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Kultur

Zwei Traditionsverlage bündeln ihre Stärken

Penguin und Random House: Diese Verlage stehen für Tradition, Prestige, aber auch für Bestseller. Durch ihre Fusion entsteht ein Gigant, der das Buchgeschäft in vielen Teilen der Welt dominieren wird.

Als Ende 2012 die beiden Medienriesen Bertelsmann und Pearson bekannt gaben, dass sie ihre Verlage Random House und Penguin zusammenschließen wollen, verschlug es der beschaulichen Verlagsbranche die Sprache: Mit einem weltweiten Umsatz von 2,5 Milliarden Euro wird das neue Unternehmen einen großen Teil der Buchmärkte in der englisch- und spanischsprachigen Welt kontrollieren.

Bestsellerautoren wie Michael Crichton und E.L. James, aber auch Edelfedern wie Orhan Pamuk, Salman Rushdie oder Gabriel García Marquez gehören jetzt zum gleichen Stall. Von China bis Chile, von Neu-Delhi bis New York erstreckt sich das Gebiet der Aktivitäten.

Penguin Buchcover, (Foto: AFP)

Weltbekannt: Die Penguin-Klassiker, hier in neuem Design

Weltweit bedeutsam

Die globale Ausrichtung gehört bei beiden Partnern schon seit langem zur Firmenkultur. Beide sind in den traditionellen englischsprachigen Märkten wie Großbritannien, USA, Kanada, Australien oder Neuseeland sehr gut aufgestellt. Penguin ist zudem stark in Indien und China vertreten. Random House wiederum belegt in Lateinamerika Platz drei im Büchermarkt.

Es ist aber nicht nur die Marktposition, die diese Fusion bedeutend macht: Bei Penguin reicht die Verlagsgeschichte in die Jahre zwischen den Weltkriegen zurück, Bertelsmann und Random House haben sogar eine fast 180 Jahre lange Tradition vorzuweisen. Viele Leser, die in Großbritannien oder seinen früheren Kolonien aufgewachsen sind, kennen die preiswerten Klassiker-Ausgaben von Penguin. Beide Konzerne haben sich stets sowohl um den Massenmarkt als auch um die besten zeitgenössischen Autoren bemüht. Insgesamt sind es 70 Literatur-Nobelpreisträger, die bei den Partnern verlegt werden - darunter auch deutsche Schriftstellergrößen wie Günter Grass.

Weil weder die europäischen noch die US-amerikanischen Kartellbehörden Bedenken äußerten, kam die Fusion jetzt schneller zustande als erwartet. Beide Verlage sind hauptsächlich im Unterhaltungsbereich tätig, der von den Kartellämtern weniger streng reguliert wird. Welche Verlagsgruppe welchen Bestsellerautor verlegt ist aus ihrer Sicht gesellschaftlich unbedeutend. Wenn aber Texte für Bildung und Wissenschaft nur noch aus wenigen einzelnen Quellen bezogen werden könnten, wäre die Politik aufgerufen, etwas dagegen zu unternehmen. "Die wirklich großen Buchverlage der Welt sind vor allem im Bereich Wissenschaft und Bildung zu finden," sagt der Branchenexperte Rüdiger Wischenbart. Im Vergleich zu diesen sei Penguin Random House nach der Fusion lediglich der fünftgrößte Verlag weltweit.

Die Random House Zentrale in London Foto: AFP

Die Random House Zentrale in London

Strategisch gegen Amazon

Die Allianz von Penguin und Random House ziele besonders darauf ab, Bücher weiterhin sichtbar zu machen in einem Umfeld, in dem es immer weniger Buchhandlungen gebe, sagt Markus Dohle, bisher Chef von Random House in New York und zukünftiger CEO des neuen Unternehmens. Damit spricht er eines der gravierenden Probleme der Branche an: Besonders in Ländern wie den USA oder Großbritannien, wo es - anders als etwa in Deutschland oder Frankreich - keine vom Verlag verbindlich festgesetzten Preise für Bücher gibt, kam es in den vergangenen Jahren zu spektakulären Pleiten im Buchhandel. Borders, der einstmals zweitgrößte Buchhändler der Welt, musste dichtmachen. Und durch Preiskämpfe mit Onlinehändlern und Supermärkten verlieren immer mehr Buchhandlungen ihre Existenz: In Großbritannien verschwanden seit 2006 fast die Hälfte der Buchhandlungen.

Der Sinn der Fusion wird in der Branche nicht bezweifelt: Es geht vor allem darum, einen Gegenpol zur dominierenden Stellung von Amazon zu bilden, das in den vergangenen Jahren die Gewichte im Buchmarkt zu seinen Gunsten verschoben hat. In den USA, dem mit Abstand größten Buchmarkt der Welt, verkauft Amazon mehr gedruckte Bücher als der gesamte restliche Buchhandel zusammengenommen. Bei E-Books liegt der Marktanteil des Onlineriesen sogar bei mehr als 60 Prozent. Durch seine mächtige Stellung versucht Amazon, beim Einkauf von Büchern vom Verlag die Preise zu drücken.

Die Andere Buchhandlung in Köln-Sürth. Foto: DW/Jochen Kürten September, 2012

Buchhandlungen haben mit der starken Konkurrenz im Netz zu kämpfen

Geschäfte der Zukunft

Der Zusammenschluss von Penguin und Random House ist aber nicht nur durch den Abwehrkampf gegen Amazon begründet. Zusätzliche Gefahr droht auch von den Autoren: Längst haben nicht nur ambitionierte Hobbyschreiber entdeckt, dass selbstverlegte Bücher beim Publikum durchaus Chancen haben. Random House weiß das nur zu gut: Den größten Verlagshit der vergangenen Jahre, "Fifty Shades of Grey", hatte die Autorin zunächst selbst im Internet verlegt.

Das Zusammengehen von Penguin Random House ist möglicherweise erst der Startschuss für weitere Fusionen. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe sagte, sein Konzern habe für die kommenden Jahre mehrere Milliarden Euro für Expansionen vorgesehen.

Für den Leser mag es gleichgültig sein, aus welchem Verlag das Buch stammt, das er gerade liest. Eine weitere Konzentration der Verlage bedeutet auf Dauer allerdings auch, dass immer weniger zahlungskräftige Unternehmen weltweit um gute Bücher konkurrieren. Für die Autoren, deren Position durch übermächtige Verlage geschwächt werden könnte, ist eine Mega-Fusion wie die von Penguin und Random House also nicht unbedingt eine gute Nachricht.

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