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Ostmitteleuropa

"Zwei Jahrhunderte polnisches Golgotha"

Polnische Verlage machen mit antisemitischen und fremdenfeindlichen Publikationen gute Geschäfte

Warschau, 3.4.2004, POLITYKA, Nr. 14/2004

In Polen ist der Verkauf nationalistischer und antisemitischer Literatur nach wie vor legal. Nationalistische und antisemitische Presse ist in den meisten Buchhandlungen und Kiosken zu erhalten. Von der Herausgabe solcher Publikationen oder Bücher lässt es sich nicht schlecht leben, wenn auch einige die Herausgebertätigkeit als Mission betrachten. Diejenigen, denen vorgeworfen wird, gegen das Recht zu verstoßen, gewinnen immer wieder leicht vor Gericht.

JOANNA CIESLA

Leszek Bubel, Chef des Wydawnictwo Narodowe [deutsch etwa: Nationaler Verlag] hat in letzter Zeit 14 Kilo abgenommen. Er trägt einen Drei-Tage-Bart, der jünger machen soll, sowie eine kleine Brille, die intelligent aussehen lassen soll und die den Blick durchdringender erscheinen lässt. Wer sich gut präsentiert, hat es einfacher, auf die politische Bühne zurückzukehren. Vor einigen Monaten reaktivierte der Herausgeber der Reihen "Lerne den Juden kennen", "Polnischer Holocaust" und der Wochenzeitschrift "Tylko Polska" [deutsch etwa: "Polen allein"] sowie von zehn weiteren Pressetiteln die Polnische Nationale Partei. "Sie soll auf die Traditionen der nationalen Bewegung in Polen zurückgreifen und als einzige kompromisslos für die Interessen der Republik in polnisch-jüdischen Konfliktsituationen kämpfen", brüstet sich Bubel. Die Polnische Nationale Partei wird sich am Wahlkampf für die Wahlen in das Europäische Parlament beteiligen, aber 48 Stunden vor den Wahlen den Rückzieher machen. Bis jetzt geht es nur darum, die kostenlose Sendezeit zu nutzen.

Leszek Bubel, ehemaliger Präsidentschaftskandidat: "Die Juden mag ich eben deswegen nicht, weil es eine Nation ist, die auf der Grundlage einer Religion entstanden ist, die Rassismus zulässt."

In seiner Wohnung im [Warschauer] Stadtteil Praga, geschmückt mit Fotos aus verschiedenen Ländern der Welt und exotischen Figuren, versucht Leszek Bubel davon zu überzeugen, dass er für andere Kulturen offen ist. Er weiß aber seit seiner Kindheit Bescheid. Vater und Onkel vergaßen weder den 17. September 1939 noch wer dem UB [Staatssicherheitsdienst] angehörte. Er ist stolz darauf, für einen Antisemiten gehalten zu werden.

Der 47jährige Goldschmied, dem Unterschlagung vorgeworfen wird (er sagt, die Schwierigkeiten mit dem Gesetz habe er den Reformen von Balcerowicz zu verdanken), kämpft bereits seit den neunziger Jahren gegen das falsche Wirklichkeitsbild an, das - wie er sagt - polnischsprachige Medien servieren und das in regelmäßigen Abständen wie ein Bumerang in die Politik zurückkehrt. Er ist zum Experten geworden für die Aufdeckung der echten Wurzeln immer wieder neuer Repräsentanten angeblich polnischer Eliten (von Aleksander Kwasniewski bis Marek Borowski). Bisweilen dauert das ein wenig, wie im Fall von Andrzej Lepper, über den er die Wahrheit erst herausfand (obwohl der fremde Name auffällt), nachdem er nicht mehr mit ihm zusammenarbeitete.

Der Nationale Verlag ist eine regelrechte Leidenschaft. Sein Chef hat es bisher auf drei Anklagen wegen Aufrufs zu nationaler Zwietracht gebracht. Ein Prozess ist noch im Gange, die beiden weiteren können erst gar nicht beginnen. Um endlich in Ruhe gelassen zu werden, ist Bubel vor kurzem einen Kompromiss eingegangen. Den Titel der Reihe "Lerne den Juden kennen" änderte er in "Lerne deinen Nachbarn kennen." Der Herausgeber versichert, dass die Standpunkte, die er publiziert, zu 90 Prozent mit dem Standpunkt der "nationalen Presse" im Lande übereinstimmen. Allein die Auflage von "Tylko Polska" schätzt er auf 70 000 Exemplare.

(...)

Nach Meinung von Rafal Pankowski von der antifaschistischen Vereinigung "Niemals wieder" lässt sich der Markt von Broschüren, Büchern und Zeitschriften, in denen regelmäßig Beiträge fremdenfeindlichen und antisemitischen Inhalts erscheinen, schlecht abschätzen. Die einzige Informationsquelle über die Auflage sind die Herausgeber. "Aber ich bin überzeugt, dass allein über die größten Vertriebe allwöchentlich mehrere Hunderttausende Exemplare dieser Publikationen an den Mann gebracht werden. Auch wenn Leszek Bubel seine Marktposition überbewertet, so ist es dennoch eine Tatsache, dass in den Kiosken und Pressestuben mehrere Titel des Nationalen Verlages erhältlich sind. (...)

Die Chefs der Zeitschriften und Verlage erschaudern bei dem Gedanken, dass ihre Publikationen in einen Topf mit Leszek Bubels Angebot geworfen werden. "Man muss zu unterscheiden wissen zwischen einem Titel, hinter dem hundertjährige politische Traditionen stehen, und Titeln, die sich hauptsächlich mit der Feindsuche befassen", sagt warnend der Chefredakteur von "Nowa Mysl Polska" [etwa: Neues polnisches Denken] Jan Engelgard.

Jan Engelgard, Chefredakteur der "Nowa Mysl Polska", zieht weiße Handschuhe an: "Man muss zu unterscheiden wissen zwischen einem Titel mit Traditionen und Titeln, die sich hauptsächlich mit der Feindsuche befassen." (...) Die Zeitung hat eine Auflage von fünf- bis sechstausend Exemplaren. Nach Ansicht des Chefredakteurs ist das für einen "so intellektuellen Titel" kein schlechtes Ergebnis.

Von der ersten Seite einer der Februar-Ausgaben des "intellektuellen Titels" grüßt Adolf Hitler von einem Archivfoto mit dem Vermerk "Achtung, Deutsche Banditen!". In der Zeitschrift selbst versucht der Journalist Michal Dybicki zu überzeugen, dass in Deutschland immer noch das Denken Himmlers, der die Polen als Sklavenrasse sah, lebendig ist. "Der Jahrzehnte lange polnisch-deutsche Versöhnungsdialog gleicht einer Parodie, denn die Deutschen brauchen keine Versöhnung", behauptet der Autor.

Andere Herausgeber und Redakteure, die sich selbst zur nationalen katholischen Strömung zählen, distanzieren sich ähnlich von Leszek Bubel. Sie versichern, mit den von ihm propagierten Ansichten und ihm selbst nichts gemeinsam zu haben. In ihren Publikationen allerdings - nicht nur in Bezug auf die Juden - bedienen sie sich einer sehr ähnlichen Rhetorik. (...)

Dank des Buches "Wen die Juden um Verzeihung bitten müssen" [wörtl. Übersetzung aus dem Polnischen] von Prof. Jerzy Robert Nowak, erschienen bei MaRoN (die Eigentümerin ist die Ehefrau des Autors), erfahren wir, dass die Juden uns eine Entschuldigung schuldig sind, unter anderem für "den Verrat, den sie an zugunsten der Besatzer begangen haben", für "die so zahlreichen Juden, Spitzel und Zuträger im Dienste der Zaren" sowie dafür, dass "nach 1989 Polen so viele Chancen abhanden kamen". Andrzej Leszek Szczesniak macht uns auf den Seiten von "Judeopolonia" (Polwem) bewusst, dass die Juden seit Jahren versuchen, auf polnischem Territorium einen eigenen Staat zu gründen. Henryk Pajak, Autor und Eigentümer des Verlages Retro, erklärt uns, dass "Polen in den letzten zwei Jahrhunderten vom Preußentum, Hitlerismus und Bolschewismus, den Zwillingsbastarden der internationalen jüdischen Freimaurerei, überfallen, ausgeplündert und unterjocht worden ist und die "wohlüberlegte Degradierung und Exterminierung des polnischen Volkes" bis heute anhält ("Zwei Jahrhunderte polnisches Golgotha", "Häscherregierung 1940-1990", "Polen im Sumpf", "Die fünfte Teilung Polens", "Und das Volk schläft").

Rafal Pankowski von "Niemals wieder" hat keine Zweifel, dass die Verbreitung solcher Thesen bestraft werden sollte. "In anderen Ländern gibt es Urteile für die Veröffentlichung eines Satzes wie "Juden sind Diebe". Unser Recht sieht ebenfalls Strafen für Beleidigung und Aufruf zu nationaler, ethnischer und religiöser Zwietracht vor. Nach Ansicht vieler Juristen sind die Inhalte in solchen Büchern keine Beleidigung und kein Aufruf zur Zwietracht.

Die Paragrafen 256 und 257 des polnischen Strafgesetzbuches, auf die sich Rafal Pankowski beruft, werden in der polnischen Gerichtspraxis wörtlich interpretiert. "Wurden nicht Worte benutzt, die allgemein als Beleidigung gelten oder wurde nicht dazu aufgerufen, Juden zu töten, dann ist es sehr schwer, eine Straftat nachzuweisen", sagt der Strafrechtsexperte Prof. Piotr Kruszynski. Der Vorladende hingegen kann sehr leicht den Stempel aufgedrückt bekommen, Gegner der Meinungsfreiheit zu sein. Zumal die Autoren eindeutige Attribute geschickt vermeiden. (Ähnlich vorsichtig sind sie , wenn es um die so genannte Auschwitz-Lüge geht. Die offene Leugnung der Naziverbrechen kann nach einem Gesetz über das Institut des Nationalen Gedenkens IPN drei Jahre Haft zur Folge haben). Mit den Antisemiten ist es ein wenig wie mit Wirtschaftsverbrechern: Man weiß, wer schuld ist, ihn zu verurteilen ist aber schwer.

Besonders deutlich kam das vor einigen Monaten zum Ausdruck als die Ermittlungen eingestellt wurden, die unter anderem mit dem Verkauf der "Seidenen Geschäfte" von Henryk Pajak, des "Antipolonismus polnischer Juden" von Stanislaw Wysocki und des Buches "Warum ich gegen Juden bin" von Pfarrer Prof. Jozef Kruszynski in der Buchhandlung "Antyk" zu tun hatten [wörtl. Übersetzung der Titel aus dem Polnischen]. Nach Ansicht von Staatsanwälten und Richtern lässt es sich im Fall der in der Buchhandlung "Antyk" verkauften Bücher nicht nachweisen, dass die darin enthaltenen Begriffe "das jüdische Volk wegen seiner nationalen oder religiösen Zugehörigkeit" beleidigen. Mit anderen Worten: die Autoren beleidigen die Juden, behaupten aber nicht, dass sie diese Beleidigung verdient haben. Autoren, Herausgeber und Vertreiber können also nicht bestraft werden.

Die einzige Folge der ganzen Verwirrung (die Sache könnte wieder aufgenommen werden) ist bisher, dass der Verlag Milla Bankrott gemacht hat. Publikationen, die er herausgegeben hat, wie zum Beispiel "Messianismus und jüdische Frage" [wörtl. Übersetzung aus dem Polnischen] von Pfarrer Stanislaw Trzeciak, sind in der Buchhandlung von "Nasz Dziennik" immer noch zu finden. In den Regalen liegen auch die berüchtigten "Protokolle der Weisen des Zion" [wörtl. Übersetzung aus dem Polnischen] sowie "The International Jew" von Henry Ford - aus dem Verlag Ojczyzna. Im "Antyk" aber auch in Buchgeschäften mit größerem Sortiment warten nach wie vor "Die 100 Lügen von J. T. Gross über die jüdischen Nachbarn in Jedwabne" sowie die vom Verlag Von Borowiecky herausgegebenen "Judophilie-Studien" von Stanislaw Michalkiewicz auf Käufer.

Leszek Bubel ist mit seinen drei Anklageschriften unter den Herausgebern antisemitischer Literatur die Ausnahme. Verfahren wegen Beleidigung oder wegen Aufrufs zur Zwietracht in der Presse oder in Büchern (man kann sie privat oder von Amts wegen einleiten) gibt es sehr selten, obwohl genaue Statistiken nicht geführt werden. Vertreter antifaschistischer und antirassistischer Organisationen erklären dies mit der geringen Empfänglichkeit der Polen für fremdenfeindliche Inhalte. Demotivierend ist auch, dass solche Verfahren in den meisten Fällen niedergeschlagen werden. Den Juristen kommt das Argument ganz gelegen, dass die Herausgeber keinem Schlechtes tun. Das, was sie publizieren, publizieren sie nicht aus Hass, sondern aus auf besondere Art verstandener Sorge um das Land.

Die Eigentümerin des Verlags Szaniec ("Nasza Polska", Auflage von etwa 60 000 Exemplaren) Maria Adamus, Dame eines Vorkriegsjahrgangs, betont, die Polen, darunter auch ihre Eltern, hätten zur Rettung vieler Juden beigetragen. Danach seien sie von stalinistischen Gerichten verurteilt worden. "Die Wahrheit lässt sich nicht verbergen, dass es unter den Staatsanwälten und Richtern bei diesen Gerichten auch solche jüdischer Nationalität gab. Ist es antisemitisch, an diese Tatsache zu erinnern oder ist es die Feststellung einer historischen Tatsache? Es wäre zu erwarten, dass sie sich für ihre Taten zumindest entschuldigen."

Verärgert ist die Verlagschefin auch darüber, dass in den meinungsbildenden Medien das immer stärker werdende Phänomen der Polenfeindlichkeit umgangen wird und dass keiner auf den Unsinn reagiert, der in der Welt verbreitet wird, dass nämlich Polen Juden ermordet haben. Also wird sie reagieren, denn das ist eines der Anliegen ihrer Zeitung. Am 3. Februar war unter der Rubrik "Verschiedenes" zu lesen: "Israels Botschafter Szewach Weiss (...) spielte bei uns eine Rolle, die an Auftritte von Repräsentanten eines anderen Landes vor den Teilungen erinnerte (...), er war jedoch das klassische Beispiel eines 'Zionisten und jüdischen Chauvinisten', der die antipolnischen Ausschweifungen akzeptierte."

(...)

Jacek Krzystek von der Verlagsinitiative Ad Astra, die Berichte publiziert, die vor der so genannten Europäisierung warnen, versichert ebenfalls, dass es weder eine Phobie noch eine Obsession gibt. Er könne einfach nicht hinschauen, wie auf das stolze, einst adelige und geistige Werte mehrende Polen ein Angriff im Kolonialstil stattfindet. "Der Westen, der in seinem Wohlstand erstickt, schlägt auf uns ein, weil er die polnischen grünen Wiesen als eigene Weideflächen braucht. Und dagegen muss man sich wehren: Man muss ausländische Berater meiden und auf polnische Autoritäten hören. (...)

Tadeusz Majcherek, Eigentümer des Verlages Von Borowiecky, (...) gab "Die 100 Lügen von J. T. Gross über die jüdischen Nachbarn in Jedwabne" von Prof. Jerzy Robert Nowak heraus, denn die Methodologie, der sich Gross in seinem Buch bedient, brachte ihn auf. "Wenn jemand die Firma als fremdenfeindlich betrachten will, dann ist es sein Recht", so Majcherek. Würde er aber neben seinem Namen das Attribut "Antisemit" finden, würde alles vor Gericht enden. (...)

Andrzej Siekierzycki, Chef des Verlagshauses Ostoja aus Krzeszowice, (...) erläutert wiederum, er gebe nur Bücher von katholischen Autoritäten, geistlichen Professoren und Heiligen heraus. Auch wenn er mit ihnen nicht immer ganz einer Meinung sei, so habe er sicherlich keinen Grund, sich zu schämen.

(...)

Einen Grund sich zu schämen sieht auch Norbert Tomczyk nicht, der Chef des Breslauer Verlages Nortom, der als Marktführer seiner Kategorie gilt. Denn keiner zeigt ihm diese Gründe auf. Im Jahre 2000 untersagte Andrzej Nowakowski, Referent des Kulturministers, seiner Firma zwar die Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse, weil er meinte, für Jedrzej Gertychs Buch "Polen und Deutsche" (...) gebe es dort keinen Platz. Ein Jahr später aber trafen sich die Herren im Polnischen Haus des Buches wieder. Nowakowski war Chef des Hauses, und Tomczyk wurde in die Revisionskommission gewählt (...). Die Mitglieder des Polnischen Hauses des Buches störte es nicht, dass ihr Kollege noch vor fünf Jahren die Publikation Stanislaw Belzas aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg mit dem Titel "Sein oder nicht sein", in der der Autor auf 30 Seiten zur "Entjudung" Polens aufruft, noch einmal auflegen ließ.

Auch Andrzej Siekierzycki stieß nach der Herausgabe des Buches "Antisemitismus, Antijudaismus und Antigoiismus" des Pfarrers Jozef Kruszynski vom Jahre 1924 durch den Verlag Ostoja nicht auf Kritik. In dem Buch ist zu lesen: "Alle Streitigkeiten, die es in der Vergangenheit zwischen Christentum und Judentum gegeben hat, waren auf den Judaismus zurückzuführen." Schließlich ist das eine Formulierung, die noch nicht einmal die rhetorische Kunst Warschauer Staatsanwälte retten kann - Beleidigung vor religiösem Hintergrund ist hier offensichtlich. "Derartige Publikationen dürfen gedruckt werden, wenn es sich um Dokumente handelt, die die Denkweise zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte darstellen, sie müssen aber mit einer entsprechenden Einleitung und entsprechenden Anmerkungen versehen werden", so Rafal Pankowski. Die Achtung vor dem Leser gestatte solche Anmerkungen aber nicht, meint Andrzej Skierzycki.

(...)

Paradox ist, dass der Staat antisemitische Publikationen vertreibt - "denn er muss es". Die Eintragung eines Pressetitels wegen seines Inhalts zu verweigern kommt nicht in Frage. Auch bevor die Bücher im ISBN-Büro in der Nationalbibliothek ins Verzeichnis eingetragen werden, werden sie nicht gelesen. Die Beamten prüfen lediglich die Formalitäten, Zensur sei nicht ihre Aufgabe, sagen sie. Nach dem allgemeinen Verständnis aber wird die ISBN-Nummer auf dem Buchumschlag mit Glaubwürdigkeit und Legalität assoziiert.

Das Herausgeben von Publikationen zu verbieten, das geht nicht. Der Meinung sind sogar die Antifaschisten, obwohl sie betonten, die Meinungsfreiheit sollte kein Wert sein, der über der Würde des Menschen steht. Das Hauptproblem ist jedoch, dass diese Bücher und Zeitungen ihre Abnehmer haben. Die Verlage Milla und Ojczyzna gibt es zwar nicht mehr, aber Nortom und Von Borowiecky geht es hervorragend. Nortom hat 200, Von Borowiecky 100 Titel mit mehreren Tausend Exemplaren herausgegeben, manchmal in mehreren Auflagen. Ein Gespür für den Markt hatte der Herausgeber eines der Bücher, die als Antwort auf das Buch von Tomasz Gross über Jedwabne erschienen, als er erklärte, dass der Autor des polemischen Werkes, eine Autorität mit Professorentitel, die Quellen nicht geprüft hat: "Er wusste noch nicht einmal, wo diese kleine Stadt liegt. Ich habe mich vor der Veröffentlichung schlau gemacht, aber Geschäft ist Geschäft."

Bücher, Broschüren und Schriften antisemitischen und fremdenfeindlichen Inhalts werden herausgegeben, um damit Geld zu verdienen und aus dem Grunde, warum man sie kauft: Um Erleichterung zu verspüren, weil einem die Verantwortung abgenommen wird für misslungene Vorhaben, für Pech und Fehlentscheidungen - die eigenen und die des Staates, um einfache Antworten zu bekommen.

Andrzek Siekierzycki vom Verlag Ostoja, der vor neun Jahren mit der Herausgabe juristischer Literatur begonnen hatte, verzichtet jetzt ganz darauf, weil die Werke von Pfarrer Kruszynski, von Pfarrer Trzeciak oder Giertych viel mehr einbringen. Pfarrer Kruszynski konnte 1924 nicht ahnen, auf welch traurige Weise sich seine Voraussage bewahrheiten würde, die er am Ende seines Buches "Antisemitismus, Antijudaismus und Antigoiismus" machte: "Die Wellen des Antijudaismus nahen und es hat den Anschein, dass sie im 20. Jahrhundert auf dem Feld der Entjudung christlicher Länder und Völker ihre unauslöschlichen Spuren hinterlassen werden." Bösen Taten gingen in der Regel böse Worte voraus. Heute gehen wir davon aus, dass es nur Worte sind. (TS)

  • Datum 14.04.2004
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