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Aktuell Nahost

Zwei Journalisten Opfer der Gewalt in Syrien

7636 Tote seit Beginn der Proteste in Syrien - so lautet eine aktuelle Bilanz der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Westerwelle äußert Betroffenheit über die Tötung von zwei westlichen Journalisten.

In der syrischen Protesthochburg Homs sind ein französischer Fotograf und eine US-Journalistin getötet worden. Die beiden Reporter wurden nach Angaben von Oppositionsaktivisten von einer Granate getroffen, die durch die syrische Armee abgefeuert wurde.

Betroffenheit im Westen

Video ansehen 00:53

Journalisten in Homs getötet

Die Journalisten sollen sich in einem von der Protestbewegung eingerichteten Pressezentrum im Stadtteil Baba Amro aufgehalten haben. Zwei weitere ausländische Journalisten seien bei dem Angriff verletzt worden, hieß es. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy reagierte empört auf den Tod der beiden Journalisten: "Jetzt reicht es, das Regime muss gehen." In Paris wurde die syrische Botschafterin einbestellt. Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle äußerte seine Empörung.

Bei den Getöteten handelt es sich um die US-Amerikanerin Mary Colvin, die für die britische "Sunday Times" tätig war, und den für die Agentur IP3 Press arbeitenden französischen Fotoreporter Rémi Ochlik. Die französische Tageszeitung "Le Figaro" bestätigte, dass ihre Reporterin Edith Bouvier unter den Verletzten ist. Ein Journalist aus Großbritannien soll ebenfalls verwundet worden sein.

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Westerwelle zur Situation in Syrien

Oppositionelle hatten eine Gruppe von Journalisten vor zwei Tagen nach Homs eingeschleust, um ihnen die Berichterstattung aus der Hochburg der Protestbewegung zu ermöglichen, wie ein Aktivist der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad hat seit Beginn der Massenproteste vor fast einem Jahr eine Medienblockade verhängt. Ausgewählte ausländische Journalisten dürfen nur mit Aufpassern des Informationsministeriums durch das Land
reisen.

Schwierige Lage in Homs

Homs steht seit Anfang Februar unter Dauerbeschuss der syrischen Regierungstruppen. Am Mittwoch wurden dort nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte allein am Vormittag mindestens 13 Zivilisten getötet. Insgesamt kamen seit Beginn der Proteste gegen Assad vor knapp einem Jahr rund 5500 Zivilisten in Syrien zu Tode. Menschenrechtlern zufolge wurden zudem fast 1700 Soldaten und Sicherheitskräfte sowie fast 400 Deserteure getötet.

Straßenszene aus der angegriffenen Stadt Homs (Foto: dapd)

Kämpfe in Homs, Syrien

Die humanitäre Lage hat sich in Homs nach Augenzeugenberichten dramatisch verschlechtert. Desertierte Soldaten würden versuchen, die Versorgung der im besonders betroffenen Stadtteil Baba Amro lebenden Menschen sicherzustellen, sagte ein Aktivist. Dies sei aber sehr schwierig. "Die Soldaten des Regimes schießen auf alles, was sich bewegt". In Baba Amro befinden sich nach Angaben der Oppositionellen noch 90.000 Menschen.

Russland stellte sich am Mittwoch hinter einen Aufruf des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), in Homs und anderen umkämpften Gegenden eine tägliche zweistündige Kampfpause zur Versorgung der Bevölkerung einzuhalten. Die Bemühungen des IKRK würden "aktiv unterstützt", sagte ein Sprecher des russischen Außenministeriums.

Zugleich wies Russland einen Vorschlag Frankreichs zur Einrichtung humanitärer Korridore zur Versorgung der Bevölkerung zurück. Dies wäre "kaum effektiv", sagte Vize-Außenminister Gennadi Gatilow. Zudem könne die Einrichtung solcher Hilfskorridore zu "schweren militärischen Zusammenstößen" führen und die Lage verschlimmern.

Die USA haben erstmals die Möglichkeit einer militärischen Unterstützung für die syrische Opposition angedeutet. "Wir denken immer noch, dass eine politische Lösung das ist, was wir brauchen", sagte Präsidialamtssprecher Jay Carney. Die USA wollten keine Maßnahmen ergreifen, die zu einer weiteren Militarisierung Syriens beitrügen. Dies könnte das Land auf einen gefährlichen Pfad bringen. "Wir können jedoch keine zusätzlichen Schritte ausschließen", fügte Carney hinzu.

Treffen des Syrien-Freundeskreis

Am Freitag nimmt US-Außenministerin Hillary Clinton in Tunis an einer von den USA und der Arabischen Liga unterstützten Syrien-Konferenz teil, die eine Lösung in dem seit fast einem Jahr dauernden Konflikt suchen soll. Auch Außenminister Guido Westerwelle wird an der "Konferenz der Freunde des syrischen Volks" teilnehmen. Russland, ein wichtiger Partner von Machthaber Assad, hat seine Teilnahme an dem Treffen dagegen abgelehnt, weil nur die syrische Opposition, nicht aber die Regierung vertreten sei.

Die Erwartungen sind hoch: Eine "klare Botschaft an das syrische Regime, dass das Blutvergießen ein Ende haben muss" und ein "Zeichen der Solidarität mit dem syrischen Volk" erhofft sich Gastgeber Tunesien von dem Treffen. Neben der symbolischen Bedeutung des Treffens erhoffen sich Diplomaten vor allem auch konkrete Maßnahmen, um der syrischen Bevölkerung humanitäre Hilfe zukommen zu lassen.

li/wl (afp, dapd, dpa, epd, rtr)

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