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Aktuell Deutschland

Zwei russische Agenten müssen hinter Gitter

Mehr als zwei Jahrzehnte hatte das russische Pärchen unauffällig in Deutschland gelebt – und für sein Heimatland spioniert. Jetzt verurteilte sie ein Gericht in Stuttgart zu sechs beziehungsweise fünfeinhalb Jahren Haft.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die beiden Angeklagten unter einer falschen Identität in Deutschland gelebt und dabei für den russischen Auslandsgeheimdienst KGB und dessen Nachfolger SWR spioniert hatten. "Sie lieferten ihrem Heimatland aus nächster Nähe Einblicke in die deutsche Seele", sagte die Vorsitzende Richterin Sabine Roggenbrod bei der Verkündung des Urteils in Stuttgart. Das Paar habe bei seiner Agententätigkeit eng zusammengearbeitet. Die "geheimdienstliche Agententätigkeit" wiege schwer und habe für Deutschland einen deutlichen Souveränitätsverlust zur Folge gehabt. Die Beweislage sei so eindeutig wie nur selten.

Das Ehepaar hat österreichische Pässe, die es als Heidrun und Andreas Anschlag ausweist. Zuletzt lebten die Agenten sowohl im hessischen Marburg als auch im baden-württembergischen Balingen. Ihre wahre Identität kennt selbst das Gericht nicht. Die beiden sollen Russen sein.

Spionage lohnt sich nicht

Hinter einer biederen Familienfassade haben sie nach Überzeugung des Strafsenats mehrere Hundert politische und militärpolitische Dokumente zu EU und Nato an den russischen Geheimdienst SWR geliefert. Die Papiere stammten von einem Maulwurf im niederländischen Außenministerium. Für die Dienste sollen die Eheleute zuletzt rund 100 000 Euro pro Jahr bekommen haben. 690 000 Euro hätten sie mit angespart. Wo das Geld heute ist, weiß der Senat nicht.

Gegen die Angeklagten spreche unter anderem spreche die lange Dauer ihrer Agententätigkeit. "Der Senat hatte den Eindruck, er habe nur an der Spitze des Eisbergs gekratzt, der in 20 Jahren entstanden ist", sagte Richterin Roggenbrod. Mit dem Urteil wolle der Senat auch klarmachen, dass bei Agententätigkeit hohe Strafen drohten.

Methoden aus dem Kalten Krieg

Die Übermittlungsmethoden des Paares wirken angesichts des weltweiten Cyberspionage-Skandals fast schon altbacken: Die beiden versteckten zum Beispiel USB-Sticks in Erdlöchern und übermittelten geheime Botschaften in Kommentaren zu Fußballvideos auf der Internetplattform Youtube. Die Vorsitzende Richterin sagte, der russische Nachrichtendienst schätze anscheinend trotz neuer Medien die erprobten Spionagemethoden.

Ob die Angeklagten Revision beantragen, ist noch offen. Die Verteidiger hatten mehrfach klargemacht, dass ihre Mandanten keineswegs "eiskalt" seien: Heidrun Anschlag brach beispielsweise im Gericht immer wieder in Tränen aus, wenn die Sprache auf ihre inzwischen erwachsene Tochter kam. Selbst diese soll bis kurz vor der Verhaftung nichts vom Doppelleben ihrer Eltern gewusst haben.

gmf/SC (dpa, afp)