der Schlacht um Mossul 100.000 Mann der irakischen Armee, kurdische Verbände und schiitische Milizen beteiligt, die wiederum von US-Militärs beraten werden. Von westlichen und arabischen Verbündeten erhalten sie Unterstützung aus der Luft - durch gezielte Bombardements.

Irak Mossul Militär (Getty Images/A.Al-Rubaye)

"Der Feind ist isoliert": Patrouille der Anti-IS-Koalition in Mossul

Erst am Mittwoch legte ein Angriff die letzte Brücke, die in Mossul beide Ufer des Tigris verband, in Trümmer. Dies soll es dem IS erschweren, seine Kämpfer auf der östlichen Seite des Flusses zu versorgen. "Der Feind ist dort isoliert", sagte Militärsprecher Jahia Rassol im Staatsfernsehen. "In den nächsten Tagen werden wir das gesamte Ostufer befreien. Danach werden wir das andere Ufer attackieren."

"500 Meter in fünf Minuten"

Seit Beginn des Angriffs vor etwa neun Wochen hat die Regierung den Dschihadisten Teile der Stadt wieder abgenommen. "Unsere Truppen rücken nun vor", sagte ein Offizier. "In den ersten fünf oder zehn Minuten haben sie 500 Meter gutgemacht."

Irak Weihnachtsmesse in befreitem Teil von Mosul (Getty Images/C. McGrath)

Messe unter Polizeischutz: Christen feiern Weihnachten im befreiten Teil Mossuls (Archivbild)

Auch der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi versucht Zuversicht zu verbreiten: Die Extremistenmiliz IS werde in drei Monaten besiegt sein, verkündete er im Fernsehen. Alle optimistischen Aussagen können indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ursachen für das Erstarken des IS im Land noch längst nicht beseitigt sind. Die langjährige Diskriminierung der Sunniten, auch durch den früheren Premier Nuri al-Maliki, trieb die Angehörigen dieser islamischen Glaubensrichtung in die Arme der sunnitischen IS-Miliz. Berichte über Gräueltaten der Schiitenmilizen, die im November offiziell als Sicherheitskräfte anerkannt wurden, tun ein Übriges.

IS: Wie Phönix aus der Asche?

Westliche Experten glauben denn auch nicht, dass der "Islamische Staat" gänzlich verschwinden wird. "Mit Stumpf und Stiel lässt sich der IS nicht ausreißen, glaubt etwa der Islamwissenschaftler Wilfried Buchta. Mit Blick auf die Kämpfe in Mossul erwarte er einen längeren Stellungskrieg, sagte der frühere Analyst der UN-Mission im Irak dem "Kölner Stadtanzeiger". Falls die Anti-IS-Koalition siege, sei es nicht unwahrscheinlich, dass der IS später "wie Phönix aus der Asche" wieder auftauche.

jj/sti (dpa, afp)

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