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Asien

Zwei DW-Journalisten in Afghanistan getötet

Erstmals seit dem Sturz der Taliban sind in Afghanistan deutsche Journalisten getötet worden. Es handelt sich um zwei freie Mitarbeiter der Deutschen Welle.

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Polizisten untersuchen das Auto der ermordeten Journalisten

Einen Tag nach dem Mord an zwei deutschen Journalisten in der nordafghanischen Provinz Baghlan hat die Polizei eine Operation zur Festnahme mehrerer Verdächtiger begonnen. Das Innenministerium teilte am Sonntag (8.10.) mit, ein Polizeiteam in Baghlan suche nach den möglichen Tätern. Provinzgouverneur Sayed Ekram Masumi sagte der dpa, fünf bis sechs Verdächtige seien identifiziert worden.

Bei den Getöteten handelt es sich um zwei freie Mitarbeiter der Deutschen Welle, Karen Fischer (30) und Christian Struwe (38). Beide waren auf einer privaten Recherche-Reise unterwegs zu den historischen Stätten in Bamijan, wo die Taliban im März 2001 weltberühmte Buddha-Figuren gesprengt hatten. Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums wurden sie in der Nacht zum Samstag in ihrem Zelt in der Region Abi Tooltak erschossen.

Raubüberfall ausgeschlossen

Der Polizeichef Bamijans, General Mohammed Dschalal Haschimi, sagte, die Journalisten seien allein - ohne Fahrer und ohne einheimischen Führer - unterwegs gewesen. Der oder die Täter hätten mehrere Schüsse auf ihre Opfer abgefeuert. Einen Raubüberfall schloss er aus. Kameras, die weitere technische Ausrüstung und das Auto seien gefunden worden.

Karte von Afghanistan mit den Provinzen Baghlan und Bamijan sowie der Hauptstadt Kabul Quelle: DW

Der Sprecher der internationalen Schutztruppe ISAF, Major Dominic White, sagte, die Journalisten hätten bis vergangenen Mittwoch "Arbeit im Zusammenhang mit der ISAF" geleistet und seien dann auf eigene Faust durchs Land gezogen.

Taliban weist Verantwortung zurück

Die radikal-islamischen Taliban haben jede Verantwortung für den Mord an den beiden Journalisten der Deutschen Welle in Nordafghanistan zurückgewiesen. "Unsere Mudschaheddin greifen keine Journalisten an", sagte Taliban-Sprecher Kari Jussuf Ahmadi der dpa. "Das ist nicht unser Ziel. Wir greifen nur Amerikaner und ihre Unterstützer an."

DW-Intendant Erik Bettermann reagierte betroffen auf den Tod der Kollegen: "Es ist tragisch, dass Karen Fischer und Christian Struwe in dem Land sterben mussten, das sie in den vergangenen Jahren mit hohem persönlichen Einsatz unterstützt haben."

Steinmeier: "Grausam und sinnlos"

Die Bundesregierung hat die Ermordung von zwei deutschen Journalisten in Afghanistan "auf das Schärfste" verurteilt. "Der grausame und sinnlose Tod unserer Landsleute bestärkt uns in unserer Verpflichtung, die afghanische Regierung in ihrem Einsatz für Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit in Afghanistan umso nachdrücklicher zu unterstützen", erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 kommt es in Afghanistan nicht nur zu Anschlägen gegen ausländische Soldaten, sondern immer wieder auch zu Angriffen auf Zivilisten. In diesem Jahr hat die Gewalt in Afghanistan massiv zugenommen und ist so intensiv wie nie zuvor seit dem Ende des Taliban-Regimes. Dabei ist es allerdings im Norden, wo auch die Bundeswehr im Rahmen der internationalen Schutztruppe Isaf stationiert ist, verhältnismäßig ruhig. Die Hochburgen der aufständischen Muslim-Extremisten liegen im Süden und Osten des Landes.


Karen Fischer arbeitete seit drei Jahren als Reporterin für DW-RADIO. Thematische Schwerpunkte ihrer Arbeit waren der Nahost-Konflikt und Afghanistan. Sie war mehrfach für die Deutsche Welle am Hindukusch und berichtete u.a. über die Wahlen und den Wiederaufbau des Landes.

Christian Struwe hatte bei dem von der Deutschen Welle unterstützten Aufbau einer Internationalen Nachrichtenredaktion beim staatlichen Sender Radio Television Afghanistan mitgewirkt. Das Projekt war im August nach erfolgreicher Übergabe an RTA beendet worden.

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