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Europa

Zwei Brüder für einen Labour-Vorsitz

Welcher Bruder wird es? Diese Frage stellen sich die Mitglieder der Labour-Partei in Großbritannien. Ed und David bewerben sich beide auf den Parteivorsitz. Das Ringen um die Nachfolge Gordon Browns hat nun begonnen.

Ed Miliband (links) und David Miliband auf dem Foto am 03.04.2010 (Foto: Nick Ansell)

Zwei Brüder, ein Ziel

Die Brüder Miliband haben viel gemeinsam: Beide haben in Oxford studiert, beide sind in der Labour-Partei und beide waren Minister unter Gordon Brown. David und Ed stehen sich sehr nah. Bis vor kurzem lebten sie mit ihren Familien in einer Hausgemeinschaft im Londoner Reichenviertel Primrose Hill. Nun bewerben sich beide Milibands um den Vorsitz der Labour-Partei. Doch zwischen den Brüdern gibt es auch kleine Unterschiede.

Ex-Außenminister David Miliband Foto: (AP/Mikhail Metzel)

Ex-Außenminister David Miliband



Cleverer David Miliband gilt als Favorit

David Miliband wurde 1994 Planungschef von Tony Blair. Bis Mai 2010 war er drei Jahre lang Großbritanniens Außenminister unter Premier Gordon Brown. Der 45-Jährige mit der Aura des Staatsmanns sucht die Abgrenzung zur alten New Labour-Politik.

Politisch will David Miliband, so wie auch alle anderen Kandidaten, einen Schlussstrich unter der alten Labour-Politik ziehen. Unterstützt wird er dabei von Geschäftsleuten, die auch schon Blair finanzierten. Aber auch gewichtige Labourpolitiker stehen hinter ihm.

Smarter Ed Miliband mit guten Chancen

Ex-Umweltminister Ed Miliband Foto: DPA/Lewis Whyld

Ex-Umweltminister Ed Miliband

Ed grenzt sich stärker als sein fünf Jahre älterer Bruder von der alten Labour-Politik ab und wird dabei von den Gewerkschaften unterstützt. Blairs einst gefeierten Rezepte würden nicht mehr helfen, sagte Ed Miliband, der unter Brown Klima- und Energieminister war. Er sieht sich als Kandidat der Modernisierung und des Wandels und will vor allem die Arbeiter wieder an Labour binden. Die Wahl hat am Mittwoch (01.09.2010) begonnen. Nach aktuellen Umfragen wird Ed Miliband von 31 Prozent der Labour-Mitglieder unterstützt. Sein Bruder David kommt auf 36 Prozent.

Die Parteimitglieder schauen gespannt auf die Wahlen ihres neuen Vorsitzenden. Denn Labour hat eine schwierige Zeit hinter sich: Am 6. Mai 2010 wurde die Partei bei der Unterhauswahl klar abgewählt: Sie gewann nur 29 Prozent Stimmenanteil - das schlechteste Ergebnis der Partei seit 1983. Jetzt versucht Labour, wieder auf die Füße zu kommen.

Hoffen auf bessere Zeiten

Schon seit Blairs Regierungsantritt 1997 hatte Labour in Großbritannien fünf Millionen Wähler verloren. "Wir sind festgefahren in alten Sicherheiten, schlechten Strategien und wurden völlig realitätsfremd", sagt Ed Miliband. Labour sei zur "Partei der Bankerboni" verkommen, statt sich um klassisch sozialdemokratische Themen zu kümmern.

Rücktritt von Gordon Brown nach Wahlniederlage am 6.5.2010. Frau Sarah im Hintergrund. Foto: AP/Alastair Grant

Rücktritt von Gordon Brown nach Wahlniederlage im Mai

Neben den Milibands bewerben sich auch die Ex-Minister Andy Burnham und Ed Balls sowie die langjährige Parlamentsabgeordnete Diane Abbott um das Amt des Parteiführers. Große Chancen haben sie nach derzeitigen Umfragen aber nicht. Das Ergebnis soll am 25. September, einen Tag vor dem Beginn des Labour-Parteitages in Manchester, bekannt gegeben werden.

Welcher Miliband?

Mit dem neuen Vorsitzenden, der wohl mit Nachnamen Milliband heißt, hofft die Partei auf bessere Zeiten. Und ganz so schlecht stehen die Chancen dafür nicht: Es ist nämlich fraglich, ob die außergewöhnliche Regierungskoalition aus Liberalen und Konservativen die vollen fünf Jahre der Parlamentsperiode halten wird. Das drastische Sparpaket könnte zu Protesten, Konflikten und zum Bruch der Koalition führen. Auf diesen Moment will Labour dann vorbereitet sein - mit einem neuen Vorsitzenden.

Autor: Gero Rueter (dpa, afp)

Redaktion: Julia Kuckelkorn

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