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Afghanistan

Zwei Drittel aller afghanischen Mädchen besuchen keine Schule

Die Zahl der afghanischen Mädchen mit Schulbildung geht zurück, warnt Human Rights Watch. Verantwortlich ist demnach nicht nur der Vormarsch der Taliban, sondern auch das fehlende Engagement des Westens.

Schule in Kandahar (Archivbild von 2013) (Getty Images/AFP/M. Hossaini)

Schule in Kandahar (Archivbild von 2013)

Die Bemühungen, afghanischen Mädchen Zugang zur Bildung zu ermöglichen, sind in den vergangenen Jahren eingebrochen. Dies schreiben Experten der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in einem 132 Seiten langen Bericht: "16 Jahre, nachdem die US-geführte militärische Intervention die Taliban vertrieben hat, gehen etwa zwei Drittel aller afghanischen Mädchen nicht zur Schule." 

Zur Zeit des Talibanregimes zwischen 1996 und 2001 durften nur wenige Mädchen zur Schule gehen. Die "Befreiung" der afghanischen Mädchen und Frauen war ab 2002 eine zentrale Begründung für den internationalen Einsatz in Afghanistan. 

Aber selbst optimistischen Statistiken zufolge sei der Prozentsatz der Mädchen, die zur Schule gingen, nie höher als 50 Prozent gewesen, heißt es in dem Bericht. Nun trieben die schlechte Sicherheitslage, Armut und Binnenflucht wieder Mädchen aus den Schulen, sagte Liesl Gerntholtz, die Frauenrechts-Direktorin von HRW. "Ein einziger Angriff kann Hunderte Eltern ängstigen und für Jahre davon abhalten, Töchter zur Schule zu schicken", so der Bericht weiter. 

Der vollständige Bericht

Die Taliban kontrollieren nach Militärangaben heute rund elf Prozent des Landes und kämpfen um weitere 30 Prozent. Besonders problematisch sei, dass Lehrerinnen fehlten, weil viele Eltern nicht erlaubten, dass ihre Töchter von Männern unterrichtet werden, erklärt die Autorin des Berichts, Heather Barr. 

In sieben von 34 Provinzen seien weniger als zehn Prozent aller Lehrkräfte Frauen. In 17 Provinzen seien es weniger als 20 Prozent. Andere Barrieren seien die Ablehnung von Mädchenbildung in Gemeinden, die frühe Verheiratung von Mädchen, Kinderarbeit und ein Mangel an Schulen. HRW kritisiert auch, dass Hilfsgelder weniger würden. Viele Kinder lernten wegen fehlender staatlicher Schulen in NGO-Initiativen, und hier mache sich der Geldmangel schon bemerkbar. 

stu/ml (dpa, hrw.org)
 

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