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Fußball

Zwei Deutsche für Kasachstan

Beim EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland wird ein deutscher Trainer auf der kasachischen Bank sitzen und ein Verteidiger für Kasachstan spielen, der in Deutschland aufgewachsen ist.

Flagge Kasachstans und Deutschlands. Montage: DW

Der Nationaltrainer des kasachischen Teams, Bernd Storck bei einer Pressekonferenz. Foto: dpa

Nationalcoach Bernd Storck

"Wir müssen unsere ganze Energie aufwenden, um den Deutschen Paroli zu bieten", sagt Bernd Storck vor dem EM-Qualifikationsspiel in Astana an diesem Dienstag (12.10.2010). Der 47-Jährige spielte früher für die Bundesligisten VfL Bochum und Borussia Dortmund. Seit mehr als zwei Jahren lebt und arbeitet Storck als Trainer in Kasachstan. Zunächst betreute er den FK Almaty, einen Club in der früheren Hauptstadt des Landes. 2008 übernahm er das Training der U-21-Nationalmannschaft Kasachstans. Seit Anfang 2009 sitzt er auch bei Spielen des A-Nationalteams auf der kasachischen Trainerbank. "Meine Auswahl an Spielern hier ist nicht so groß", sagt Stork. "Es ist nicht einfach, daraus eine schlagkräftige Nationalmannschaft zu formen." In der kasachischen Liga spielen zwölf Mannschaften, nur sechs der Clubtrainer haben eine Lizenz des Weltfußballverbands FIFA. Neben Storck arbeitet mit Holger Fach ein weiterer deutscher Trainer in dem Staat am Kaspischen Meer. Seit Anfang des Jahres betreut er den kasachischen Vizemeister Lokomotive Astana. "Fach ist eine absolute Bereicherung", lobt Storck seinen Kollegen.

"Geduld ist hier keine große Stärke"

Die kasachische Hauptstadt Astana bei Nacht. Foto: DW

Hauptstadt Astana bei Nacht

Drei Spiele, drei Niederlagen, 0:7 Tore - die Bilanz Kasachstans nach drei EM-Qualifikationsspielen ist mager. Immerhin gelang es Storcks Team aber am vergangenen Freitag (08.10.2010) beim Heimspiel gegen Belgien, eine Halbzeit lang ein 0:0 zu halten. Diese 45 Minuten seien die beste Leistung seiner Mannschaft gewesen, seit er sie trainiere, sagt Storck. Am Ende siegten jedoch die Belgier mit 2:0. Das Ziel des deutschen Trainers ist nicht die Teilnahme an der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Vier Jahre später in Frankreich aber will er dabei sein. "Das betrachte ich als realistisch, da ich gute und regelmäßige Fortschritte sehe." Ob Storck in sechs Jahren jedoch noch Nationalcoach der Kasachen ist, erscheint ihm selbst fraglich: "Geduld ist in diesem Land keine große Stärke."

Spielersuche per Internet

Per Internet machte sich Storck vor einiger Zeit schlau, ob es in Europa kasachisch-stämmige Fußballprofis gäbe, die er für einen Einsatz im Nationalteam gewinnen könnte. In Deutschland wurde er gleich zweimal fündig: Sergej Karimow, Abwehrspieler des Bundesligisten VfL Wolfsburg, spielt nun für sein Geburtsland Kasachstan. Gegen Deutschland fehlt der 23-Jährige jedoch wegen einer Verletzung.

Oberhausens Heinrich Schidtgal jubelt mit Mitspielern über einen Treffer. Foto: dpa-pa

Heinrich Schmidtgal (l.) spielt für den Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen

Auflaufen aber wird Heinrich Schmidtgal. Der 24 Jahre alte Verteidiger des Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen bestritt gegen Belgien sein zweites Länderspiel für Kasachstan. Schmidtgal wuchs in Westfalen auf. Dorthin waren seine Eltern ausgewandert, als er zwei Jahre alt war. "Es war schon ein komisches Gefühl, nach 22 Jahren erstmals in mein Geburtsland zurückzukehren", erzählt Schmidtgal, der erst seit kurzem einen kasachischen Pass hat. "Hier liegen meine Wurzeln, also bin ich stolz darauf, für Kasachstan zu spielen." Und dann auch noch gegen Deutschland. "Das ist schon der Hammer und natürlich für mich ein ganz besonderes Spiel", sagt Schmidtgal.

Große Chancen gegen den WM-Dritten rechnen sich weder Spieler Schmidtgal noch Nationaltrainer Storck aus. "Für uns geht es nur darum zu lernen. Wir bekommen von einer der besten Mannschaften der Welt Anschauungsunterricht auf höchstem Niveau", meint Stork, verspricht jedoch: "Wir wollen Deutschland so lange ärgern, wie es geht."

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Wolfgang van Kann

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