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Filme

Zwei Ossis im Wilden Westen

Seit Mitte Januar läuft mit "Friendship" wieder ein Film in den Kinos, der sich humorvoll mit dem Ende der DDR auseinandersetzt. Nur spielt die Geschichte diesmal kurz nach dem Mauerfall in den USA.

Zwei junge Männer vor New Yorker Taxi in Straßenschlucht (Verleih Sony)

Angekommen in New York

Man sieht typische DDR-Neubauten, Kaufhallen, die nur wenige Produkte anbieten und Volkspolizisten beim Spitzeln und Verhaften. Dazu ertönt im Off-Kommentar die ironische Stimme des Ich-Erzählers Tom: "In der Deutschen Demokratischen Republik waren wir alle gleich, hatten alle die gleichen Wohnungen und haben alle das Gleiche gegessen."

Zwei Jungen in der Grundschule an der Schulbank (© 2009 Sony Pictures Releasing GmbH)

Tom und Veit als Kinder

Tom fühlt sich in diesem zu fürsorglichen Staat nicht wohl und freundet sich mit Veit an, dessen Vater angeblich tot ist. Als Jugendliche drehen sie mit Leidenschaft Super-8-Filme, spielen selbst die Hauptrollen und imitieren Vampire und expressionistische Gruselfilme. Doch dann fällt die Mauer und Veit will plötzlich nur noch nach San Francisco zur Golden Gate Bridge. Das sei der westlichste Ort der freien Welt, erzählt er Tom begeistert. Dahinter käme nur noch Asien. Das Geld der beiden reicht allerdings nur für einen Flug nach New York.

Willkommen in der freien Welt

Kaum sind Tom und Veit am Flughafen in den USA angekommen, fragt sie ein Beamter, ob sie als Deutsche denn Nazis seien. Empört weisen die Freunde diesen Vorwurf zurück, bezeichnen sich naiv als "Free Communists". Das verhilft ihnen zu einer intensiven Leibesvisitation. Als die beiden dann endlich New York entdecken, merken sie schnell, dass man mit 55 Dollar nicht weit kommt. Die folgende Nacht wird kalt und ungemütlich.

Zwei Jugendliche laufen mit Gepäck von einem Haus weg (© 2009 Sony Pictures Releasing GmbH)

Schnell weg aus Deutschland

Bald kommt es zwischen den Freunden auch zum ersten, großen Krach. Per Zufall findet Tom heraus, dass ihm sein bester Freund etwas verschweigt. Veits Vater ist gar nicht tot, sondern war ein Republikflüchtling. Jedes Jahr hat er dem Sohn zum Geburtstag eine Postkarte aus San Francisco geschickt. Jetzt will Veit seinen alten Herrn vor Ort suchen. Tom ist sauer. Die Freundschaft steht auf dem Spiel. Aber natürlich ist dies nur der Beginn einer ganz wunderbaren Reise durch die Vereinigten Staaten.

A True Story oder eine (fast) wahre Geschichte

Die Story von zwei Ossis im Wilden Westen ist voller Überraschungen und originell erzählt. Dabei ist sie nicht einmal erfunden. Der Produzent des Films, Tom Zickler, lieferte die authentische Vorlage für diesen flott und locker inszenierten Film von Regisseur Markus Goller. Zickler selbst begab sich nach dem Fall der Mauer mit seinem Freund Veit für neun Monate in die USA und räumt im Gespräch ein: "50 Prozent des Filmes sind tatsächlich passiert. Ich werde aber nicht sagen, um welche 50 Prozent es sich handelt. Wir wollten wirklich etwas erleben damals und hatten nur 55 Dollar in der Tasche und unsere Super-8-Projektoren."

Zwei Jungs im neckischen Spiel mit zwei Mädels (© 2009 Sony Pictures Releasing GmbH)

Spaß mit US-Girls

"Friendship" ist Roadmovie und Männerfilm, Utopie und nostalgisch humorvoller Rückblick. Ein Film, der von einer dieser typischen Kinogeschichten lebt, in der verschiedene Welten aufeinander prallen, und die unerreichbaren Träume der Protagonisten zumindest teilweise in Erfüllung gehen.

Gutes Drehbuch, tolle Darsteller

Dabei dient die DDR hier nicht nur als dramaturgische Witz-Vorlage, sondern steht eher als ein Symbol für eine naive Weltfremdheit. Der große Publikumserfolg von "Friendship" dürfte nicht nur am originellen Drehbuch liegen, sondern auch an den Hauptdarstellern Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke. Sie spielen ihre Figuren Tom und Veit mit viel Witz und großer Natürlichkeit.

Die Szene, in der die beiden Freunde Geld brauchen und deshalb als russische Soldaten verkleidet in einer Homosexuellen-Bar strippen, gehört zu den Höhepunkten des Films. Musikalisch werden sie dabei von einer Discoversion der DDR-Hymne begleitet. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem viele nicht einmal wussten, dass es "two Germanys" gab, fällt die falsche Musik natürlich nicht weiter auf.

Autor: Jörg Taszman

Redaktion: Jochen Kürten

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