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Nahost

"Zweite Kriegsphase erreicht"

Alliierte Verbände sind am Dienstag (01.04.2003) weiter auf die irakische Hauptstadt Bagdad vorgerückt. Wachsende Kritik wegen des Todes zahlreicher Zivilisten. Saddam Hussein fordert zum "Heiligen Krieg" auf.

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Dunkler Himmel über Bagdad

US-Truppen sind am Dienstag nach Medienberichten bis auf 80 Kilometer an Bagdad herangerückt. "Die Schlacht um Bagdad hat begonnen", meldete ein BBC-Korrespondent, der die Verbände begleitet, unter Berufung auf US-Offiziere. Auch Journalisten im US-Befehlszentrum in Doha sprachen von der "Eröffnungsphase der Landoffensive" zur Eroberung der irakischen Hauptstadt. Es sei zu heftigen Kämpfen zwischen amerikanischen und irakischen Truppen gekommen. Nach Einschätzung des britischen Premierministers Tony Blair hat der Irak-Krieg jetzt die "zweite Phase" erreicht. Es gehe "stetig voran". Die alliierten Soldaten würden zunehmend "herzlich" empfangen, erklärte ein Sprecher Blairs.

Die US-Truppen in Irak sehen sich wegen des Todes zahlreicher Zivilisten wachsender Kritik ausgesetzt. Mindestens sieben Frauen und Kinder starben in ihrem Auto, nachdem US-Soldaten an einem Kontrollpunkt nahe der südirakischen Stadt Nadschaf das Feuer eröffnet hatten. Der Kleinbus mit insgesamt 13 Frauen und Kindern habe trotz Warnschüssen nicht gestoppt, sagte ein Armeesprecher. Das US-Oberkommando drückte am Dienstag (01.04.) sein Bedauern über den Tod von Zivilisten aus und versprach eine Untersuchung.

"Brutale Straßenkämpfe" im Raum Basra

Im Südirak erzielten die britischen Streitkräfte im Raum Basra nach Angaben der BBC ihre "bisher größten Erfolge". Die rund 200.000 Einwohner zählende Stadt Zubair ,15 Kilometer südwestlich von Basra, sei nach "heftigen Gefechten" jetzt unter britischer Kontrolle. Ein britischer Militärsprecher sprach von "brutalen Straßenkämpfen".

In der tagelang umkämpften Stadt Nassirija im südlichen Euphrattal haben die Amerikaner laut CNN inzwischen größere Teile der Stadt unter ihrer Kontrolle. Es gebe nur noch wenige Widerstandsnester. Eine zweite Front im Nordirak wird nach Darstellung eines kurdischen Sprechers schon bald einsatzbereit sein. Kurdische Truppen rückten dort weiter in Gebiete vor, die von der irakischen Armee aufgegeben wurden. Die Iraker zögen sich weiter in Richtung der "Ölstadt" Kirkuk zurück.

Weiterhin massive Bombardements

Die alliierten Streitkräfte setzten ihre Offensive auch mit neuen Bombardements auf Bagdad fort. Journalisten berichteten von heftigen Explosionen am Südrand der Hauptstadt. In den vergangenen drei Tagen warfen die US-geführten Streitkräfte insgesamt 3000 Bomben auf Ziele im Irak ab. Der Irak feuerte nach kuwaitischen Angaben mehrere Raketen auf Kuwait und alliierte Stellungen, die aber von "Patriot"-Abwehrraketen abgefangen worden seien oder ihr Ziel verfehlt hätten.

"Heiliger Krieg ist Pflicht"

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat die US-geführten Luftangriffe südlich der irakischen Hauptstadt Bagdad als "Horror" bezeichnet. Die jüngsten Bombardements hätten Dutzende von "zerschmetterten Körpern" hinterlassen, sagte IKRK-Sprecher Roland Huguen-Benjamin. Ein vierköpfiges IKRK-Team habe dies bei einem Besuch im Krankenhaus der Stadt Hilla rund 80 Kilometer südlich von Bagdad beobachtet.

Der irakische Präsident Saddam Hussein hat am Dienstag den Heiligen Krieg (Dschihad) als religiöse Pflicht für die Iraker bezeichnet. Die Iraker sollten die Feinde überall bekämpfen, hieß es in einer im irakischen Staatsfernsehen verlesenen Erklärung. "Der Dschihad ist eine Pflicht. Wer stirbt, wird vom Himmel belohnt werden", hieß es in Saddams Erklärung.

Hinweis: Angaben zu Truppenbewegungen, Opfern und Schäden basieren zumeist auf Informationen der Kriegsparteien und können in der Regel nicht unabhängig überprüft werden.