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Fußball

Zweifel an Platinis Entlastungsbeweis

Bereits vor 17 Jahren soll das Entscheidungsgremium des Europäischen Fußball-Verbandes von einem Honorar der FIFA an Michel Platini gewusst haben. Doch es gibt Zweifel an diesem für Platini entlastenden Dokument.

Das angeblich entlastende Dokument, das für den suspendierten UEFA-Präsidenten Michel Platini "alles" ändern soll, wirft immer mehr Fragen auf. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein solches Papier gegeben hat", sagte Gerhard Aigner (72), der ehemalige Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union (UEFA) am Montag. Von der dubiosen FIFA-Millionen-Zahlung an Platini habe er nichts gewusst. Dem 60-jährigen Franzosen droht wegen des ungeklärten Vorgangs eine lebenslange Sperre. "Platini war seinerzeit kein Mitglied des UEFA-Exkos. Weshalb hätte sich die UEFA für seine Privatsachen interessieren sollen?", fragte Aigner und verwies damit den Medienbericht, der Platini am Sonntag hatte aufatmen lassen, ins Reich der Fabeln.

UEFA Generalsekretär 2002 Gerhard Aigner

Archivbild: UEFA-Generalsekretär Aigner im Jahr 2002

Die französische Zeitung Journal du Dimanche hatte berichtet, dass das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) schon im November 1998 darüber informiert war, dass Michel Platini ein jährliches Honorar von einer Million Schweizer Franken vom Weltverband FIFA erhalten soll.

Der 60 Jahre alte einstige französische Weltstar, seit 2007 UEFA-Präsident, und der Schweizer FIFA-Boss Joseph S. Blatter waren von der Ethikkommission des Weltverbandes für 90 Tage wegen

Korruptionsverdachts

gesperrt worden. Beiden droht sogar eine lebenslange Sperre. Die Sanktionen und eine mögliche längerfristige Sperre für Platini haben die Chancen des UEFA-Chefs fast auf den Nullpunkt sinken lassen, am 26. Februar 2016 zum Nachfolger von Blatter gewählt zu werden.

Dokument vom 12.11.1998

Platini hatte insgesamt umgerechnet 1,8 Millionen Euro von Blatter für eine Beratertätigkeit erhalten. Blatter hatte die Rechtmäßigkeit der Ansprüche von "Platoche" bereits betont: "Es gibt einen Vertrag ... auch in den FIFA-Regularien steht, dass ein Vertrag schriftlich oder mündlich abgeschlossen werden kann. Es ist ein mündlicher Vertrag, ein Arbeitsvertrag." Das Geld wurde 2011 überwiesen - fast zehn Jahre nach Abschluss der angeblichen Beratertätigkeit von Platini.

Journal du Dimanche bezieht sich auf ein Dokument, das am 12. November 1998 bei einer Exko-Sitzung der UEFA in Stockholm vorlegt worden sei. Blatter war im Juni 1998 als Nachfolger von Joao Havelange (Brasilien) in Paris zum neuen FIFA-Boss gewählt worden. Dabei war sogar die Rede davon, dass Platini künftig den Posten eines Sportdirektors bei der FIFA übernehmen solle.

Außerdem wurde angemerkt, dass Platini in Paris arbeiten wolle und ein Honorar von einer Million Schweizer Franken vereinbart worden sei. An der Sitzung nahmen neben dem damaligen UEFA-Chef Lennart Johansson (Schweden) unter anderem auch der frühere DFB-Präsident Egidius Braun und UEFA-Generalsekretär Gerhard Aigner teil.

Schriftlicher Beweis eine mündlichen Vertrages

Platini-Anwalt Thibaud d'Ales hofft, dass das Dokument entscheidend zur Entlastung seines Mandanten beitragen wird. "Das Dokument ist der schriftliche Beweis eines mündlichen Vertrages. Es beweist nicht nur die Existenz eines Arbeitsvertrages zwischen Michel Platini und der FIFA 1998, sondern belegt auch die Höhe der Dotierung", sagte D'Ales der Nachrichtenagentur AFP. Platini und sein Rechtsbeistand hatten die Anschuldigungen stets energisch zurückgewiesen.

Die Anhörung Platinis durch die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethikkommission soll voraussichtlich zwischen dem 16. und 18. Dezember stattfinden. Nach Informationen des Sport Informationsdienstes soll bis Weihnachten ein Urteil gesprochen werden. Eine offizielle Bestätigung für den Termin gibt es aber noch nicht.

sw/hf (dpa, sid)

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