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Asien

Zwei Jahre nach der Safran-Revolution in Birma

Im September 2007 hatte Birmas Militärregime die von Mönchen angeführten Massenproteste blutig niedergeschlagen. Zwei Jahre später ist die Lage schlimmer denn je. Aber der Wille zum Widerstand bleibt ungebrochen.

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Mit großen Hoffnungen hatten die Mönche ihren friedlichen Protest gegen das Militärregime begonnen

"Ich werde die ganze Zeit beobachtet, weil man mich für einen Organisator hält. Zwischen 12 Uhr mittags und 14 Uhr darf ich das Kloster verlassen, aber ich werde verfolgt... Angst habe ich nicht, nicht um mich. Und ich bereite mich darauf vor, wieder auf die Straße zu gehen. Wir wollen die Junta nicht. Jeder in meinem Kloster denkt so." So beschreibt ein Mönch aus Birma seinen bedrückenden Alltag. Er ist einer von etlichen Mönchen, deren Schilderungen in einem aktuellen Bericht der US-Organisation Human Rights Watch (HRW) dokumentiert wurden.

Ein Rückblick: Im September 2007 hatte Birmas Militärregime die landesweit von Mönchen angeführten, friedlichen Demonstrationen blutig niedergeschlagen. Die Menschen waren für Freiheit, Demokratie und bessere Lebensbedingungen auf die Straße gegangen. Das mussten sie bitter büßen. Tausende wurden verhaftet, misshandelt oder bedroht, darunter etliche Mönche. Wie viele Demonstranten ermordet wurden, ist bis heute nicht bekannt. Einem Teil der Mönche gelang die Flucht.


Flucht nach Thailand

Myanmar Birma Mönche auf dem Weg zur Demonstration

Die Junta macht noch immer Jagd auf kritische Mönche - nur wenigen gelingt die Flucht ins Ausland

Wochenlang hatten sie durch den Dschungel ins benachbarte Thailand durchgeschlagen. "Solch eine Kriegsstimmung gegen unsere buddhistische Glaubensgemeinschaft ist uns noch nie begegnet", sagte damals einer der Mönche gegenüber der Deutschen Welle, der es bis in die thailändische Grenzstadt Mae Sot geschafft hatte. "Das Regime benutzte dazu meist Kriminelle, die in Gefängnissen einsaßen. Die Junta gab ihnen Geld, um uns anzugreifen."

Zwei Jahre nach der sogenannten "Safran-Revolution" sitzen laut HRW immer noch mehr als 250 Mönche und Nonnen hinter Gittern. Viele, die nicht ins Ausland fliehen konnten, tauchten in ihren Heimatdörfern unter – oft mit Hilfe von Familie und Freunden, die sich dadurch ebenfalls in Lebensgefahr begeben. Aus Angst vor neuen Protesten hat Birmas Militärregime die Überwachung der Klöster verschärft.

Mönche müssen Roben ablegen

Birma Mönchsaufstand in Birma Myanmar

Gegen Glauben und Gewaltlosigkeit gehen die Generäle mit Brutalität und Unterdrückung vor

Einschüchterungen sind weiter an der Tagesordnung: "Aus Rangun haben wir Informationen erhalten, dass vor allem kleinen Klöstern, die lokale Hilfsprogramme durchführen, mit Schließung gedroht wurde", sagt der für HRW zuständige Birma-Beobachter David Mathieson. Vielerorts blieb es indes nicht bei Drohungen: Auf Druck des Regimes wurden bereits etliche von Mönchen initiierte Projekte im Gesundheits- und Sozialbereich in der ehemaligen Hauptstadt Rangun, aber auch in anderen Teiles des Landes unterbunden.

Nach wie vor müssten Mönche, die politischer Aktivitäten verdächtigt werden, ihre Roben ablegen. "Vor den Pforten sind Agenten des militärischen Geheimdienstes, sie beobachten jeden, der ein- und ausgeht. Ein Geheimdienstmitarbeiter überprüft morgens und abends, welche Mönche hier sind, und geht dann wieder", berichtete ein Mönch aus Mandalay gegenüber der Menschenrechtsorganisation. Die massive Unterdrückung bleibt nicht ohne sichtbare Folgen: "Die Anzahl der Mönche in den Klöstern hat sich merklich verringert", sagt Bertil Lintner, langjähriger Birma-Kenner und Verfasser des Berichts "Der Widerstand der Mönche".

Fast 90 Prozent der 54 Millionen Einwohner Birmas sind Buddhisten, die Mönche werden im Land tief verehrt. Dass das Militärregime auf die Robenträger schießen ließ, sie ermordete und misshandelte, hat die Bevölkerung den Diktatoren nicht verziehen. Offene Anzeichen für neue Proteste gebe es zur Zeit allerdings nicht, sagt der Birma-Experte Bertil Lintner. "Jetzt auf die Straße zu gehen, wäre Selbstmord, und so töricht sind die Mönche nicht."

Wille zum Widerstand ungebrochen

Myanmar Birma Burma Mönche drohen mit Aufruf zu Olympia-Boykott

Der Kampf für Freiheit und Demokratie geht weiter - trotz des Terrors der Generäle

Aber natürlich bleiben die Schreckensbilder aus jenen Septembertagen 2007 unvergessen. Beobachter wie Lintner sind davon überzeugt, dass die Mönche irgendwann wieder aktiv werden. Das hatten auch einige der Robenträger bekräftigt: "Das Regime hat es trotz Massenverhaftungen, Morden, Folter und Inhaftierungen nicht geschafft, unseren Wunsch nach Freiheit, die man uns geraubt hat, auszulöschen", so beispielsweise der im November 2007 festgenommene Mönch U Gambira. Er war einer der führenden Köpfe der "Safran-Revolution" und muss deswegen 63 Jahre Haft absitzen. Weiter hatte U Gambira gesagt: "Wir halten am Prinzip der Gewaltlosigkeit fest, aber wir haben einen unerschütterlichen Willen. Es gibt kein Zurück."

Autorin: Nicola Glass, Redaktion: Nicola Reyk