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Wirtschaft

Zweifel am Wandel der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank bemüht sich um ein besseres Image. Doch auf der Hauptversammlung wird deutlich, dass viele Aktionäre nicht daran glauben. Zu lang ist die Liste von Altlasten und umstrittenen Geschäften.

Die Kunstpausen von Co-Chef Anshu Jain auf der Hauptversammlung der Aktionäre der Deutschen Bank laufen ins Leere. Die Aktionäre klatschen nicht. Die endlose Serie von Skandalen, Prozessen und Altlasten lässte viele Eigentümer am "Kutlurwandel" ihrer Bank zweifeln.

Die Liste der Vorwürfe gegen Europas größtes Geldhaus ist lang: Da sind zum einen die Referenzzinsen und Devisenkurse, bei denen Händler manipuliert haben sollen. 180 Ermittlungsverfahren von Aufsichtsbehörden weltweit zählt die Bank aktuell, dazu etwa 1000 Rechtsstreitigkeiten mit einem Streitwert von jeweils mehr als 100.000 Euro. Kritiker werfen der Bank die Finanzierung von Waffenhandel vor, Geschäfte in Steueroasen und Nahrungsmittelspekulationen.

"Bei jeder Schweinerei dabei"

Auch Kritikern von Attac und den Umweltschützern des WWF geht der Wandel der Unternehmenskultur nicht schnell genug. Der WWF prangert eine mögliche Beteiligung der Bank am Bau eines Kohlehafens in Australien nahe des Great Barrier Reefs an. Sie sehen Australiens bedeutendstes Korallenriff ernsthaft bedroht.

"Bei jeder Schweinerei ist die Deutsche Bank dabei!", skandierte etwa ein Dutzend Aktivisten der kapitalismuskritischen Blockupy-Bewegung auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank in Frankfurt. Aufsichtsratschef Paul Achleitner musste die Gruppe aus dem Saal führen lassen, damit Co-Chef Anshu Jain seine Rede fortsetzen konnte.

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Verzocktes Vertrauen - der Fall Deutsche Bank (28.01.2014)

Und ausgerechnet jetzt will die Deutsche Bank ihre Bonigrenze verdoppeln.

Für die EU steht fest: Die hohen Boni der Vergangenheit, die teilweise ein Vielfaches des Grundsalärs ausmachten, sind verantwortlich für die Krise. Folgerichtig verlangt die EU, dass Boni von diesem Jahr an höchstens so hoch sein dürfen wie das Grundgehalt. Im Investmentbanking liegen die Boni derzeit international teilweise beim Vier- oder Fünffachen des Fixgehalts.

Nicht alle Banken erhöhen Boni

Allerdings sehen die neuen gesetzlichen Regelungen vor, dass die Bonusgrenze verdoppelt werden darf, wenn die Hauptversammlung dem zustimmt. Die Deutsche Bank möchte diese Möglichkeit ausschöpfen. Wichtige Anteilseigner signalisierten vor und auf der Hauptversammlung am Donnerstag, dass sie der Erhöhung der Obergrenze zustimmen werden.

"Im Investmentbanking müssen auch wettbewerbsfähige Gehälter gezahlt werden", sagte Fondsmanager Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment. Die Erhöhung der Boni-Obergrenze für den Vorstand begründete Aufsichtsratschef Paul Achleitner damit, dass die Bank sonst die Fixgehälter noch stärker anheben müsste.

Von fast 70.000 Mitarbeitern der Deutschen Bank, für die die Deckelung gilt, bekamen im vergangenen Jahr gut 1700 Boni, die ihr Jahresgehalt um das Doppelte überstiegen, bei 4500 weiteren lag der Boni zumindest über dem Grundgehalt.

Anders als die Deutsche Bank, hatte die Commerzbank auf eine Anhebung der Bonus-Grenzen verzichtet. Die Aareal Bank hatte am Mittwoch (21.05.2014) bereits eine Erhöhung beschlossen. Auch die HypoVereinsbank (HVB) in München will sich eine höhere Bonusgrenze genehmigen lassen.

jw/js (dpa, rtr, afp)

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