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Politik

Zweifelhaftes Untersuchungsergebnis

Wer hat den chinesischen Regierungskritiker niedergeschlagen und schwer verletzt? Peking stellt jetzt klar: Es war ein Unfall. Der Mann soll sich selbst die schweren Lähmungen zugefügt haben.

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Fu Xiancai: Unfall statt Schlägertrupp?

"Es waren keinerlei Verletzungen festzustellen, die von einer dritten Person verursacht wurden." Das ist das Ergebnis der Untersuchung chinesischer Behörden, die zu dem Schluss kommen: Der gelähmte Regierungskritiker Fu Xiancai habe sich entgegen eigener Angaben seine Verletzungen selbst zugefügt.

Drei Schluchten Damm in China

Xiancais Verhängnis: Kritik am Drei-Schluchten-Staudamm-Projekt

Die Lähmung von den Schultern abwärts komme von einem Sturz, den Fu selbst herbeigeführt habe, zitierte eine New Yorker Menschenrechtsorganisation die rechtsmedizinische Untersuchung der chinesischen Polizei. Die Akte sei damit geschlossen. Der Regierungskritiker hatte angegeben, nach einem Interview mit dem ARD-Fernsehen zusammengeschlagen worden zu sein. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights in China (HRIC) äußerte Zweifel, dass die Untersuchung der chinesischen Behörden rechtmäßig abgelaufen sei und forderte eine unabhängige Prüfung.

Schlägertrupp nach Interview?

Im Mai hatte das ARD-Studio Peking für mehrere Nachrichtensendungen über den Abschluss der Bauarbeiten am Drei-Schluchten-Staudamm berichtet. Dort wurde unter anderem auch Fu aus der Provinz Hubei interviewt. Er hatte berichtet, er habe ebenso wie viele andere Anwohner aus der Jangtse-Uferregion nicht die versprochenen Kompensationszahlungen für die notwendige Umsiedlung erhalten.

Anfang Juni wurde das ARD-Studio in Peking telefonisch unterrichtet, dass Fu von Mitgliedern einer "Schlägerbrigade" überfallen und zusammengeschlagen worden war. Dabei trug er lebensgefährliche Verletzungen davon, unter anderem eine angebrochene Wirbelsäule. NDR-Intendant Jobst Plog schrieb anschließend dem chinesischen Botschafter in Berlin einen Brief, in dem er offiziell Protest einlegte. Auch die Bundesregierung hatte sich äußerst besorgt gezeigt.

Bundesregierung zweifelt

Fu Xiancai

Fu kritisiert im Interview mit der ARD unzureichende Entschädigungen

Auch nach dem jetzt veröffentlichten Untersuchungsbericht dringt die Bundesregierung weiter auf Aufklärung. Von chinesischer Seite habe sie bisher keine offizielle Mitteilung erhalten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes: "Die Aufklärung des Vorfalls ist der Bundesregierung weiter ein wichtiges Anliegen."

Als "völlig unglaubwürdig" bezeichnete in Peking der Korrespondent des ARD-Büros, Jochen Graebert, das Ermittlungsergebnis: "Offenbar wollen die örtlichen Behörden die Angelegenheit unter den Teppich kehren." Nun sei es Sache der Zentralregierung, dafür zu sorgen, dass der Fall ordentlich untersucht und aufgeklärt werde, fordert Graebert.

Lebenslänglich gelähmt

Auch die Familie des Bauern will juristisch gegen den Bericht der Polizei vorgehen, kündigte der Sohn des Verletzten, Fu Bing, an: "Das kann ich absolut nicht akzeptieren", sagte er. Durch die schweren Schläge seien seinem Vater mehrere Rückenwirbel gebrochen worden. Erst als von deutscher Seite das nötige Geld zur Verfügung gestellt wurde, konnte der Bauer operiert werden. Seine Ärzte zweifeln jedoch, dass er noch mal gehen können wird. (ina)

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  • Datum 28.07.2006
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