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Europa

Zweirad-Pioniere im Bukarester Verkehr

Es begann mit Mountainbiking-Touren in den Karpaten – jetzt aber trauen sich die rumänischen Radler auch schon in die Innenstädte. In Bukarest hat nun sogar ein Fahrradverleih eröffnet.

Radler am Wochenende bei wenig Verkehr an der Piata Victoriei

Radler am Wochenende bei wenig Verkehr an der Piata Victoriei

"Ich bin kein fanatischer Radfahrer", erzählt Adrian Calas. Er sei vielmehr auf der Suche nach einer Transportlösung gewesen. "In diesem blockierten Bukarest ging es nicht mehr weiter: nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln, nicht mit dem Auto." Jetzt fahre er täglich Rad, außer an Regentagen. Er denke aber, dass Radfahren in Bukarest "Extremsport" sei.

Keine fahrradfreundliches Straßennetz

Der erste Radverleih in Bukarest für Tourenräder, am Bulevard Kogalniceanu neben der Rechtsfakultät

Der erste Radverleih in Bukarest für Tourenräder, am Bulevard Kogalniceanu neben der Rechtsfakultät

Adrian Calas ist Mitte 20 und hat schon viele brenzlige Situationen auf dem Rad erlebt. Immer noch haben die Radfahrer in Rumänien Exotenstatus, aber ihre Zahl steigt spürbar. Miruna Kugler vom Verein "Mai Mult Verde" beobachtet die Szene - vom Fahrrad aus versteht sich. "Ich kann als jemand, der viel fährt, sagen, dass sich die Zahl der Radfahrer seit 2006 verdreifacht hat", sagt sie. Es gäbe keine Statistiken, denn die Polizei registriere keine Fahrräder. Am Wochenende stiegen einige tausend Leute auf das Rad. Auch gäbe es ein paar Kinder und Erwachsene im Tandem, aber leider müsse sie zugeben, dass das eher Ausländer als Rumänen seien.

Das Radeln ist in den Bergen schon ungestörter möglich als in den notorisch verstopften Straßen von Bukarest, durch die sich täglich 1,5 Millionen Autos quälen. "Die Verkehrspolizei ist total überfordert, denn das Straßennetz ist für maximal 500.000 Autos ausgelegt", meint Miruna Kugler. Sie habe beobachtet, dass nach wie vor die Mehrheit der Leute alleine im Auto sitze. Wahrscheinlich sei das die Reaktion auf eine Zeit, als die Leute lange auf ein Auto warten mussten, vermutet sie.

Angebote für Fahrradfahrer wachsen

Geo Culda, Gründer der rumänischen NGO Bate Saua aus Bukarest vor dem Start zum Protestradeln

Geo Culda, Gründer der rumänischen NGO "Bate Saua" aus Bukarest vor dem Start zum Protestradeln

Bislang steigen nur wenige vom Auto aufs Rad um. Trotzdem kann man auf websites wie batesaua.ro oder hartavelo.ro viele nützliche Informationen über das Thema Radfahren in Bukarest finden. Die Szene ist klein, aber vernetzt. Und seit gut einem Jahr gibt es einen rumänischen Radfahrer Verband.

Wer sich heute in Bukarest ein normales Tourenrad ausleihen will, wird seit kurzem in der Cicloteque an der Rechtsfakultät fündig. Miruna Kugler erzählt stolz, dass es bisher 800 Nutzer gäbe. Allerdings halte viele Leute die Angst vor der Unsicherheit auf den Straßen und die Luftverschmutzung davon ab, aufs Rad zu steigen. "Darum kaufen sie auch keines", vermutet sie.

Der Cicloteque genannte Radverleih ist ein Partnerprojekt mit der Universität Bukarest, gesponsort wurden die Räder von einer großen rumänischen Bank. Mit dem Verleihangebot sei man bewusst zu den Studenten gegangen, denn sie seien die Zielgruppe, die am ehesten Rad fährt, so der Student Adrian Calas. 100 Fahrräder habe man momentan im Fahrradverleih, aber das solle ausgebaut werden.

Langsamer Aufwind für Radfahrer

Weitere Stationen sollen in diesem Jahr entstehen, aber eine kleine NGO wie "Mai Mult Verde" könne alleine kein dichtes Netz an Radausleihstationen anlegen, meint Radaktivist Geo Culda. Die Gründung des ersten Verleihs sei ein notwendiger Schritt gewesen, ein einziger Fahrradverleih in einer Stadt reiche jedoch nicht aus. Aber: "Uns gefällt, dass das Fahrrad langsam ins Bewusstsein der Leute kommt", sagt er.

In der Cicloteque neben der Rechtsfakultät arbeiten vor allem junge Leute, die selbst oft Rad fahren und die das Radfahren in Bukarest, trotz aller Probleme, nicht mehr missen wollen.

Autorin: Grit Friedrich
Redaktion: Mareike Röwekamp

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