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Aktuell Nahost

Zwölf Tote bei Unruhen in Kairo

Ägypten kommt vier Tage nach der Katastrophe im Stadion von Port Said nicht zur Ruhe. Erneut demonstrierten tausende Menschen in Kairo gegen den Militärrat. In der Nähe des Innenministeriums kam es zu Ausschreitungen.

Demonstranten mit Flaggen und Siegeszeichen (Foto:rtr)

Immer wieder flammt die Gewalt auf in Kairo und anderen Städten

Demonstranten und Polizei lieferten sich Straßenschlachten. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Schrotpatronen gegen steinewerfende Protestler in der Nähe des Innenministeriums vor. In der Nacht zum Sonntag wurde nach einem Bericht des Staatsfernsehens das Finanzamt der Hauptstadt in Brand gesetzt. Teile des Gebäudes brannten lichterloh.

Seit Beginn der neuen Protestwelle gegen den regierenden Militärrat kamen mindestens zwölf Menschen bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei ums Leben. Mehr als 2500 Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt.

Die Protestbewegung fordert, dass der regierende Militärrat, der überwiegend aus langjährigen Gefolgsleuten des vor einem Jahr gestürzten Machthabers Husni Mubarak besteht, möglichst schnell abtritt und ein neuer Staatschef gewählt wird. Die Zeitung "Al-Tahrir" titelte: "Das Land will einen Präsidenten." Vorgesehen ist eigentlich, dass zunächst eine neue Verfassung entworfen und dann im Juni ein neuer Präsident gewählt wird. Bis dahin will die Protestbewegung aber nicht warten.

Auslöser waren die tödlichen Krawalle in Port Said

Die neuen Proteste hatten begonnen, nachdem am Mittwoch bei einem Erstligaspiel in der Stadt Port Said bei Ausschreitungen im Stadion 74 Menschen ums Leben gekommen waren. Fußballfans warfen der Polizei vor, nicht eingegriffen und weggeschaut zu haben, als Spieler und Anhänger des Kairoer Klubs Al-Ahli attackiert wurden. Aktivisten und Menschenrechtler machen die Militärs verantwortlich. Gerüchte kamen auf, dass die Krawalle auf dem Spielfeld von bezahlten Schlägertrupps provoziert wurden, um Chaos zu stiften.

International wächst die Besorgnis

Nicht nur die Bevölkerung fordert Konsequenzen aus den Vorfällen im Stadion, auch der politische Druck auf die Führung in Kairo wächst. Die Europäische Union drängt auf eine "sofortige und unabhängige Untersuchung" der Gewalt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte von der ägyptischen Regierung "angemessene Maßnahmen". Der Weltfußballverband Fifa forderte die ägyptischen Behörden zu einem "vollständigen Bericht" über die Krawalle auf. Die gesamte Spitze des ägyptischen Fußballverbandes trat inzwischen zurück.

Am 25. Januar hatten zehntausende Ägypter den ersten Jahrestag der Massenproteste gefeiert, die das Ende der Ära Mubarak einleiteten.

qu/gri (rtr,dpa)

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