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Bildung

Zweisprachig lernen für die Zukunft

Bundesweit gibt es über 150 bilinguale Grundschulen. Dabei werden nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund in ihrer Muttersprache unterrichtet. Auch deutsche Schüler profitieren von dem bilingualen Sprachangebot.

Bilingualer Unterricht in der Grundschule an der Hügelstraße in Tübingen (Foto: dpa)

Bilinguale Grundschulen sind bundesweit auf dem Vormarsch

"Una gotita desde el cielo ha bajado hasta el suelo", so tönt es aus dem Klassenraum der Klasse 1b. Erstklässler üben dort gerade ein spanisches Lied. Lehrkraft Sandra Nieto de Diego lobt die Kinder immer wieder, denn schließlich sollen alle Spaß am bilingualen Unterricht haben, und das geht am besten mit Musik. "Da helfen die spanischsprachigen Kindern dann den deutschsprachigen Kindern, die Texte zu verstehen." Denn die meisten Kinder, die diese Klasse einer spanisch-deutschen bilingualen Grundschule in Köln besuchen, haben wenigstens ein Elternteil aus einem spanisch sprechenden Land.

Die eigene Sprache nicht nur zu Hause sprechen

Lehrkraft Sandra Nieto de Diego beim Spanischunterricht mit Zweitklässler (Foto: DW/Antje Hollunder)

Viel Lob von Sandra Nieto de Diego beim Spanischunterricht

Seit einem Jahr ist die Katholische Grundschule Trierer Straße im Kölner Süden eine deutsch-spanische bilinguale Grundschule. "Die Grundidee ist, dass Kinder mit der Sprache, mit der sie groß werden, in der Schule willkommen sind", erläutert Rektorin Margit Faix. Früher sei die Herkunftssprache von Kindern mit Migrationshintergrund eher ein Hindernis für die Integration gewesen, erklärt die Rektorin, tatsächlich aber erweitere sie den Blick auf die Welt und sei auf jeden Fall eine Bereicherung. Die Schulleiterin selbst hat einen spanischen Migrationshintergrund und weiß aus eigener Erfahrung, wie arbeitsaufwändig es sein kann, sich gleichzeitig integrieren zu wollen und die Muttersprache der Eltern beizubehalten.

Bilingualer Unterricht mit Tradition

Margit Faix, Schulleiterin und Koordinatorin des Projektes 'Bilinguale Grundschule Spanisch/Deutsch' der KGS Trierer Str. in Köln (Foto: DW/Antje Hollunder)

Schulleiterin Margit Faix will ihre Schüler besser integrieren

Seit den frühen 1970er Jahren gibt es bilingualen Unterricht in Deutschland. Nach dem Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über die deutsch-französische Zusammenarbeit vom 22. Januar 1963 entstanden zunächst an einigen Gymnasien deutsch-französische Bildungsangebote. Inzwischen gibt es bundesweit über 600 Schulen, in denen die Zweisprachigkeit gefördert wird. Rund 150 davon sind Grundschulen, und es werden immer mehr. Allein im Bundesland Rheinland Pfalz wurden zum neuen Schuljahr 13 weitere Grundschulen so eingerichtet, dass sie bilingualen Unterricht anbieten können.

Stärkung der Identität

Ein einheitliches Lehrkonzept für bilingualen Unterricht gibt es nicht. An der Grundschule von Margit Faix in Köln haben die Kinder jeden Tag eine Stunde Spanischunterricht. Sachunterricht und Kunst wird von zwei Lehrerinnen gleichzeitig vermittelt. Während die eine das Thema und die Aufgaben den Schülern auf Deutsch erläutert, macht die andere das gleiche auf Spanisch. Das deutsch-spanisch bilinguale Unterrichtsangebot erspart den Kindern zusätzlichen Nachmittagsunterricht in ihrer Herkunftssprache. Viele Eltern nehmen das dankbar an. "Es ist wichtig für das Selbstbewusstsein, weil es Teil ihrer Identität ist, die nicht verkümmern soll", sagt Martina Schmidt, Mutter der siebenjährigen Sol. Deren Vater kommt aus Chile und spricht mit der Tochter zu Hause spanisch. Martina Schmidt möchte aber, dass es für das Mädchen auch ganz normal ist, außerhalb ihres Zuhauses beide Sprachen zu hören, zu sprechen und darüber hinaus spanisch schreiben und lesen zu lernen.

Bilingualität als Investition in die Zukunft

I-Dötzchen der deutsch-spanisch bilingualen Klasse der Katholischen Grundschule Trierer Str. in Köln (Foto: DW/Antje Hollunder)

Der 1. Schultag gleich bilingual

Bilinguale Grundschulklassen besuchen jedoch nicht nur Kinder, bei denen die gewählte Zweitsprache zur Familie gehört. Viele deutsche Eltern greifen auf das bilinguale Unterrichtsangebot zurück, weil sie es für eine gute Investition in die Zukunft ihrer Kinder halten. Gerade Fremdsprachen, die nicht Englisch und Französisch sind, werden im späteren Beruf oft nachgefragt. Dabei lernen die deutschsprachigen Kinder viel von denen, die bereits zweisprachig aufgewachsen sind; und das nicht nur beim gemeinsamen Musizieren.

Voneinander-Miteinander-Lernen

Das Konzept, voneinander und miteinander zu lernen, vermittelt den Kindern mehr Sprachwissen, als es das durchschnittliche Elternhaus zu leisten vermag. Deshalb werden in Deutschland bilinguale Grundschulen zunehmend populärer, was von staatlicher Seite auch immer stärker unterstützt wird. Fachberaterin für Migration von der Bezirksregierung Köln ist Rosella Benati. Sie hat bereits einige bilinguale Grundschulen auf den Weg gebracht: "Die erste in Köln, das war die deutsch-italienische. Danach sind Schulen in anderen Sprachen dazu gekommen." So wurde 2009 eine deutsch-türkische und 2010 eine deutsch-englische Grundschulklasse eingerichtet. Die deutsch-französische Grundschulkasse, die in Köln schon vor vielen Jahren gegründet wurde, hat ihr Konzept mittlerweile an die aktuellen Lehrmethoden angepasst. "Auch dort nutzt man jetzt mehr die Ressource der Kinder, die sie mitbringen, also dieses Voneinander-Miteinander-Lernen", sagt Rosella Benati. Nun sucht die Fachberaterin in Köln nach weiterführenden Schulen, in denen die bilingualen Kinder nach der Grundschule nahtlos weiterhin zweisprachig unterrichtet werden.

Autorin: Antje Hollunder
Redaktion: Gaby Reucher

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