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Aktuell Deutschland

Zwei Festnahmen nach Übergriffen in Köln

Nach den massenhaften sexuellen Übergriffen an Silvester hat die Kölner Polizei zwei weitere Verdächtige festgenommen. Bei den Männern mit Migrationshintergrund wurden Handys sichergestellt.

Auf den Geräten waren laut Medienberichten Videos aus der Silvesternacht gespeichert. Die Filme sollen Ausschreitungen und Übergriffe auf Frauen zeigen.

Eine Woche nach den Kölner Übergriffen ist allerdings immer noch unklar, was genau in der Silvesternacht geschah und wie der Einsatz der Polizei genau verlief. Nun wurde ein Einsatzprotokoll eines leitenden Bundespolizisten öffentlich. Darin behauptet dieser, die Verantwortlichen hätten das Ausmaß und Dramatik der Lage in der Silvesternacht frühzeitig erkannt haben müssen. Die Polizei hingegen hatte beteuert, erst nach Mitternacht von den sexuellen Übergriffen auf Frauen erfahren zu haben.

In dem Bericht schreibt der Beamte, die Bundespolizisten seien bereits am Silvesterabend vor 22.45 Uhr von "vielen aufgewühlten Passanten" über "Schlägereien, Diebstähle, sexuelle Übergriffe" informiert worden. Er habe befürchtet, dass das "Chaos" am Hauptbahnhof "noch zu erheblichen Verletzungen, wenn nicht sogar zu Toten führen würde".

Polizei war offenbar unterbesetzt

In einem Interview mit der "Kölnischen Rundschau" sagte der heftig kritisierte Polizeipräsident Wolfgang Albers, er habe "im Verlauf des Neujahrsmorgens Kenntnis" von dem Einsatz erhalten. Es habe sich in der Silvesternacht eine Lage entwickelt, die "überraschend und so nicht vorhersehbar" gewesen sei. Einen Rücktritt lehnt Albers bisher ab. Dem Westdeutschen Rundfunk aus Köln liegt außerdem ein interner Bericht der Kölner Polizei vom 2.1.16 vor. Demnach war die Polizei am Silvesterabend offenbar personell unterbesetzt.

In der Silvesternacht hatten sich am Kölner Hauptbahnhof nach Angaben der Polizei aus einer Menge von rund 1000 Männern heraus kleinere Gruppen gelöst, die vor allem Frauen umzingelt, begrapscht und bestohlen haben sollen. Da die Polizei "nicht jedem Opfer einer Straftat helfen und den Täter dingfest machen konnte, kamen die eingesetzten Beamten an die Grenze zur Frustration", beschreibt der Bundespolizist die Lage in seinem Protokoll. Die Beamten hätten sich schließlich "auf die Lagebereinigung mit den notwendigsten Maßnahmen" beschränkt. Kölns Polizei wollte sich zunächst nicht zu dem Bericht des Bundespolizisten äußern.

Hat die Polizei die Herkunft der Verdächtigen bewusst verschwiegen?

Laut einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" vom Freitag sollen Verantwortliche der Kölner Polizei die Herkunft der Tatverdächtigen vom Hauptbahnhof absichtlich verheimlicht haben. Der Polizeiführung sei offenbar schon in der Silvesternacht klar gewesen, dass es sich bei vielen von rund hundert kontrollierten jungen Männern um Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan gehandelt habe, die erst seit kurzem in Deutschland lebten, heißt es in dem Bericht. Der verantwortliche Dienstgruppenleiter nannte die Herkunft der kontrollierten Männer dem Zeitungsbericht zufolge bewusst nicht, weil ihm dies "politisch heikel" erschienen sei. Die Polizei wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Video ansehen 01:53

Köln: Die Polizei verstärkt Präsenz

"Nach meiner Kenntnis wurden mindestens in 80 Fällen Personalien kontrolliert, Menschen festgenommen oder in Gewahrsam genommen", sagte der nordrhein-westfälische Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, in einem Vorabbericht der "Welt am Sonntag". Seinen Kollegen zufolge hätten mehrere der kontrollierten Männer Meldebescheinigungen des Bundesamts für Migration vorgelegt. Weshalb genau die Männer in den Fokus der Polizei gerieten, blieb zunächst offen.

Schleppende Suche nach Tätern

Auf der Suche nach Schuldigen kommt die Polizei bisher nur langsam voran: Es seien inzwischen 16 Verdächtige ausfindig gemacht worden. "Wir prüfen nun, ob sie tatsächlich in Zusammenhang mit den Taten stehen", sagte ein Sprecher. Einige Verdächtige - alle nordafrikanischer Herkunft - seien vorübergehend festgenommen worden, jedoch vor allem wegen Diebstählen, die sie teils außerhalb Kölns begangen haben sollen.

Bis Donnerstagmittag wurden 121 Strafanzeigen gestellt. Bei etwa drei Viertel der Taten hätten die Opfer angegeben, sexuell bedrängt worden zu sein. In 50 dieser Fälle seien die Frauen auch bestohlen worden. Bisher wurden zwei Vergewaltigungen angezeigt.

nem/haz (afp, dpa)

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