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Aktuell Europa

Zwei Tote durch Explosion im türkischen Wahlkampf

Bei einer Wahlveranstaltung der pro-kurdischen Partei HDP ist es zu zwei Explosionen gekommen. Zwei Menschen wurden getötet. Damit verstärken sich die Spannungen kurz vor der Parlamentswahl in der Türkei.

Nach Angaben von Agrarminister Medhi Eker wurden außerdem mehr als 100 Menschen verletzt, als es bei einer Kundgebung der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) in Diyarbakir zu zwei Explosionen kam. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte, es sei unklar, ob es sich dabei um ein Unglück oder einen Anschlag handele; er versprach aber eine rasche Untersuchung. Energieminister Taner Yildiz wies Vermutungen zurück, ein Kurzschluss in einem Transformator sei die Ursache. Die Art der Schäden deute auf einen "äußeren Urheber" hin

Die Explosion ereignete sich kurz vor einer Rede von HDP-Chef Selahattin Demirtas. Erst am Donnerstag hatte es bei einem Wahlkampfauftritt von Demirtas in Erzurum im Norden des Landes Randale zwischen HDP-Anhängern und Nationalisten gegeben.

Tränengas gegen Steinewerfer

Zwei Tage vor der Parlamentswahl hatten Zehntausende Menschen an der Veranstaltung in der südosttürkischen Kurdenmetropole Diyarbakir teilgenommen. Kurdische Aktivisten warfen nach der Explosion Steine auf Polizisten, die mit Wasserwerfer und Tränengas antworteten. In Sprechchören hatten HDP-Anhänger Präsident Recep Tayyip Erdogan als "Mörder" bezeichnet.

Der Präsident sprach nach den Vorfällen von einer "Provokation" und rief die Bürger auf, nicht zuzulassen, dass sie "das Klima des Friedens und der Brüderlichkeit" im Land störe.

Die HDP will erstmals als Partei in Parlament einziehen. Bislang waren kurdische Abgeordnete nur als unabhängige Direktkandidaten im Parlament vertreten. Um in die Volksvertretung einzuziehen, muss die Partei die Zehn-Prozent-Hürde überwinden. Umfragen zufolge stehen die Chancen gut.

Erdogan will sich mehr Macht verschaffen

Sollte ihr dies tatsächlich gelingen, könnte sie eine Verfassungsmehrheit für das islamisch-konservative Lager Erdogans verhindern. Der Präsident will sich durch eine Verfassungsänderung mehr Macht verschaffen und braucht dazu eine bestimmte Mehrheit.

Nationalisten werfen der HDP vor, sie habe Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die HDP vertritt die kurdische Minderheit in der Türkei, will aber darüber hinaus auch nicht-kurdische Wähler ansprechen, die einen weiteren Machtzuwachs Erdogans verhindern möchten.

uh/wl (dpa,afp)