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Russland

Zwei "Pussy-Riot"-Frauen nach Demo für ukrainischen Regisseur abgeführt

Es geschah im sibirischen Jakutsk: Olga Borissowa und Maria Aljochina hatten dort an einer Solidaritätskundgebung für den als "Terroristen" inhaftierten ukrainischen Filmemacher Oleg Senzow teilgenommen.

Zwei Mitglieder der russischen Frauen-Punkband Pussy Riot sind mehrere Stunden lang festgehalten worden, weil sie in Sibirien öffentlich die Freilassung des ukrainischen Regisseurs Oleg Senzow gefordert hatten. Über Facebook teilte Olga Borisowa mit, nach ihrer Festnahme durch die Polizei seien sie und Maria Alechina nach mehreren Stunden wieder freigelassen worden, weil die Polizei Dokumente falsch ausgefüllt habe. 

Das hätte ein Richter festgestellt und beide Frauen wieder freigelassen, schrieb Borisowa. Zuvor hatte Alechina über den Kurzbotschaftendienst Twitter mitgeteilt, dass sie gemeinsam mit Borisowa zu einer Polizeiwache in Jakutsk gebracht worden war. Borisowa hatte ebenfalls auf Twitter ein Video aus dem Streifenwagen veröffentlicht. Darin sagte sie, sie seien festgenommen worden, weil sie mit der "nicht genehmigten Kundgebung" eine "Ordnungswidrigkeit" begangen hätten.

Protest mit Transparent und farbigen Nebelkerzen

Oleg Senzow Ende 2014 vor eine Moskauer Gericht (Foto: picture-alliance/dpa/M. Pochuyev)

Oleg Senzow Ende 2014 vor einem Moskauer Gericht

Die Aktivistinnen hatten für die Freilassung des inhaftierten ukrainischen Filmemachers Senzow demonstriert. Die maskierten Frauen rollten am Sonntag an einer Brücke in Jakutsk ein großes Transparent mit der Aufschrift "Free Sentsov" ("Freiheit für Senzow") aus und zündeten farbige Nebelkerzen. Aljochina hatte Fotos und ein Video von ihrem kurzen Protest veröffentlicht. Dabei bezeichnete sie den Fall Senzow als "einen der politischen Schlüsselfälle in der Geschichte unseres Landes".

Regisseur Senzow war im Mai 2014 auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim festgenommen worden. 2015 wurde er in Moskau als angeblicher Terrorist zu 20 Jahren Haft verurteilt. Dem Urteil zufolge hatte Senzow eine Gruppe ukrainischer Ultranationalisten koordiniert, die Angriffe auf russische Ziele auf der Krim geplant haben sollen. Sein Straflager liegt nahe Jakutsk, der Hauptstadt der Teilrepublik Jakutien. International setzen sich viele Künstler für eine Freilassung Senzows ein. Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin lobte den Protest der Punkband in Jakutsk in einer Twitter-Botschaft.

Wilder Auftritt in Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale

Diese Aufnahme stammt vom November 2014 und zeigt die Pussy-Riot.Mitglieder Maria Aljochina (r.) und Nadeschda Tolokonnikowa in London (Foto: Mediazone)

Maria Aljochina (r.) und Nadeschda Tolokonnikowa 2014 in London

Die Sängerinnen von Pussy Riot gehören zu den prominentesten Kritikern des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Anfang 2012 war Aljochina zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern von Pussy Riot festgenommen worden, weil sie in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale ein "Punk-Gebet" abgehalten hatten, in dem sie Putin offen kritisierten. Wegen "Rowdytums" und "Aufwiegelung zu religiösem Hass" wurden die Frauen zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt, kamen jedoch 2013 nach einer Begnadigung durch Putin vorzeitig frei.

sti/pab (afp, dpa)