1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Zwei verschenkte Jahre

Schwerer Rückschlag für den Kampf gegen den Klimawandel: Beim großen Gipfel von Kopenhagen wird es kein neues Abkommen geben. Die Weltenrettung wurde einmal mehr vertagt, meint Henrik Böhme.

default

Wenn eine Runde von Staats- und Regierungschefs zusammensitzt, deren Länder für über die Hälfte des Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich sind – und wenn diese Chefs am Ende nicht in der Lage sind, sich auf ein konkretes Klimaschutzziel zu einigen, dann ist klar: Die Rettung der Welt muss einmal mehr verschoben werden. Der große Gipfel von Kopenhagen, er wird nun nur noch eine Durchgangsstation sein für den gigantischen Verhandlungstross, der sich seit Jahren erfolglos darum bemüht, ein neues Weltklima-Abkommen auf die Beine zu stellen. Überraschend kommt das alles nicht.

Ohne die USA geht nichts

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Es bleibt einiges festzuhalten: Der Visionär Barack Obama ist endgültig auf dem Boden der Realität gelandet. Und mit ihm alle die Klimaschutz-Kämpfer, die in ihm den neuen Heilsbringer sahen. Denn wenn die US-Delegation in Kopenhagen zwar mit guten Absichten, aber mit leeren Händen anreist – weil die neuen Klimagesetzte keine politische Mehrheit in Washington finden – dann wird in Kopenhagen nichts gehen. Weil dann Inder und Chinesen am Verhandlungstisch jederzeit die besseren Karten haben: Sie wollen erst Wachstum und Wohlstand – und dann erst Klimaschutz-Verpflichtungen. Wobei man vor allem Peking zu Gute halten muss: Auch ohne einen Vertrag unterschrieben zu haben, machen sie schon mehr als viele andere, um die Umwelt zu schützen. Weil sie gemerkt haben, dass auch sie schon zuviel Umwelt zerstört haben.

Blaupause für eine gerechtere Welt

Festzuhalten bleibt auch, dass die vor zwei Jahren bei der Klimakonferenz in Bali unter dramatischen Umständen zustande gekommene "Roadmap" nach Kopenhagen gescheitert ist. All die vielen Konferenzen in den zurückliegenden zwei Jahren haben es nicht vermocht, die völlig konträren Positionen anzunähern. Verhandlungen über Klimaschutz sind immer auch Verhandlungen über eine gerechtere Welt: Die armen Länder, die nichts für den Klimawandel können, verlangen zu Recht von den Industrienationen einen Ausgleich. Denn der Wohlstand der reichen Länder ist teuer erkauft – mit einer schon jetzt geschundenen Welt.

Und noch etwas bleibt festzuhalten: Und sei es die Rettung der Welt: Am Ende geht es zu oft nur ums Geld, und daran scheitert es. Immerhin hatten die Europäer angekündigt, 100 Milliarden Euro auf den Tisch zu legen, um den Entwicklungsländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Als es dann aber darum ging, diese finanziellen Lasten innerhalb der EU aufzuteilen, wurde es vielen zu heiß. Also wurde auch das erstmal vertagt. Für die Afrikaner wiederum war das schon Grund genug, bei der jüngsten UN-Klimarunde in Barcelona die Verhandlungen phasenweise zu boykottieren. Das zeigt, wie sehr der Karren im Dreck steckt.

Was jetzt geschehen muss

Wie aber nun weiter? Kopenhagen absagen? Tausende von Tonnen CO2 einsparen, die entstehen, wenn 10.000 Menschen einfliegen: Minister, Delegationen, Umweltschützer und Journalisten? Damit würde man höchstwahrscheinlich jede Menge Pluspunkte sammeln. Doch der Klimawandel duldet keinen Aufschub. Also muss man sich an den letzten verbliebenen Strohhalm klammern: Über 40 Staats- und Regierungschefs, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel, haben ihr Kommen angekündigt. Die können es sich schlicht nicht leisten, nur für ein dürres, inhaltsloses Papier, ihr Gesicht in die Kameras zu halten. Die Blamage wäre einfach zu groß. Also muss man jetzt noch schauen, was machbar ist.

Vielleicht hilft ein Blick nach Brasilien, um noch ein bisschen Optimismus zu verbreiten. Dort hat die Regierung angekündigt, die Abholzung des Regenwaldes drastisch zu verringern und so die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu senken. Eine Gegenleistung verlangen sie nicht. Na also: Geht doch!

Autor: Henrik Böhme
Redaktion: Olja Ebel

Die Redaktion empfiehlt