1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Musik

Zweimal Georg, zweimal Händel

Unter dem Motto "Georg & Georg" starten die Händel-Festspiele in Halle. Mit den Händel-Festspielen in Göttingen sind sie der Auftakt zu einer "Händel-Jahreszeit" in Deutschland. Beide kündigen besondere Programme an.

Vor 300 Jahren wurde Georg von Hannover in London als George I. zum König von England gekrönt. Diese für die europäische Geschichte wichtige "Personalunion" beflügelte auch den kulturellen Austausch zwischen Großbritannien und dem Festland. Einer der Künstler, der in diesem Umfeld wirkte und Werke von Weltruhm schuf, war ein ebenfalls aus Deutschland gebürtiger Georg: der Komponist Georg Friedrich Händel. Grund genug, das Krönungs-Jubiläum musikalisch zu feiern, und gleich im Doppelpack: "Georg und Georg" feiert Händels Geburtsstadt Halle, "Herrschaftszeiten" titelt die Festivalstadt Göttingen.

Beide Festivals bieten bis zum 15. Juni ein umfangreiches Programm mit Opern- und Konzertaufführungen, Populärem und Unbekanntem. Zu hören sind nicht nur Werke von Händel und anderen Barockmeistern, sondern auch Kinder- und Familienprogramme, Hip Hop und wissenschaftliche Symposien. Das Highlight: Ein dreiteiliger "Krönungszyklus" mit Kompositionen für die britischen Monarchen aus dem Hause Hannover. Bei diesem Projekt musizieren Ensembles aus Göttingen und Halle gemeinsam.

Aus Konkurrenten wurden Partnern

Tobias Wolff, Intendant der Göttinger Händelfestspiele

Nennt Göttingen das "Bayreuth der Barockmusik": Tobias Wolff

Die Kooperation zwischen den Festival-Städten ist durchaus keine Selbstverständlichkeit, waren die Festivals in Halle und Göttingen doch jahrzehntelang Konkurrenten im geteilten Deutschland. Jede Stadt hatte versucht, Händel und sein musikalisches Erbe für sich zu vereinnahmen und das erfolgreichere Fest zu sein. Heute stimmen sich die Intendanten und Festival-Macher konzeptionell ab und nutzen Synergie-Effekte. Davon profitieren alle, so der Göttinger Intendant Tobias Wolff und Clemens Birnbaum, Intendant der Händel-Festspiele Halle. "Wir haben unterschiedliche Profile," sagte Wolff der Deutschen Welle. "Halle hat das originale Umfeld, Göttingen ist eine kleine Stadt und das Festival erfüllt diese Stadt. Göttingen wird manchmal das Bayreuth der Barockmusik genannt."

Beide Festivals bleiben ihrem in Jahrzehnten gewachsenen Profil treu. In Göttingen, so Intendant Wolff, sei das Festival 1920 aus bürgerschaftlichem Engagement entstanden. Händel-Opern - damals völlig unbekannt - schmückten das Programm. Bis zum 100. Jubiläum 2020 will man in Göttingen alle 42 Opern des Komponisten aufgeführt haben, in diesem Jahr gibt es die "Faramondo" als Göttinger Erstaufführung. Die Produktion soll als kritischer Beitrag zum Thema Krieg und Nationalstaatlichkeit verstanden werden.

Internationale Händel-Festspiele Göttingen

Die Göttinger Händelfestspiele machten die Opern des Meisters bekannt

In Halle dagegen gibt es unter den 47 Veranstaltungen gleich fünf Opernaufführungen. Vier Händel-Opern werden szenisch, eine konzertant aufgeführt. "Viele Orte, die Händel besucht und erlebt hatte, existieren noch," so Festspielintendant Birnbaum: "Zum einen das Geburtshaus Händels, die heute ein Museum ist und die Händel-Stiftung beherbergt; die Kirche, wo Händel getauft wurde, der Dom, wo er als Organist angestellt war. Man kann dort weit mehr als nur Konzertveranstaltungen erleben."

Um die Musik geht es doch

Händels eingängige Melodien und festlichen Arrangements machen viele seiner Kompositionen bis heute zu den beliebtesten Werken im Klassikbetrieb: Wasser- und Feuerwerksmusik gehören dazu ebenso wie "Der Messias" mit dem berühmten "Halleluja"-Chor. Sein umfangreiches Werk ist auch nach 300 Jahren nicht verstaubt. Tobias Wolff, Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen erklärt dies so: "Händel hat wirklich die Fähigkeit, die Menschen emotional zu berühren und er beschreibt eine große Idee mit einer oft ganz kleinen, aber essentiellen Melodie."

Clemens Birnbaum, Leiter der Händelfestspiele Halle

Weist auf den Genius loci hin: Clemens Birnbaum

Händel war ein europäischer Künstler, der deutsche Traditionen mit italienischen Einflüssen zu Neuem verband und damit zu Lebzeiten begeisterte und noch heute Besucherströme in Konzerte und Festivals zieht. Gleichwohl wurde gerade Händel, der alle nationalen Grenzen zu überwinden verstand, von der National-Politik im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in Deutschland und England vereinnahmt. Damals stritt man um den "englischen Handel" und den "deutschen Händel". Diesem Thema geht ein Symposium im Rahmen der Händel-Festspiele Göttingen nach.

Nimmersatte Händelfans

Heute herrscht in der Händel-Pflege längst ein enger Austausch und ein Miteinander zwischen all seinen Wirkungsstätten. Der künstlerische Leiter der Händel-Festspiele Göttingen ist Laurence Cummings, zugleich Leiter des Händel-Festivals in London. Und auch in der Händel-Stadt Halle ist der Brückenschlag nach England selbstverständlich. Festspiel-Intendant Clemens Birnbaum hebt neben den zahlreichen britischen Ensembles und Sängern, die auftreten, besonders die Zusammenarbeit auf wissenschaftlichem Gebiet hervor. Im Händel-Haus entsteht die Hallische Werkausgabe, an der neben deutschen bedeutenden Händelforscher aus Großbritannien und den USA mitwirkten.

Zehntausende Händel- und Barock-Enthusiasten strömen aus aller Welt im Mai und Juni nach Göttingen oder Halle - und nicht wenige besuchen beide Festivals. Sollten sie immer noch nicht gesättigt sein, können sie im November nach Karlsruhe zum dritten wichtigen Händelfestival Deutschlands pilgern.

Die Redaktion empfiehlt