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Nahost

Zwei Lager kämpfen um ihre Stellung in Libyen

Ein libyscher General und seine Männer kämpfen seit sechs Monaten gegen Islamisten. Das Land versinkt im Chaos und noch ist kein Ende in Sicht. Im Gegenteil: Die Gewalt eskaliert.

Bereits seit Monaten toben in der ostlibyschen Stadt

Bengasi

schwere Gefechte zwischen rivalisierenden Milizen - darunter auch Islamisten - und der selbsternannten libyschen Armee um den abtrünnigen General Chalifa Haftar. Doch die Gewaltspirale scheint in den vergangen 24 Stunden einen Höhepunkt erreicht zu haben. Mindestens 17 Menschen sollen getötet worden sein.

Sechs Monate ist es her, dass General Chalifa Haftar den Islamisten im Land den Kampf angesagt hat. Seither versuchen er und seine Männer, die Islamisten aus dem Land zu vertreiben. "Haftar und seine Männer kämpfen, weil sie die einzige legitime Kraft im Land sein wollen. Doch ihre Gegner sind militärisch mindestens genau so stark", sagt Ziad Akl vom Al-Ahram Zentrum für politische und strategische Studien in Kairo.

Dabei hatte Haftar am Dienstagabend eine Entscheidungsschlacht angekündigt. Er wolle mit seinen Einheiten "die Straßen der Stadt" zurückerobern und seine Männer seien bereit "ihr wichtigstes Ziel, die Befreiung Bengasis, zu erreichen". Die libysche Luftwaffe soll ihm Unterstützung mit Luftschlägen zugesagt haben.

Chalifa Haftar (Foto: Reuters)

Kämpft gegen die Islamisten: Chalifa Haftar

Bengasi in der Hand der Islamisten

Nach einem Bericht der Nachrichtenseite Al-Wasat konnten Haftars Soldaten zwei Stützpunkte in Bengasi gegen Einheiten der radikal-islamischen Ansar al-Scharia verteidigen. Islamistische Milizionäre dementierten dies. Die Stadt scheint immer noch fest in der Hand der Islamisten.

Die bewaffneten Kämpfe gehen derweil sowohl im Osten als auch im Westen des Landes weiter. Und das, obwohl die Vereinten Nationen (UN) die rivalisierenden Fraktionen zu einem Waffenstillstand aufgefordert haben."Die internationale Gemeinschaft duldet das Blutvergießen in Libyen nicht", erklärte UN-Generalsekretar Ban Ki Moon bei einem Überraschungsbesuch in der Hauptstadt Tripoli in den vergangenen Tagen. "Wenn kein nachhaltiger Frieden hergestellt wird, dann rückt der Traum von einem besseren Leben in weite Ferne."

Gescheiterter Staat in Sichtweite

Drei Jahre nach dem Sturz und der Ermordung von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi kommt das Land nicht zur Ruhe - im Gegenteil, es versinkt in Gewalt und Chaos. De facto hat das Land zwei Parlamente und Regierungen.

Abdullah al-Thinni ist einer von zwei Regierungschefs in Libyen (Foto: AFP)

Abdullah al-Thinni ist einer von zwei Regierungschefs in Libyen

Übergangspremier Abdullah al-Thinni und das neu gewählte Parlament halten ihre Sitzungen seit Anfang August aus Sicherheitsgründen im ostlibyschen Tobruk ab. Es wird aber nicht von allen anerkannt. Die Stadt nahe der ägyptischen Grenze steht unter dem Schutz von Hafters Truppen. Kein Wunder also, dass die gewählten islamistischen Abgeordneten den Sitzungen fernblieben. Sie boykottieren das neue Parlament in Tobruk und bleiben in der Hauptstadt. Und mit Omar al-Hassi haben sie einen eigenen Premierminister gewählt. Die internationale Gemeinschaft steht klar auf der Seite des gewählten Parlaments in Tobruk.

Die Sorge ist groß, dass Liyben immer mehr in zwei Lager zerfällt: Auf der einen Seite steht "Operation Morgengrauen", die aus Misrata-Milizen, islamistischen Gruppen, darunter Ansar al-Scharia, und verschiedenen konservativen Kräften der Muslimbruderschaft besteht.

Ihr gegenüber stehen die Männer um General Chalifa Haftar: Er hat ein breites Bündnis aus westlibyschen Zintan-Milizen und ehemaligen Gaddafi-Kämpfern aus den Regierungstruppen gebildet, das er "Operation Würde" nennt. "Was wir derzeit beobachten", sagt Libyen-Experte Ziad Akl, "ist im Prinzip der Kampf der verschiedenen bewaffneten Kräfte um einen Platz in einem neuen Libyen."

Ausländer mischen mit

Mittlerweile sollen aber auch ausländische Kräfte in Libyen mitmischen. Während

Katar angeblich die Islamisten unterstützen soll

, wird seit geraumer Zeit über ein Einschreiten Ägyptens zur Unterstützung von General Haftar spekuliert. Laut der offiziellen Nachrichtenagentur Mena dementierte der Sprecher des Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi am Mittwoch aktuelle ägyptische Luftschläge auf libyschen Boden. Ende August hatte bereits die "New York Times" berichtet, dass Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate innerhalb von sieben Tagen zweimal Luftangriffe gegen die mit Islamisten verbündeten Milizen geflogen hätten. Auch Saudi-Arabien soll sich auf die Seite Haftars gestellt haben.

Der abtrünnige General hat in seiner Fernsehansprache jetzt angekündigt, sich zurückzuziehen, sobald er und seine Männer die Islamisten verjagt haben. Man vermutet, er wolle die Sorge zerstreuen, er könne in die Fußstapfen von Muammar al-Gaddafi treten und Libyens neuer Diktator werden.

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